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Februar 2008

Presseerklärung

Sonntagsöffnung NÖ: Katholische Aktion fordert Einhaltung der Landesverfassung
Ausnahmeregelung wegen EURO 08 nicht begründbar

„Ich ersuche den niederösterreichischen Landeshauptmann, noch vor den Wahlen klar und deutlich einer Sonntagsöffnung in Niederösterreich während der EURO 08 eine Absage zu erteilen“, sagt Christa Buzzi, Präsidentin der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien. „Mit unglaublicher Verwunderung habe ich festgestellt, dass die Gerüchte, dass nach der Wiener Einigung nun auch in ganz Niederösterreich die Geschäfte offen halten dürfen, eine reale Grundlage haben.“

Sollte eine Ausnahmeregelung für das gesamte Bundesland zugelassen werden, ist das auch für den KA-Präsidenten der Diözese St. Pölten, Roman Fröhlich, völlig uneinsichtig. „In Niederösterreich gibt es keinen Austragungsort für EM-Spiele. Warum sollten also in Gmünd, Amstetten oder Piesting die Geschäfte offen halten dürfen?“ fragt Roman Fröhlich „Das kann man nur als Präjudiz für eine zukünftige generelle Öffnung sehen und das wäre eine Entscheidung, die mit der Landesverfassung nicht im Einklang steht.“

„Dass sich Veranstalter von kleinen und großen Spektakeln über jedes Verantwortungsgefühl leichtfertig hinwegturnen, ist bekannt. Gerade deshalb darf sich die Politik nicht unter Druck setzen lassen und leichtfertig wesentliche gesellschaftliche Werte aufs Spiel setzen“ gibt Fröhlich zu bedenken.

Diese Sonderregelung ist weder vom Großteil der Geschäftsinhaber noch von den Handelsangestellten erwünscht. Niederösterreich würde also in erster Linie für unglückliche Familien und frustrierte UnternehmerInnen sorgen. Viele Familien müssten auf eine gemeinsame Freizeitgestaltung an den vier Juni-Sonntagen verzichten. Ein Verzicht, der auch nicht durch finanzielle Zuschläge abgegolten werden kann, denn soziale Beziehungen und Aktivitäten können nie mit Geld aufgewogen werden.

Christa Buzzi und Roman Fröhlich fordern daher alle für den niederösterreichischen Landtag kandidierenden Parteien auf, hier eindeutig Stellung zu beziehen: „Die Menschen in Niederösterreich haben ein Recht zu erfahren, ob die Parteien die Landesverfassung ernst nehmen oder jede noch so kleine Gelegenheit nützen, um den Beschluss zur Sonntagsruhe zu brechen.“

"Selbst BefürworterInnen einer Öffnung müssten nach den wirtschaftlichen Analysen der Weltmeisterschaft in Deutschland gegen eine Öffnung sein", sagt Christa Buzzi. Die Ergebnisse dort waren eindeutig und ernüchternd: "Längere Öffnungszeiten und verkaufsoffene Sonntage erwiesen sich insbesondere an den Spieltagen als Flop. So stand den höheren Kosten für Personal kaum mehr Umsatz gegenüber." In der Region Stuttgart z.B. hatte vor der WM jeder dritte Einzelhändler vor allem mit zusätzlichen Umsätzen durch ausgabefreudige WM-Touristen sowie heimische WM-Fans gerechnet. Tatsächlich profitiert haben dagegen nur gut 13 % aller Einzelhändler. Es blieben jedoch vielfach nicht nur positive Effekte aus, sondern eine überraschend große Zahl von Händlern (40 %) musste sogar Einbußen im Vergleich zum saisonüblichen Geschäft verkraften.

„Wir haben die Hoffnung, dass Landeshauptmann Pröll und die niederösterreichischen Parteien nicht so geblendet sind von der EURO-Euphorie und den Tatsachen entsprechend sich gegen eine Sonntagsöffnung in Niederösterreich aussprechen“, sagen die KA-Präsidenten der Erzdiözese Wien und der Diözese St. Pölten unisono.

Weitere Informationen sowie zwei Studien aus Deutschland zur Auswirkung der WM 2006 finden Sie hier: http://www.ka-wien.at/sonntag/

Rückfragehinweis:
Marcel Kneuer
Katholische Aktion Erzdiözese Wien
mailto:katholische.aktion@edw.or.at
Tel.: 0660 3762716

 


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