Bischof Alois Schwarz und Bischof Klaus Küng
Berufungswallfahrt Maria Taferl
Caritas Haussammlung
 
 

Predigt Tagung „EHEppy?“ Trumau

Liebe Brüder und Schwestern!

Die liturgischen Texte dieser Eucharistiefeier sind fast zur Gänze dem Messformular der „Bittmesse“ entnommen, weil jene, die den Weg zur wahren Liebe finden und auf ihm gehen lernen möchten, sehr oft Gott bitten müssen, er möge ihnen bei der Erkenntnis, was recht ist, und bei der Umsetzung beistehen.

Nur die Lesung aus dem 1. Korintherbrief wurde dem Messformular zur „Danksagung“ entnommen, denn wer sich bei der Suche nach dem Weg Gott zuwendet und sich auf die Regungen seines Geistes einlässt, wird immer wieder Grund zur Dankbarkeit haben, sosehr, dass diese im Laufe der Jahre im geistlichen Leben zu überwiegen beginnt und immer mehr zum Grundton des ganzen Betens wird. In diesem Sinn schreibt der hl. Paulus: „Ich danke Gott jederzeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus geschenkt wurde, dass ihr an allem reich geworden seid in ihm …“

Es ist nicht übertrieben. Papst Franziskus weist – wenn er über Ehe spricht – häufig darauf hin, dass jede Ehe einen Weg-Charakter besitzt. Wenn ein Paar heiratet, ist dies zwar in gewisser Hinsicht ein Abschluss: Sie haben sich kennen und lieben gelernt und sind zur Einsicht gelangt, dass sie es miteinander wagen sollen, und so heiraten sie, schließen den Bund des Lebens. Es ist tatsächlich der Abschluss einer Entwicklung, aber zugleich ist es der Ausgangspunkt eines langen Weges, dessen Verlauf noch nicht bekannt ist. Im Verlaufe der gemeinsamen Reise wird es oft nötig, von neuem einen Weg (den Weg) zu finden im Miteinander, in wechselnden Verhältnissen und unterschiedlichen Anforderungen. In „Amoris laetitia“ wird betont, dass ein Dialog nötig ist, der erlernt und geübt werden muss. Zum Spezifischen christlicher Eheleute gehört aber, dass sie zugleich einzeln und gemeinsam (sofern beide gläubig sind) Gott suchen und seine Hilfe entsprechend der Empfehlung Jesu: „Bittet, und dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt, wer sucht, der findet, und wer anklopft, dem wird geöffnet.“

Das führt zur Erfahrung, dass mit Ehe und Familie eng und untrennbar Gottes Ruf verbunden ist: Der Ursprung der ehelichen Liebe findet sich in Gott und ihr letztes Ziel ist Gott. So erhalten Ehe und Familie eine tiefere Begründung und eine Perspektive, die auch in schwierigen Gegebenheiten Hoffnung vermittelt, in gewissem Sinn auch entlastet. Gott ruft uns so, wie wir sind: mit unserem Charakter, unserer Geschichte, Fehlern und Schwächen, auch Fähigkeiten und Talenten. Gott vergibt uns, wenn wir ihn darum bitten, und lehrt uns gegenseitig vergeben. Gott schenkt uns Kraft und führt uns. Eheleute beginnen einander und ihre Kinder zu lieben, auch wegen Gott, ertragen so manches, auch wegen Gott, sie hören nicht auf zu hoffen, auch wegen Gott. Gottes Hilfe wird so zum Halt, zur Salbe für unsere Wunden und zu einer Quelle, die uns von ihm zuströmt. So kommt es zur Erfahrung, dass sich die Liebe nach und nach verändert. In diesem Sinn schreibt der hl. Paulus: „Denn das Zeugnis über Christus wurde für euch gefestigt, sodass euch keine Gnadengabe fehlt, während ihr auf die Offenbarung Jesu Christi, unseres Herrn, wartet.“ Und er fügte hinzu: „Er wird euch auch festigen bis ans Ende, sodass ihr schuldlos dasteht am Tage Jesu, unseres Herrn. Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn.“

Eine solche, allmählich tiefer, besser begründende und reifer werdende Liebe erfüllt mit großer Dankbarkeit und Zuversicht. Dabei dürfen wir aber nicht übersehen: Wir sind vom Anfang bis zum Ende aktiv daran beteiligt, indem wir aufeinander eingehen und zugleich Gott suchen und auf Gott hören, Jesus suchen und durch Ihn den Vater, und indem wir immer wieder von Neuem persönlich und gemeinsam bemüht sind, uns anstrengen, wenigstens in allem, was uns möglich ist. Das werden meist kleine Dinge sein, die aber wichtig sind; sie sind Zeichen einer lebendigen Liebe. Aber Gott ist es, der uns ruft, der uns führt, der uns trägt, der uns heilt und uns in allem beisteht.

Und welches sind unsere konkreten Vorsätze und Folgerungen? Sie ergeben sich, wenn wir über das Gesagte ruhig nachdenken. Wenden wir uns an Maria, die Mutter Jesu und unsere Mutter. Sie sichert den Weg ab, sie führt zu Jesus. Ihre Fürsprache bewirkt, dass der Heilige Geist ihren Sohn in unser hervorbringt.