Jahrbuch 2018 - Jugend in der Kirche
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Predigt Diakonenweihe zum Hochfest Peter und Paul

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst,
liebe Brüder und Schwestern,
lieber Weihekandidat!

Das Hochfest Peter und Paul vermittelt uns die Nöte und Hoffnungen der Urkirche. Herodes ließ einige verhaften und misshandeln; Jakobus, den Bruder des Johannes, ließ er mit dem Schwert hinrichten. Und als er sah, dass es den Juden gefiel, ließ er auch Petrus festnehmen.
Es muss für die Urgemeinde ein schwerer Schock gewesen sein.

Wir leben in einer ganz anderen Zeit und unter ganz anderen Verhältnissen. Aber Bedrängnisse gibt es schon auch, ebenso Hoffnungen.

Von der Urgemeinde lesen wir: „Die Gemeinde aber betete inständig für ihn zu Gott.“ Wichtig ist, dass auch wir richtig reagieren. Vor allen sind – davon bin ich überzeugt – Vertrauen und Glauben nötig.

Die Schlüsselstelle des heutigen Festtages und für den heutigen Anlass ist für mich die Antwort des hl. Petrus auf die Frage Jesu „Für wen haltet ihr mich?“ Petrus antwortet: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“.

Für den Weihekandidaten ist dieser Glaube die Grundlage für die Entscheidung, Priester zu werden – samt Zölibat, Versprechen zu einem Leben des Gebetes, zum Gehorsam und der totalen Verfügbarkeit. Und auch für uns alle, die wir schon seit Jahren ein Weiheamt ausüben, ist dieser Glaube die Grundlage für Dankbarkeit, Frieden und Freude. Denn „der Arm des Herrn ist ungeschwächt“. Wir glauben an Gott, der jeden ruft, an Christus und die Kirche – trotz aller Schwierigkeiten. Wir bauen auf diesen Glauben und das schenkt uns Gelassenheit, auch wenn wir nicht genau wissen, wie alle Probleme gelöst werden.

Wir freuen uns, dass heute ein Diakon geweiht wird. Angesichts unserer Not einer zu geringen Zahl an Priesterberufungen habe ich im Vorfeld des heutigen Tages zu einer zusätzlichen Novene eingeladen und an das Schriftwort aus dem Johannesevangelium erinnert: „Was ist das für so viele?“ Wenn wir an unsere vielen Pfarren denken, an die Bedürfnisse der Gesellschaft, die vielen Menschen – und am 29. Juni nur ein Diakon geweiht wird, dann kommt es mir so ähnlich vor wie damals, als eine große Menschenmenge gekommen war, sie aber kein Brot für sie hatten. Da war nur ein kleiner Bub mit fünf Gerstenbroten und zwei Fischen.
Diese Gedankenassoziation ist zugleich auch trostvoll. Denn Jesus hat damals diese fünf Brote und diese zwei Fische genommen, das Dankgebet gesprochen und an die Leute ausgeteilt, und zwar soviel sie wollten. Und alle wurden satt. Es blieben sogar noch 12 Körbe übrig.

Vor dem Empfang der Diakonenweihe verpflichtet sich der Kandidat zur selbstlosen Hingabe im Dienst zur Unterstützung des Bischofs und der Priester und zum Wohle des christlichen Volkes; er übernimmt die Verantwortung, den Glauben treu zu bewahren und großherzig das Evangelium in Wort und Tat zu verkünden; er erklärt sich zum Zeichen der Hingabe an Christus bereit, um des Himmelsreiches willen ehelos zu leben; er verspricht, aus dem Geist der Innerlichkeit zu leben und in diesem Geist das Stundengebet zu verrichten; er bejaht die Aufgabe, sich der Kranken und Armen anzunehmen und die Eucharistie zu spenden. Schließlich gelobt er feierlich Gehorsam.

Viele Menschen stehen heute insbesondere dem Zölibat und dem Gehorsam sehr kritisch gegenüber Sie meinen, das sei nicht mehr zeitgemäß, genauso wie für manche so etwas wie eine volle Verfügbarkeit für Gott und für andere kaum mehr nachvollziehbar scheint. Trotzdem braucht es gerade in unserer Zeit dringender denn je Menschen, die sich ganz in den Dienst Gottes und der anderen stellen, ohne Wenn und Aber; die dem Wort Gottes gegenüber treu sind und ihm Gehör verschaffen, ob gelegen oder ungelegen; die es als ihre heilige Pflicht sehen, hinzustehen für den Glauben.
Viele warten auf die Botschaft des Evangeliums, und zwar ohne Abstrich. Und gerade in unserer Zeit, in der viele sich einfach gehen lassen, die Tugend der Reinheit, ihre Bedeutung und ihren Wert gar nicht mehr kennen, nicht selten echt Gefahr laufen, abhängig und süchtig zu werden, da ist das Beispiel einer um des Himmelsreiches willen und konsequent gelebten Enthaltsamkeit wichtiger denn je. Mit der Hilfe Gottes und einem entsprechenden Bemühen ist dies auch möglich. Freilich sind ebenso notwendig christliche Familien, die aus dem Glauben heraus ihr Leben gestalten, Kinder bejahen und zum christlichen Glauben führen.<p>

Es braucht Diakone und Priester, die ihr Leben hingeben, die lauter sind und verfügbar, auch wirklich gehorsam dienen. Jesus war gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz.
 
Wir haben heute nur einen Diakon, der geweiht wird, aber immerhin einen, im Herbst kommt ein weiterer hinzu und morgen ist eine Priesterweihe und eine Diakonenweihe in Seitenstetten. Jesus, der in der Kirche gegenwärtige Gottessohn, kann und wird das Wunder der neuerlichen Vermehrung der  priesterlichen Berufungen bewirken, sobald er die Zeit dafür reif hält – auch inmitten einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft. Die Sehnsucht ist da.

Und nun noch ein paar Worte zu Dir, lieber Mitbruder, der Du heute die Diakonenweihe empfängst.

Sei guten Mutes. Paulus konnte sagen: „Der Herr stand mir zur Seite“. Er wird auch Dir zur Seite stehen. Ich wünsche Dir im Namen aller Gottes Segen.

Pflege Dein Gebet. Je mehr Arbeit man hat, desto wichtiger ist dies. Liebe Jesus Christus, insbesondere in der Eucharistie. Die beste Vorbereitung für das Priesteramt ist der eifrige Dienst eines Diakons, der selbst Christus im Herzen trägt und vom Wunsch erfüllt ist, den Anderen Christus zu bringen. Suche  auch Christus und seine heilende und heiligende Kraft im Bußsakrament, das ist eine große Hilfe, um nicht allmählich schwächer zu werden und kraftloser vor den Schwierigkeiten, die da sind. Vernachlässige nicht den Kontakt zu Deinen Mitbrüdern und gehe auf sie zu. Und bewege Dich in Deinem Wirken, in der Verkündigung und in Deinem Verhalten immer auf dem festen Boden der kirchlichen Lehre und der kirchlichen Disziplin eindeutig verbunden mit Petrus. Und vergiss nicht, dass eine große Sicherheit gewinnt, wer seinen Weg an der Hand Mariens zurücklegt.

Für uns alle soll der heutige Tag ein Fest sein, an dem wir dankbar auf die Kirche schauen und auf die Jahre, die uns Gott im Dienst der Kirche geschenkt hat, erfüllt vom Wunsch, dass wir alle am Ende wie Paulus sagen können: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.“

Mögen uns die Apostel Petrus und Paulus in unserem Bemühen beistehen und Maria sich als Mutter erweisen.