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Mai 2006
Presseerklärung
Mehr
als bloß ein Versorger?
KA-Präsident ortet neue Aufgaben für Väter
Vorrangig aus wirtschaftlichen
Motiven im Fahrwasser des Muttertages eingeführt, bleibt Grundlegendes
zum Vatertag, der heuer auf den 11. Juni fällt, zumeist auf
der Strecke. Ein Defizit in den Augen des Präsidenten der Katholischen
Aktion der Diözese St. Pölten, Roman Fröhlich. Nach
Ansicht von Fröhlich, der übrigens selbst Vater von drei
erwachsenen Kindern ist, bietet der Tag Gelegenheit, die Rolle der
Väter in unserer Gesellschaft kritisch zu durchleuchten. –
Für Christen auch Anregung, sich an der Liebe Gottes, des „allmächtigen
Vaters“, zu orientieren.
Der KA-Präsident
verweist in seiner Stellungnahme zum Vatertag darauf, dass Väter
im Laufe der Geschichte viele ihrer angestammten Funktionen verloren
haben. Am ehesten sei noch das Rollenbild des Vaters als Ernährer
weiterhin wirksam. Von Männern werde zwar nach wie vor erwartet,
erst dann zu heiraten und eine Familie zu gründen, wenn diese
auch versorgt werden kann, allerdings überwiegend nicht mehr
in der Funktion des Alleinverdieners.
Als erfreulich vermerkt
Fröhlich, dass viele junge Männer ihren Partnerinnen gerade
während der Schwangerschaft verständnisvoll zur Seite
stehen: „Der werdende Vater trägt eine besondere Verantwortung,
vor der er sich auch dann nicht drücken darf, wenn es sich
um eine außereheliche Beziehung handelt.“ Das sei vor
allem deshalb wichtig, so Fröhlich weiter, weil die emotionale
Unterstützung der werdenden Mutter eine komplikationsreduzierende
Wirkung habe und sich über die Mutter auch positiv auf das
Kind auswirke.
„Im Laufe der letzten
Jahrzehnte haben Väter immer häufiger die Aufgabe eines
aktiven Geburtshelfers übernommen“, ortet der Präsident
der Katholischen Aktion einen Trend zu einem partnerschaftlichen
Vatermodell. Auch die Möglichkeit der Vaterkarenz weise in
diese Richtung.
Ein großes Problem
sieht Fröhlich in der zunehmenden Väterabwesenheit. Sei
dies in der Nachkriegszeit vor allem durch die hohe Zahl an Gefallenen,
Vermissten und Gefangenen bedingt gewesen, so zählten heute
hohe Scheidungsraten und das Ansteigen von Alleinerzieherfamilien
zu den Hauptursachen: „Wie empirische Studien der Vaterforschung
belegen, hat der Verlust des Vaters dann die negativsten Folgen
für die kindliche Entwicklung, wenn er durch Trennung oder
Scheidung der Eltern bedingt ist, im frühen Kindesalter einsetzt,
von langer Dauer ist und keine Ersatzperson zur Verfügung steht.“
Der KA-Präsident
skizziert daher den modernen, von autoritären Verhaltensmustern
der Vergangenheit losgelösten Vater als Vorbild, Förderer
und Interaktionspartner des Kindes, der im Alltag neben seinem traditionellen
Aufgabenbereich den Kindern auch als Freizeitkamerad, Spielgefährte
und aktiver Erzieher gegenübertrete, insbesondere bei der Entwicklung
ihrer Geschlechterrollenidentität. Entscheidend sei selbstverständlich
auch die Weitergabe ethischer und religiöser Werte durch beide
Elternteile.
Tatsächlich bestehe
aber noch immer eine Diskrepanz zwischen der von der Mehrheit der
Väter akzeptierten Idealvorstellung und ihrem realen Verhalten,
so Fröhlich abschließend.
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