Osternacht
Auferstehung
Osterpilgern
 
 

Predigt Ostersonntag 2018

Liebe Brüder und Schwestern!

Beim Herabsteigen vom Berg der Verklärung gebot Jesus den drei Aposteln, die dabei sein durften – Petrus, Jakobus und Johannes –, „niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.“ Es heißt dann, dass sie dieses Wort beschäftigte und dass sie einander fragten, was das sei: Von den Toten auferstehen (vgl Mk 9,9-10). Und als Jesus später allen Jüngern mitteilte, der Menschensohn werde in die Hände von Menschen ausgeliefert, dass sie ihn töten würden, dass er aber 3 Tage nach seinem Tod auferstehen werde, schreibt auch da der Evangelist: „Sie aber verstanden das Wort nicht, fürchteten sich jedoch, ihn zu fragen“ (Mk 9,32).

Was ist eigentlich die Auferstehung Jesu und was bedeutet sie?

Papst Benedikt hat es mit einem Begriff aus der Evolution zu erklären versucht. Er sagte, sie sei so etwas wie eine „Mutation“ zum Besseren, etwas, das nicht nur Jesus selbst, sondern den Menschen insgesamt und die ganze Schöpfung betrifft. Eine bekannte katholische Schriftstellerin (Sophie Lobkovits-Maasburg) geht noch etwas weiter und sagt, die Auferstehung Jesu sei so etwas wie ein zweiter Urknall gewesen, das heißt etwas, das die ganze Schöpfung verändert hat.

Klar ist, dass die Auferstehung Jesu nicht bloß die Erweckung eines Toten ist wie z.B. beim Jüngling von Naim oder bei Lazarus. Die Auferstehung Jesu ist etwas wesentlich Anderes. Sie ist die Frucht eines Aktes unendlicher Liebe, der gleichen Liebe, mit der Jesus das Evangelium verkündet und die vielen Wunder bewirkt hat. Es ist die gleiche unendlich große Liebe, die Ihn mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl feiern ließ und ihnen in Hinblick auf sein Leiden, sein Sterben und seine Auferstehung unter der Gestalt des Brotes seinen Leib und unter der Gestalt des Weines sein Blut reichte. Diese gleiche unendlich große Liebe ließ es zu, dass Jesus den Tod am Kreuz erlitt, und sie war es auch, die das Grab gesprengt hat. Es war die Liebe des menschgewordenen Gottessohnes, der wahrer Mensch und zugleich wahrer Gott ist. Die Auferstehung Jesu von den Toten betraf sein Mensch-Sein, sie betrifft auch unser Mensch-Sein. Sie war das Werk seiner Gottheit. Paulus schreibt von Jesus, dass er „der Erstgeborene unter den Toten“ (Kol 1,19) sei. Es war der Anfang der neuen Schöpfung. Für das Leben Jesu und sein Wirken, für seine Hingabe am Kreuz und insbesondere für seine Auferstehung gilt das Wort, das sich in der Geheimen Offenbarung findet: „Seht, ich mache alles neu“ (Apk 21,5). Der auferstandene Herr ist bereits der Anfang des Neuen Himmels und der Neuen Erde (vgl Apk 21,1). Die Kirche jubelt am Osterfest: „Das ist der Tag, den der Herr gemacht: Lasst uns jubeln und seiner uns freuen.“

Verstandesmäßig können wir es wohl nie ganz fassen, aber der Glaube sagt uns: Ostern ist ein Fest großer Freude, weil Christus den Tod besiegt und durch seine unendlich große Liebe, durch seinen Gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz den Tod an seiner Wurzel geheilt hat. Er hat die Sünde überwunden, die Ursache des Todes ist. Es muss uns aufhorchen lassen, wenn Jesus bei seiner ersten Begegnung nach der Auferstehung die Jünger  anhaucht und zu ihnen sagt: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben.“ Er zeigt seine Wunden, denn wie Jesaja es prophezeit hat: „Durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jes 52,5). Das ist die Art, wie Er alles neu macht.

Ostern ist ein Fest, das sich auf Christus bezieht. Wir freuen uns, weil Er, der Todgesagte, lebt. Es bezieht sich aber auch auf uns. Ostern schenkt eine ganz große Hoffnung. Sie betrifft nicht erst das Leben nach dem Tod, sondern auch schon unser Leben jetzt.  In welchem Sinn und wie ist das möglich?

Es hat mich gefreut, dass wir in der vergangenen Nacht im Dom die Taufe einer Familie feiern konnten. Die Taufe gehört eigentlich in die Osternacht, von ihrer inneren Logik her. Durch die Taufe und die anderen Sakramente erlangen wir Anteil am Auferstandenen, Anteil an seinem Leben, das ein ganz und für immer mit Gott verbundenes, unsterbliches Leben ist. Vom Auferstandenen empfangen wir den Geist, der Leben spendet. Es ist der Heilige Geist. Er wird vor allem durch die Firmung vermittelt. Die hl. Kommunion wurde von Thomas von Aquin als „Keim des Ewigen Lebens“ bezeichnet. Wir empfangen mit der hl. Kommunion ihn selbst und dieses sein Leben, wenigstens keimhaft. Und die Heilige Schrift enthält „Worte des Ewigen Lebens“. Durch das Geheimnis der Kirche lebt der durch Leiden und Sterben hindurchgegangene, auferstandene und lebendige Christus auch jetzt unter uns als unser Erlöser und Retter.

Wir dürfen dabei aber nicht übersehen, dass wir bei diesem Anteil-Erlangen an seinem Leben immer auch selbst beteiligt sind. Jahr für Jahr hören wir am Ostersonntag die Aufforderung des hl. Paulus: „Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische“! Das ist ein wichtiger Hinweis. Es hängt letztlich doch auch von uns ab, ob wir mit Gottes Hilfe, mit der Hilfe Jesu und seines Geistes tatsächlich neu werden. Ostern ist ein Fest, das uns anspornt und uns Optimismus verleiht. Es macht uns bewusst: Nichts braucht uns zu entmutigen. Weder unsere eigenen Fehler, noch die der Anderen, weder die Situation der Kirche noch jene der Gesellschaft. Die Botschaft lautet: Er hat die Welt besiegt (vgl. Joh. 16,33) und wenn wir ihn aufrichtig suchen und auf ihn hören, werden auch wir mit ihm vereint siegen. Mit seiner Hilfe und persönlicher Bemühung kommt es in unserem Leben zu einer Veränderung, die uns nach und nach reifer macht, bis wir reif sind für das Ewige Leben. Und es gibt auch Hoffnung für Kirche und Gesellschaft. In der Kirche war es wiederholt so, dass man den Eindruck gewinnen konnte, es sei mit ihr vorbei. Sein Geist aber, der Heilige Geist, rief und ruft immer wieder neues Leben hervor. Der auferstandene Christus selbst wird lebendig. Der Heilige Geist überschattet manche Glieder der Kirche, die dazu bereit sind, Christus aufzunehmen,  und die Ihn durch ihr christliches Leben gewissermaßen zur Welt bringen. Solche Christen werden von einer Liebe beseelt, die auch für die Gesellschaft und die ganze Welt eine Hoffnung darstellt. Es ist die Liebe, die der Sohn Gottes in die Welt gebracht hat. Es ist  Jesu Liebe, die auch der Heilige Geist hervorbringt. Und es wird zu einem großen Auftrag, die österliche Botschaft an die anderen weiterzugeben, Menschen in Not zu helfen und, wenn es erforderlich ist, auch in Politik und Gesellschaft die Stimme zu erheben.

Maria, die Königin des Himmels, die ihn zu tragen würdig war, möge uns beistehen, damit wir das Leben haben und damit wir in unserem Verlangen, ans Ziel zu gelangen und auf unserem Weg möglichst viele mitzunehmen, mit Zuversicht und österlicher Freude erfüllt sind.