Sozialpolitik
Die Arbeit hat Vorrang vor dem Kapital
Die momentane, weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat uns allen bewusst gemacht, dass im System irgendetwas faul ist. Es ist ja nicht wie ein Tsunami, der plötzlich über die Menschheit hereinbricht. Wir leben schon lange weltweit in einer Schieflage. Es ist wie ein schiefes Fußballfeld, wo die eine Mannschaft immer bergauf spielen muss und die andere spielt bergab. Weltweit gehören wir in Österreich zu jenen, die bergab spielen.
Der bedeutende Theologe Karl Rahner sagte:
"Wir sind reich, weil die anderen arm
sind, weil die Weltstrukturen ungerecht sind. Sie machen uns immer reicher und
die Menschen in der südlichen Hemisphäre unserer Welt immer ärmer."
Rahner sagt dann weiter: "Wir stehlen zwar nicht
persönlich, aber wir nehmen teil an einem kollektiven Diebstahl."
Diese ungerechten und sündhaften Strukturen, die wir in der weltweiten
neoliberalen Wirtschaft erleben, diese ungerechten Strukturen erleben wir auch
bei uns in der Arbeitswelt.
In der Enzyklika „Laborem exercens“ von Papst Johannes Paul II.
wird ausgedrückt, dass alles, was wir heute an Fortschritt und Wohlstand
haben, eine Frucht der menschlichen Arbeit ist. Am Anfang der menschlichen Arbeit
steht das Geheimnis der Schöpfung Gottes. Der Mensch hat durch die Arbeit
gleichsam die Schöpfung Gottes veredelt. Am Beginn des Schöpfungsberichtes
sagt Gott zu den Menschen: "Macht euch die Erde untertan.“ Er möchte
damit nicht sagen: "Beutet die Erde aus“, sondern „Macht sie
durch euer Hände Arbeit bewohnbar für alle Menschen“.
Der Sinn der Arbeit ist es also, dem Menschen zu
dienen und die Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen. Dieser Sinn wird
heute nur mehr teilweise wahrgenommen. Ein Teil der Arbeit wird dazu benutzt,
sinnlose Rüstungsgüter zu produzieren, die nicht dem Menschen, sondern
der Zerstörung des Menschen dienen. Es werden auch viele Güter produziert,
die der Mensch gar nicht braucht, die keine Befriedigung seiner Bedürfnisse
sind. Sie werden dem Menschen einsuggeriert, dass er sie kaufen soll und mit
psychologischen Tricks werden die Menschen zu Konsumtrotteln gemacht, ohne dass
sie es merken.
Im neoliberalen, kapitalistischen Wirtschaftssystem geht es in der Grundintention
nämlich nicht um den Menschen, sondern letztlich nur um Gewinne, um Profitmaximierung.
Der Mensch ist nicht das Subjekt in diesem System, sondern er ist zum Objekt
geworden. Er wird instrumentalisiert. So wird der Arbeiter immer mehr zum Arbeitssklaven
gemacht, der diesem System dienen soll.
Wenn die Arbeitsbedingungen in manchen Betrieben
menschliche Züge haben, dann liegt das nicht am Wirtschaftssystem, sondern
daran, dass die Gewerkschaften sich ein wenig Menschlichkeit im Arbeitsprozess
erkämpft haben. Was die Arbeiter an Menschlichkeit und sozialer Fairness
heute im Arbeitsprozess haben, das wurde ihnen nie von oben geschenkt, sondern
das haben sie sich alles erkämpft.
In einem Wirtschaftssystem, das nicht den Menschen zum Ziel hat, muss sich die
Arbeiterin, der Arbeiter seine menschliche Würde erkämpfen, sonst
wird er unweigerlich zum Sklaven gemacht, weil er ja nicht Subjekt, sondern
nur Objekt in diesem System ist.
Gerade in diesem Zusammenhang macht Papst Johannes Paul II. in seiner Sozialenzyklika eine revolutionäre Aussage. Es ist wahrscheinlich der Schlüsselsatz der gesamten Enzyklika. Dieser Satz heißt: „Man muss in Erinnerung rufen ein Prinzip, dass die Kirche immer gelehrt hat: Das Prinzip des Vorranges der Arbeit gegenüber dem Kapital.“ Dieses Prinzip des Vorranges der Arbeit vor dem Kapital haben auch schon Papst Johannes XXII. und Papst Paul VI. in ihren Sozialenzykliken betont. Begründet wird diese Vorrangstellung der Arbeit vor dem Kapital damit, dass die Arbeit immer mit dem Menschen selbst zu tun hat, während das Kapital nur instrumentalen Charakter hat.
Es geht also um die Vorrangstellung des Menschen schlechthin, weil der Mensch nach Gottes Willen die Krone der Schöpfung ist und immer Subjektcharakter haben muss – er darf nie zum bloßen Objekt degradiert werden. Wenn es in der Bibel im sogenannten Hohelied der Liebe heißt "Hättest du aber die Liebe nicht“, dann hätte all dein scheinbar soziales Tun keinen Wert, wenn deine Absicht nicht ehrlich ist. Dann müssen wir dieses „Hättest du aber die Liebe nicht“ übersetzen mit den Worten: "Geht es dir in deiner Intention nicht wirklich um den Menschen.“
Wenn wir diesen Grundsatz, dass die Arbeit Vorrang hat vor dem Kapital für die heutige Arbeitswelt übersetzen, dann heißt das, dass die eigentlich Bestimmenden der Wirtschaft nicht die Kapitaleigentümer sein sollen, sondern die Arbeitnehmervertreter. Noch konkreter hieße das, dass in den Aufsichtsräten der Betriebe die Arbeitervertreter nicht nur eine paritätische Mitbestimmung haben sollten, sondern eine Überparität der Arbeitervertreter gegenüber den Kapitalvertretern.
Auch die Kollektivvertragsverhandlungen für die Löhne müssten dann völlig anders aussehen. Momentan ist es so, dass die Gewerkschafter gleichsam betteln müssen, dass einige Brotsamen von den erwirtschafteten Gewinnen auch für sie abfallen. Sie müssen betteln, dass ihnen die Kapitalvertreter eine kleine Lohnerhöhung gewähren. Das ist demütigend und entspricht ganz und gar nicht dem christlichen und menschlichen Grundsatz, dass die Arbeit Vorrang vor dem Kapital haben soll. Dieser Grundsatz würde natürlich unser ganzes kapitalistisches Wirtschaftssystem in Frage stellen, weil dieses System nur ein geldgerechtes und kein menschengerechtes System ist.
Papst Johannes Paul II. hat dieses System auch einer sehr scharfen Kritik unterzogen, wenn er sagt: "Nach dem Scheitern des marxistischen Modells bestehen in der Welt nach wie vor Formen der Ausgrenzung und Ausbeutung sowie Erscheinungen menschlicher Entfremdung, gegen die die Kirche ihre Stimme erheben muss. Es besteht die Gefahr, dass sich eine radikale, kapitalistische Ideologie breitmacht, die die Lösung nur einem blinden Glauben der freien Entfaltung der Marktkräfte überlässt.“
Wie sehr der Papst mit dieser Aussage recht hat, das erleben wir jetzt in dieser weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, an der die Schuldtragenden ganz sicher nicht die Arbeiterinnen und Arbeiter sind, aber sie bekommen die Krise am Stärksten zu spüren. Wie leichtfertig die Kapitalvertreter mit dem erwirtschafteten Geld, über das eigentlich die Arbeitervertreter bestimmen sollten, umgehen, das erleben wir im sogenannten Casinokapitalismus. Die Kapitalvertreter machen mit diesem Geld Casinospiele, um noch reicher zu werden. Siemens und auch viele andere Betriebe machen mit dieser "Geldschieberei“ mehr Gewinne als mit der Produktion.
ArbeiterInnen müssen bei härtester Fließbandarbeit 40 Stunden in der Woche arbeiten, um einen Monatsgehalt von 800 Euro zu bekommen – während manche Börsenhaie mit ihrer Geldschieberei Millionen Euro an einem Tag verdienen. 95 % des weltweiten Kapitalflusses geht heute über die Finanzspekulationen und nur mehr 5 % über die Produktion. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit.
Der Casinokapitalismus braucht nicht nur stärkere internationale Regeln oder eine Tobinsteuer – der Casinokapitalismus gehört überhaupt weltweit abgeschafft und verboten, er ist unmoralisch. Die soziale Botschaft des Papstes, dass "Arbeit Vorrang vor dem Kapital hat“ ist eine mutige, aber was ich in der Kirche beklage ist, dass diese Botschaft kaum weitergegeben wird. Sie wird kaum verkündet von den Bischöfen und auch nicht von den Priestern in den Pfarren. Vielleicht sind sie selbst in ihrem Denken zu sehr vom kapitalistischen Bazillus infiziert und haben deshalb eine Hemmschwelle, diese radikale Botschaft, die ganz auf der Grundlage des Evangeliums ist, weiterzugeben.
Im KAB-Gebet beten wir: "Dein Reich komme, in
die Fabriken, Werkstätten und Büros.“ Das Reich Gottes ist ein
Reich der Gerechtigkeit und der Liebe. Zu diesem Reich Gottes in der Arbeitswelt
gehören auch gerechte Strukturen in der Wirtschaft. Caritas üben ist
gut, aber es ist zuwenig. Wir müssen auch die Räuber bekämpfen,
die ununterbrochen Menschen kaputt machen, berauben und für Millionen ein
menschenwürdiges Leben verhindern.
Franz Sieder
24-Stunden-Betreuung (Hausbetreuungsgesetz)
Stellungnahme der Katholischen ArbeitnehmerInnen Bewegung der Diözese St. Pölten zur laufenden Diskussion der 24-Stunden-Betreuung (Hausbetreuungsgesetz) aus der Sicht des Arbeitszeitgesetzes
Die Lösung dieser wichtigen Frage ist ein vordringliches Anliegen der Gesellschaft allgemein und natürlich der politischen Parteien, dem Gesetzgeber und div. Interessensvertretungen. Die zurzeit geführte Diskussion zeigt jedoch Schwierigkeiten eine Lösung zu finden, die allen Beteiligten (zu Pflegende und ihre Angehörigen, die Betreuerinnen und Betreuer) gerecht werden kann. Wir anerkennen das Bemühen der politisch Verantwortlichen. Als KAB fühlen sehen wir jedoch in dem ausgearbeiteten Gesetz bzw. in der laufenden Debatte einige Punkte, zu denen wir als sozialpolitisch engagierte Organisation auf Basis christlicher Werte (Katholische Soziallehre) Stellung nehmen wollen.
Angestelltes Personal
Die „Rund um die Uhr-Betreuung" durch eine Person über 14 Tage widerspricht
den sonst geltenden arbeitsrechtlichen Gesetzen. Mit der Einführung dieser
Bestimmung wird für die betroffenen ArbeitnehmerInnen eine Situation herbeigeführt
wie wir sie seit über 100 Jahren überwunden glaubten. Mit dieser neuen
Rechtslage besteht die Gefahr das weitere ArbeitnehmerInnen- Schutzrechte vernichtet
werden.
Laut neuem Gesetz darf an zwei aufeinander folgenden Wochen die Arbeitszeit 128 Stunden inklusive Arbeitsbereitschaft nicht überschreiten. Da zwei Wochen 336 Stunden haben ist dieses Gesetz schon rein rechnerisch nicht praktikabel. Das die über die 128 Stunden hinausgehenden Arbeitsbereitschaftszeiten die im Nahbereich des Einsatzortes verbracht werden müssen nicht als Arbeitszeit gezählt werden ist weiteres Unrecht gegenüber dem Arbeitnehmer.
Unsere Forderung lautet daher:
Menschengerechte Arbeitszeiten auch für diese Betreuerinnen und Betreuer
!
Selbstständiges Personal
Das Modell der „selbstständigen“ BetreuerInnen ist ein weiterer Schritt
in die Richtung der Zurückdrängung bzw. Abschaffung erworbener Rechte
für die ArbeitnehmerInnen. Da selbstständige BetreuerInnen praktische
keine Wahlmöglichkeit der Gestaltung ihrer arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen
haben, kann man hier nicht von einer klassischen Selbstständigkeit reden.
Vielmehr hat dieser Personenkreis nur die Risiken (Ausfall durch Krankheit,
Vertetungsbereitstellung etc.) zu tragen, kann jedoch nicht die Vorteile (zB.
freie Gestaltungsmöglichkeit) der Selbstständigkeit nutzen.
Unsere Forderung lautet:
Abschaffung des Modells der „selbstständigen“ BetreuerInnen !
Ausbildung /Leistung
Bezüglich der Ausbildung des Betreuungspersonals und der medizinischen
Leistungen die erbracht werden dürfen, ist es notwendig sich an die derzeit
in Österreich bestehenden Ausbildungsrichtlinien und das bestehende Gesundheits-
und Krankenpflegegesetz zu orientieren.
Unsere Forderung lautet:
Qualifizierte Ausbildung für das von den Gesetzen erfasste Pflegepersonal.
Wir sprechen uns ausdrücklich gegen eine Senkung der Qualifikationserfordernisse
aus.
Moderne
Skalverei
Solidarität mit den andalusischen
Landarbeiterinnen und Aufbau eines sozialen Zentrums in Südspanien
Stelle dir vor, du lebst in Polen und bist arbeitslos. Über eine kleine
Annonce in der Zeitung erfährst du, dass du in Italien arbeiten und gut
verdienen kannst. Du meldest dich bei der angegebenen Telefonnummer, mit einem
Bus geht es nach Italien und du landest in der Hölle: Auf dem Land rund
um Foggia (Apulien) durch bewaffnete Wächter kontrolliert, wirst du gezwungen,
täglich bis zu 16 Stunden für € 15,-- bis € 20,-- am Tag Tomaten zu
ernten. Wer aus Gesundheitsgründen einmal nicht erschienen kann, muss eine
horrende Buße zahlen. Als einzige Nahrung erhältst du Wasser, Brot
und Suppe; als Schlafstätte dienen Matratzenlager in verfallenen Schuppen
ohne Licht und Strom – auch dafür wird noch Geld vom kargen Lohn abgezogen.
Wer protestiert, wird von den „Capos“ zusammengeschlagen. Wer flieht, wird verfolgt.
Mehrere Landarbeiter wurden ermordet aufgefunden. Dieses bisher krasseste Beispiel
der Ausbeutung in der europäischen industriellen Landwirtschaft brachte
der italienische Journalist Fabrizio Gatti mit seiner Reportage in der Tageszeitung
„L`espresso“ ans Licht.
Unter dieser Form der modernen Sklaverei leiden – nicht nur in Italien – zehntausende
Menschen, die aus Osteuropa, Lateinamerika und Afrika auf der Suche nach einem
besseren Leben nach Westeuropa kommen.
Die Zustände im „Plastikmeer“ von Almeria, wo der Großteil des Treibhausgemüses
während der Wintermonate herkommt, sind zum Symbol für die moderne
Sklaverei in der industriellen Landwirtschaft geworden.
Mit seinen 35.000 ha Gewächshäusern handelt es sich bei diesem Gebiet
um die größte Konzentration von Intensivgemüsebau unter Plastik
in Europa. Das Produktionssystem hat verheerende ökologische und soziale
Auswirkungen und ist nur dank der Ausbeutung billiger, rechtloser ArbeitsmigrantInnen
rentabel.
Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der MigrantInnen sind nach wir vor unakzeptabel.
Viele leben in so genannten „chabolas“, selbst gebastelten Hütten aus Plastik-
und Holzresten. Ein großer Teil der ArbeiterInnen ist illegalisiert, also
ohne gültigen Aufenthaltsstatus. Das macht es für die unternehmen
besonders einfach, die Löhne zu drücken oder sie einfach nicht auszuzahlen.
Durch den Einsatz von Pestiziden in den Treibhäusern ist es bereits zu
schweren Unfällen, Krankheiten mit Langzeitfolgen und sogar zu Todesfällen
gekommen. Immer wieder werden rassistische Übergriffe verübt, die
nur in den seltensten Fällen ein gerichtliches Nachspiel haben.
Kampf der unabhängigen andalusischen LandarbeiterInnengewerkschaft
(SOC)
Gegen all diese Auswirkungen des industriellen Gemüsebaus versuchen die
MigrantInnen anzukämpfen, indem sie sich organisieren. Seit Mitte 2004
konzentriert sich die LandarbeiterInnengewerkschaft darauf, in der weitläufigen
Gewächshausregion soziale Zentren aufzubauen, die den ausländischen
TagelöhnerInnen als Treffpunkte, Beratungsstellen und Versammlungsorte
zur Verfügung stehen sollen.
Im Jahr 2005 konnte ein erstes soziales Zentrum in El Ejido den Betrieb aufnehmen.
Die nächste Etappe der Solidaritätskampagne sollte en Aufbau eines
zweiten sozialen Zentrums, diesmal im Gebiet von Nijar, ermöglichen. Die
Stadt Nijar liegt etwa 60 km östlich von El Ejido. Ihr Gemeindegebiet umfasst
mehr als 6.000 Hektar Plastikgewächshäuser für die intensive
Gemüseproduktion. Rund 90 Prozent der 22.000 EinwohnerInnen leben von dieser
Tätigkeit. Auf dem Gebiet von Nijar liegt auch der Naturpark von Cabo de
Gata, der durch die illegale Landnahme der Gemüsebetriebe ebenso in seiner
Existenz bedroht ist, wie durch den Massentourismus. Ende April 2007 konnte
das zweite soziale Zentrum eingeweiht werden.
Der Solifonds der KAB und der Betriebsseelsorge Oberösterreich unterstützt
die Arbeit der LandarbeiterInnengewerkschaft und den Aufbau des sozialen Zentrums
in Nijar mit einem Betrag von Euro 2.000,--.
Bert Hurch-Idl
Migration in Europa
Geht das Geld nicht zu den Menschen, dann gehen die
Menschen zum Geld
Von 10. bis 13. Mai fand – dieses Mal in Sevilla / Spanien auf Einladung der HOAC (spanische KAB) das Seminar der Europäischen Bewegung Christlicher ArbeitnehmerInnen zum Thema „Migration in Europa“ statt. VertreterInnen aus 15 europäischen Ländern nahmen daran teil. Die Vielfalt der unterschiedlichen Situationen in den verschiedenen Bewegungen wurde durch den freundschaftlichen Umgang und den Willen gemeinsam etwas zu erreichen übertroffen.
Spanien einmal anders.
Sehr interessant war das Kennen lernen der spanischen Lebensrealität.
Die jüngere Geschichte in Spanien ist der in Österreich sehr ähnlich.
Nach dem Bürgerkrieg in den 30er-Jahren gab es eine tiefe Feindschaft zwischen
der Arbeiterschaft und der Kirche.
HOAC-AktivistInnen engagieren sich in politischen Parteien, Gewerkschaften,
verschiedensten Organisationen (NGO’s) und in „Nachbarschaftsvereinen“ (Vorstadtarbeit).
Die HOAC gibt es in allen 44 spanischen Diözesen und sie ist bei sehr vielen
Institutionen und Bürgern anerkannt. Inhaltlich konzentrieren sie sich
auf 3 Lebenssituationen von ArbeiterInnen:
• Die steigende Unsicherheit (tw. katastrophale Arbeitsmarktsituationen, hohe
Arbeitslosigkeit, hohe Mobilität wird verlangt),
• Armut – laut einer Studie leben viele unter der Armutsgrenze und
• Familie (Eltern sehen sich wegen der hohen Flexibilität immer weniger)
Zwei Schwerpunkte der HOAC sind die Migration und die Frauenbeschäftigung.
Der Apostolische Rat – VertreterInnen der ArbeiterInnenpastoral aus allen Diözesen
Spaniens – genießt großes Vertrauen der spanischen Bischofskonferenz.
(…) ArbeiterInnenpastoral wird nicht als „Fachrichtung“ gesehen, sondern soll
die ganze Kirche beschäftigen. Die HOAC fordert, dass Arbeit dem Wohl der
ArbeiterInnen dienen muss. Immer mehr Menschen haben keinen Arbeitsvertrag mehr
und sind gezwungen auf der Straße zu leben.
Migration
Esteban Tabares, ein in einer MigrantInnenorganisation arbeitender Priester
war der Referent für das Thema Migration. Einleitend stellte er die demografische
Entwicklung der Weltbevölkerung laut einem UN-Bericht dar. Demnach gibt
es vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika ein rasantes Bevölkerungswachstum.
Bei einer Zunahme von jährlich 77 Millionen Menschen entfallen rund 50
Prozent auf 6 Länder (Indien, China, Pakistan, Nigeria, Bangladesch und
Indonesien). Im Jahre 2050 werden wir weltweit eine Bevölkerungszahl von
rund 8 Milliarden Menschen haben, davon werden aber nur 7 % in Europa leben.
(Im Jahr 1900 gab es 3mal so viele Europäer als Afrikaner, im Jahr 2050
ist das Verhältnis umgekehrt). Die Bevölkerungszahl in Europa wird
in einem Zeitraum von 1995 bis 2050 um 41 Millionen durch den Geburtenrückgang
schrumpfen. Die zunehmende Alterung in Europa hat schon heute Folgen für
die Renten- und Gesundheitssysteme, für die Steuersysteme und die Sozialkassen.
Europa braucht Zuwanderung aus humanitären Gründen und auch aus demografischen
Gründen. Migration wird das Demografieproblem in Europa nicht lösen
kann es aber verlangsamen.
Migration ist keine unbedeutende Randerscheinung. Es geht inzwischen um richtige Bevölkerungsströme, um eine Verschiebung der Weltbevölkerung. Über 80% der Migration findet zwischen den armen Regionen statt. Nur ein kleiner Teil schafft es in den reichen Norden. Dieser kleine Teil ist Entwicklungsträger im Norden und im Süden. Sie tragen durch Geldsendungen in den Süden dreimal mehr zur Entwicklung des Südens bei als die Entwicklungshilfe!
Eine Hauptursache sieht Tabares in einer verfehlten Wirtschaftspolitik der Weltorganisationen (WTO, Weltbank, IWF und G8). Der Neoliberale Wirtschaftskurs schafft keine Steigerung des globalen Reichtums, sondern unterstützt die Verarmung und beschleunigt das Auseinanderklaffen zwischen Arm und Reich weltweit. Das Kapital unterwirft die Politik – der Irakkrieg ist ein klares Zeichen dafür, wie Konzerne Staaten unterwerfen. Die neoliberalen Regeln der genannten Organisationen erzeugen ungleiche Handelsbeziehungen, beuten Ressourcen aus und zerstören lokale Strukturen. Wer in so einer Region Lebt, hat keine Wahl und muss Auswandern. Auf den Punkt gebracht: „Wenn das Geld nicht zu den Menschen geht, gehen die Menschen zum Geld.“
In den Nachkriegsjahrzehnten wurden Gastarbeiter nach Westeuropa geholt. Der Name kam daher, weil man dachte die Menschen helfen uns beim Wiederaufbau und gehen dann wieder heim (sind zu Gast). Daher wurden auch keine Sozialgesetze für Gastarbeiter entwickelt. Sie sind aber geblieben. Der Unterschied zur heutigen Migration ist, dass die Menschen nicht kommen um zu arbeiten, sondern um Arbeit zu suchen (mangels Perspektive in der Heimat).
Migrantinnen und Migranten sind nach unserem christlichen Verständnis unsere Schwestern und Brüder. Gott aus ganzem Herzen lieben, heißt, den Nächsten lieben, wie sich selbst. Migranten/innen aufnehmen, heißt, Gott in unsere Mitte aufnehmen. Insofern gibt es für Christen keine Ausländer. Das Evangelium der Nächsten- und Fremdenliebe (Mt 22, 34 – 40) fordert entschiedene Taten der Solidarität mit Fremden. Die Würde des Menschen ist vor Gott verbürgt. Dieses Verständnis schärft die Sensibilität für das Schicksal der Migranten/innen unabhängig von deren religiöser und nationaler Zugehörigkeit sowie ihres Rechtsstatus.
Herausforderungen
Es gibt keine soziale Integrationspolitik – weder in der EU, noch in ihren Mitgliedsstaaten. Das führt zu verstärkten Schwierigkeiten im Zusammenleben. Einfach mehr Geldmittel ist zu wenig. Die Bilder und die politischen Programme müssen sich ändern. Es braucht vielfältige Integrationsmaßnahmen wie z.B. eine EU-Bürgerschaft, die sich nach dem Wohnsitz richtet (nicht an die Staatsangehörigkeit), volle Zugehörigkeit zur politischen Gemeinschaft um nur zwei Beispiele zu nennen.
Jeder Mensch ist von seiner Person und seiner Würde her mit Rechten ausgestattet.
Diese Rechte gilt es anzuerkennen, sie können nicht von Staaten oder Regierungen
verliehen werden.
Wir müssen Toleranz und Respekt vor der Unterschiedlichkeit lernen – vor
allem auch im Bereich Religion.
Am Ende der Tagung wurde eine gemeinsame Schlusserklärung verabschiedet, in der auch eine Selbstverpflichtung der Bewegungen der EBCA enthalten ist. Ein Punkt daraus lautet, in Hinblick auf das Thema „Migration“ Sensibilisierungsarbeit zu leisten. Ich hoffe, dass dieser Artikel ein erster Beitrag dazu ist. Die Schlusserklärung kann in den Diözesanbüros der KAB angefordert werden und ist unter www.mensch-arbeit.at zu finden.
Reinhard Gratzer
G8-Protest mit 1000 Verletzten
Ursachen und Hintergründe
Zurück aus Rostock, müde von der langen Busfahrt versuche ich einige
persönliche Eindrücke über die Proteste zum G8-Gipfel wiederzugeben.
Beweggrund an dieser Demo teilzunehmen, war für mich der Unmut über
die Politik der wirtschaftlich Mächtigen. Eine Politik, die verantwortlich
ist für Armut, Hunger und Tod vieler Menschen, für Ausbeutung und
Zerstörung der Umwelt.
Dieses Bewusstsein deckt sich vermutlich mit den Tausenden, die in Rostock waren,
zumindest mit der Botschaft der RednerInnen und KünstlerInnen der Kundgebung,
die gegen die internationale Kriegspolitik, ruinösen Freihandelsabkommen
mit ehemaligen Kolonien und für eine Entschuldigung der Länder Afrikas
und für einen Klimaschutz der diesen Namen verdient, protestierten. Kreativ,
bunt, künstlerisch und lustvoll war der Widerstand. Es war ein ergreifendes
Bild als wir uns am Rostocker Bahnhof versammelten. Besonders beeindruckt hat
mich ein Gespräch mit einem alten Ehepaar, das sich in unserem Kreis eingefunden
hat und das, bewegt durch ihre Alltagserfahrung in Rostock, sich der Demo angeschlossen
hatte.
Je weiter wir unserem Kundgebungsziel näher kamen umso dichter wurde die
Polizeipräsenz und die Spannungen erster kleinerer Zusammenstöße
von Polizei und DemonstrationsteilnehmerInnen lag in der Luft. Und diese Spannung
steigerte sich zunehmend, trotz der Aufrufe der RednerInnen zur Gewaltfreiheit
und dem bunten Musikprogramm. Was mich am meisten irritierte war, dass sich
viele DemoteilnehmerInnen wie Schaulustige an den Ausschreitungen verhielten.
Nach meiner Einschätzung liegen die Gründe für die Gewalt auf
beiden Seiten. Auf der einen Seite eine kleine gewaltbereite aggressive Gruppe,
welche die Demo für ihren Zweck nutzen wollten – was ihnen durch die reißerischen
Medienberichte auch gelungen ist. Auf der anderen
Seite eine massive Präsenz und unangemessenes Vorgehen der Polizei. Mein
Eindruck war; aus der Sicht der Polizei musste es zu Ausschreitungen kommen,
um die enormen Kosten für diesen Einsatz zu rechtfertigen.
Doch ich sah gleichzeitig auch den entschlossenen Willen so vieler, die diese
Welt nicht der Gewalt – sei es durch Politik oder konkrete Menschen – ausliefern
wollen, meine Erkenntnis ist die: Wir haben noch vieles miteinander zu lernen,
damit eine andere Welt möglich wird. Hören wir nicht auf zu lernen.
Heinz Mittermayr, Diözese Linz
Arbeitsbedingungen bei Aldi-Zulieferern
Der größte deutsche und europäische Discounter Aldi verkauft Textilschnäppchen und lasst in indonsioen und China unter grober Verletzung der Arbeitsrechte produzieren.
In einer soeben erschienenen Studie weist das deutsche Südwind-Institut
– eine der Trägerorganisationen der deutschen CCK - nach, dass bei chinesischen
und indonesischen Aldi-Zulieferern Arbeitsrechte in bisher kaum bekanntem Ausmaß
verletzt werden. Ingeborg Wick, Autorin der Studie, fordert daher eine sofortige
Änderung der Beschaffungspolitik des Konzerns, nicht zuletzt auch durch
entsprechende staatliche Rahmenbedingungen.
In China schleichen sich Beschäftige nachts heimlich aus den Fabriksschlafsälen,
weil sie befürchten, vom Management keine Erlaubnis zur Kündigung
zu erhalten. Wochenlang müssen sie auf ihre Löhne warten. Schulen
kassieren von den Fabriken Gelder für die Vermittlung von minderjährigen
Beschäftigten.
„Mit Beispielen wie diesen“, so Ingeborg Wick, „wird der Arbeitsalltag von Beschäftigten
in chinesischen Bekleidungsfabriken und keineswegs eine Ausnahmesituation beschrieben.“
Zum ersten Mal wird mit dieser Studie das Textilgeschäft des Discount-Pioniers
Aldi untersucht. (In Österreich unter den Namen Hofer aktiv, mit 7 Zentralen
und mehr als 370 Filialen.) Nach zahlreichen Forschungen zur globalen Beschaffung
von Markenunternehmen und Textileinzelhändlern wie adidas, Otto und Karstadt
Quelle in den letzten Jahren widmet sich das Südwind-Institut damit der
Rolle von Discountern im weltweiten Wettbewerb dieser Branche.
Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit sind Discount-Unternehmen in den
letzten Jahren auf die Spitzenplätze des Textileinzelhandels vorgerückt.
Zum Grundkonzept von Discountern gehört die drastische Kosteneinsparung
beim Personal - sowohl in hiesigen Filialen als auch in globalen Zulieferbetrieben.
Zusammen mit der Clean Clothes Kampagne plant Südwind in den kommenden
Monaten öffentliche Aktionen zu Aldi. Diese richten sich an die Adressen
der Unternehmensgruppe und politischer EntscheidungsträgerInnen mit dem
Ziel einer ethischen Beschaffungspraxis von Unternehmen. In einer ersten Stellungnahme
zu den Forschungsergebnissen der Südwind-Studie zeigt sich Aldi dialogbereit.
„Ob diese Bereitschaft zu Einkaufspraktiken führt, die eine Einhaltung
grundlegender Sozialstandards erlauben, wird sich erst zeigen“, so Ingeborg
Wick.
CCC Solidarity Action
Das in Amsterdam angesiedelte Internationale Sekretariat der Clean Clothes Kampagne
hat eine kleine, in englischer Sprache verfasste Broschüre herausgegeben
in der in kurzer und bündiger Form die Prinzipien und Handlungsbereiche
der CCK angeführt sind: die direkte solidarische Aktion im Kampf um die
Respektierung der Arbeitsrechte und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen,
der Druck auf Unternehmen.
Auch die konkreten Möglichkeiten, ArbeiterInnen in ihren Konflikten mit
Unternehmen und staatlichen Instanzen zu unterstützen, werden aufgelistet,
ebenso die Erfahrungen, die die Kampagne bisher mit den Urgent Actions gemacht
hat. Dabei zeigt sich, dass die gewerkschaftliche Organisierung im Produktionsland
und eine starke internationale Kampagne wesentliche Bedingungen sind, um den
Arbeitskonflikt zu einem positiven Ende zu bringen. Zu bestelle unter www.cleanclothes.at
(Aus Cleanclothes – 26/2007)
Teilzeitarbeit zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Teilzeitarbeit ist nach wie vor „Frauensache“ – neun von zehn Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Oberösterreichs Frauen arbeiten inzwischen zu 46 Prozent in Teilzeit, haben also Arbeitsverträge mit weniger als 36 Wochenstunden.
Oberösterreich ist damit ganz knapp hinter Vorarlberg das Bundesland mit der zweithöchsten Teilzeitquote, österreichweit liegt die Teilzeitquote der Frauen bei 40 Prozent.
Oberösterreichs Männer liegen mit einer Teilzeitquote von gerade einmal 5% hingegen noch unter dem niedrigen Österreichschnitt von 6%.
Zweithöchste Teilzeitquote in Oberösterreich
Für 15 % der teilzeitbeschäftigten Frauen reicht das Einkommen zur Deckung des Lebensunterhals nicht aus. 44% geben an, dass das Einkommen gerade noch ausreichend ist. Viele der teilzeitbeschäftigten Frauen sehen eine unzureichende Altersversorgung auf sich zukommen.
37% gehen davon aus, dass ihre Pensionen einmal nicht zum Leben reichen werden, weitere 46% hoffen, dass sie damit gerade noch das Auslangen finden werden. „Mit der lebenslangen Durchrechnung der Bemessungsgrundlage bei den Pensionen werden viele Frauen im Alter mit entsprechend niedrigen Pensionen das Auslangen finden müssen. Hier braucht es dringend Maßnahmen, um künftige Altersarmut von Frauen zu verhindern!“, fordert Sandra Saminger.
Damit Teilzeit keine Sackgasse wird!
Zuschläge für Mehrarbeit (wie im Regierungsprogramm vorgesehen) rasch verwirklichen: Teilzeitbeschäftigte Frauen leisten im Durchschnitt zwei Mehrstunden pro Woche. Ihre zeitliche Flexibilität muss wie bei Vollzeitbeschäftigten mit Zuschläge abgegolten werden. Gleichzeitig sind Zuschläge ein Anreiz gegen die stattfindende Zerstückelung von Arbeitsplätzen.
Bei frei werdenden Vollzeitstellen in einem Betrieb müssen dort beschäftigte Teilzeitkräfte Vorrang vor Neueinstellungen haben.
Recht auf Elternteilzeit für Väter und Mütter auch in Kleinbetrieben und bei kürzerer als dreijähriger Betriebszugehörigkeit, Vereinfachung der Durchsetzungsmöglichkeiten.
Faire Berücksichtigung familienbedingter Teilzeitphasen bei der Pensionsbemessung.
Sandra Saminger, Frauenvorsitzende der GPA-DJP-Oberösterreich
Auf immer mehr Vermögen immer weniger Steuern
Angesichts der niedrigen Vermögenssteuern in Österreich und sichtbar werdender sozialer Ungleichheiten ist die Abschaffung der Erbschaftssteuer eine ökonomisch und verteilungspolitisch falsche Entscheidung. Der Anteil vermögensbezogener Steuern liegt im EU-Durchschnitt bei 2,2%, in Österreich bei 0,6%.
Die Erbschaftssteuer könnte so reformiert werden, dass sie zu Verteilungsgerechtigkeit beiträgt, beispielsweise durch Einführung einer Erbersatzsteuer bei Privatstiftungen wie in Deutschland. Bei einem Steuersatz von zehn Prozent wären pro Jahr 0,33% an Erbersatzsteuer zu leisten. Das allein brächte 180 Millionen Euro Einnahmen.
Zwei Drittel der Österreicher haben noch nie etwas geerbt, sagen die Daten der österreichischen Nationalbank. Bei der Erbschaftssteuer handelt es sich nicht um eine reine Mittelstandssteuer. Vom Drittel, das etwas zu vererben hat, machen allein 500 Erbfälle über 40% der Steuereinnahmen aus.
Und mit dem Entfall der Erbschaftssteuer zahlen Privatstifter, das sind die größten Vermögen im Land, keine Steuer mehr beim Einbringen ihrer Stiftung.
Weiters öffnet sich ein Graubereich, in dem Einkünfte nicht mehr normal deklariert werden. Schwarzgeschäfte werden in Zukunft als Schenkungen „getarnt“ werden. Und Unternehmer könnten, indem sie Vermögenswerte wie Firmenanteile innerhalb der Familie verschenken, massiv Einkommenssteuer sparen. Und dann hängt noch die Grundsteuer dran und könnte mit demselben Argument wie bei Erbschafts- und Schenkungssteuer fallen.
In der Armutsbekämpfung, in der Pflege und in Bildungsmaßnahmen für sozial Benachteiligte muss man um jeden Euro kämpfen, wenn es um die einflussreichen Interessen geht, kann man auf Geld ganz locker „verzichten“.
Auf immer mehr Vermögen gibt ein immer weniger Steuern. Dafür: Auf Löhne immer mehr Abgaben und immer höhere indirekte Steuern. Die geringen Einkommen werden voll von den indirekten Steuern getroffen. Das unterste Einkommensdrittel wird durch Massensteuern doppelt so stark belastet wie das oberste. Um 466 Euro (Statistik Austria) zahlen Österreichs Haushalte seit dem Jahr 2000 im Schnitt mehr Abgaben als davor.
Die Gewinnquote wie auch die Gesamtvermögen steigen. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Lohnanteil am Volkseinkommen deutlich zurückgegangen, die Besitzeinkommen und die Einkünfte aus Finanzvermögen sind dagegen stark angewachsen. Die bereinigte Lohnquote fiel von 71 % im Jahr 1981 auf 59% im Jahr 2003. Die Reallöhne und die realen Gehälter pro Kopf stiegen von 1980 bis 2003 langsamer als die gesamtwirtschaftliche Produktivität. Bei den Niedrigeinkommen gibt es Reallohnverluste.
Wer Vermögen nicht besteuert, muss Arbeit und das Alltagsleben der Menschen mit indirekten Steuern belasten. Österreich ist auf dem Weg zum einzigen westlichen Industrieland, das weder eine Vermögenssteuer noch eine Börsenumsatzsteuer noch eine Erbschafts- und Schenkungssteuer hat.
Martin Schenk
(Augustin Nr. 198)
Grundeinkommen – Sicherheit und Freiheit
Grundeinkommen ist ein Instrument, das die flexible, eigenverantwortliche Aufteilung der Lebenszeit zwischen Erwerbsarbeit und unbezahlter Arbeit im eigenen, familiären und gesellschaftlichen Bereich, zwischen Lernen und Muße, zwischen Verpflichtung und Freiheit möglich macht.
Grundeinkommen darf nicht isoliert eingeführt werden, es bedarf gesellschaftlicher Begleitmaßnahmen. Solange Erwerbsarbeit ein wesentliches, persönlichkeitsstiftendes, Status und Einkommen vermittelndes Element bleibt, muss der Arbeitsmarkt so geregelt sein, dass niemand dauerhaft von Erwerbsarbeit ausgegrenzt wird. Auch in einer Grundeinkommensgesellschaft braucht es Gesetze, Kollektivverträge und Gewerkschaften, die für gerechte Verteilung von Arbeit und Einkommen und für gerechte Arbeitsbedingungen sorgen.
Unbezahlte Arbeit wird durch Grundeinkommen leichter möglich und zumindest global abgegolten. Das Volumen der unbezahlten Arbeit in den Familien, in der Pflege alter und kranker Menschen, durch ehrenamtliches Engagement übersteigt bei weitem jene Stundenzahl, die für bezahlte Arbeit aufgewendet wird. Diese Tätigkeiten, die für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft besonders wichtig sind, sind heute unbezahlt. Grundeinkommen vermehrt die persönlichen Möglichkeiten, für sich selbst und für die Gemeinschaft etwas zu tun.
Der Grad des sozialen Zusammenhalts einer Gesellschaft lässt sich auch am Ausmaß der Ungleichheit zwischen Frauen und Männern messen. Grundeinkommen soll die materielle Sicherheit von Frauen verstärken und ihre Freiheit der Wahl ihrer Lebensentwürfe vergrößern. Die Sicherheit und die Bedingungslosigkeit des Grundeinkommens erhöht die Verhandlungsmacht von Frauen im privaten Bereich und am Arbeitsmarkt.
Grundeinkommen – macht eine andere Welt möglich!
Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu diesem Thema: kab.ka.stpoelten@kirche.at
Alle Zuschriften/Anregungen /Kritiken werden im sozialpolitischen Arbeitskreis der KAB behandelt!
PGR-Wahl 2007 - Die KAB macht mit!
Lebensräume gestalten – Glaubenräume öffnen
Am 18. März 2007 ist es wieder soweit: die nächste Pfarrgemeinderatswahl wird wieder Menschen zu den Wahlurnen rufen, um bewährte PfarrgemeinderäteInnen zu bestätigen und/oder neue zu wählen.
Die Pfarrgemeinderatswahl 2007 ist mehr als nur eine Wahl. Sie stellt den Beginn eines Prozesses dar, der als Thema der nächsten Jahre „Lebensraum gestalten – Glaubensräume öffnen“ haben wird.
Nicht nur in Zeiten, in denen immer mehr Priester mit der Betreuung mehrerer Pfarren beauftragt sind, können und sollen ehrenamtliche Frauen und Männer helfen, das pfarrliche Leben aktiv zu gestalten, ihren Lebensraum aktiv zu gestalten und so den Glaubensraum Pfarre offen zu halten.
Ein deutlicher Blick auf die Rahmenbedingungen
Dabei wird es notwendig sein, den Blick deutlicher auf die Rahmenbedingungen zu richten und diese so zu gestalten, das ein zufriedenes Arbeiten möglich wird. Auch die Begleitung und Unterstützung der Pfarrgemeinderäte, besonders in Umbruchzeiten, wird wichtiger werden.
Diesen Dienst können wir nur leisten, wenn wir mit den Menschen in Dialog bleiben, in Dialog treten und mit unserer Seelsorge in ihren alltäglichen Lebenszusammenhängen wirksam werden.
Wo Lebensräume glaubwürdig aus dem Evangelium heraus gestaltet werden, öffnen sich auch neue Glaubensräume für die Menschen. Es gilt daher, in der nächsten Pfarrgemeinderatsperiode die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen noch mehr zu motivieren, Verantwortung zu übernehmen.
Die KAB möchte diese für unsere Kirche wichtige Wahl deshalb tatkräftig unterstützen und appelliert an ArbeitnehmerInnen und Betriebsräte sich in den Pfarren als KandidatInnen zur Verfügung zu stellen.
Niederösterreich unterstützt Global Marshall Plan
Der NÖ Landtag hat bei seiner Sitzung am 25. Jänner 2007 einstimmig beschlossen, sich zur Idee und zu den Zielen des „Global Marshall Plan“ zu bekennen und sich für dessen Umsetzung einzusetzen. Damit wurde auch einem diesbezüglichen Ersuchen der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten Rechnung getragen, das diese an die im Landtag vertreten Parteien herangetragen hatte.
Der "Global Marshall Plan" ist 2003 auf Initiative des Club of Rome, des Ökosozialen
Forum Europa und der Stiftung Weltvertrag entstanden und wendet sich an Regierungen und Parlamente, an die UNO, an verschiedene internationale Organisationen, an die international agierende Wirtschaft und an die in NGOs
organisierte globale Zivilgesellschaft.
Seine Vision ist es, weltweit mehr Gerechtigkeit, Friede und nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Der Weg besteht in globalen Partnerschaften im Rahmen einer Ökosozialen Marktwirtschaft. Ein realitätsbezogener und ausgleichend agierender „Global Marshall Plan“ kann sich als das effektivste heute mögliche Wirtschaftsförder- und Friedensprogramm erweisen.
Der Global Marshall Plan strebt eine "Welt in Balance" an. Das erfordert die Schaffung eines global anerkannten sozialen und ökologischen Ordnungsrahmens zur Überwindung der Armut und zum Schutz der Umwelt, aber auch andere Maßnahmen, die in fünf Kernzielen zusammengefasst sind:
Bekämpfung von Korruption
Der Global Marshall Plan betrachtet die Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele
der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2000, die von 191 Staaten unterzeichnet
wurden, als einen ersten wichtigen Schritt. Danach soll bis zum Jahr 2015 erreicht werden:
1. Beseitigung von extremer Armut und von Hunger
2. Grundschulbildung für alle Kinder
3. Gleichstellung der Frauen
4. Senken der Kindersterblichkeit
5. Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit von Müttern
6. Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen Krankheiten
7. Gewährleistung von ökologischer Nachhaltigkeit
8. Globale Partnerschaft für Entwicklung
Dem „Global Marshall Plan“ geht es darum, durch eine klassische Win-Win-Strategie den ärmsten Teilen der Welt viel effizienter zu helfen, aber auch Entwicklungsländer in die Lage zu versetzen sowie ihre Bereitschaft zu erreichen, soziale und ökologische Mindeststandards zu realisieren und umzusetzen.
Zunächst soll versucht werden, dass sich Europa an die Spitze dieser globalen Bewegung setzt, ein Konzept zur Finanzierung entwickelt und dieses als offizielle Position Europas auf allen zukünftigen Weltgipfeln vertritt.
Für Niederösterreich bringt die Globalisierung neue Chancen, aber auch neue Risken
mit sich. Einerseits profitiert unser Bundesland von der Einbindung in ein geeintes
Europa und vom Zugang zu internationalen Märkten. Anderseits drohen ökologische
und soziale Mindeststandards unter dem Druck eines einseitigen internationalen
Wettbewerbs geschwächt und außer Kraft gesetzt zu werden. Der Global Marshall Plan stellt damit auch für das Land Niederösterreich eine wichtige inhaltliche Ergänzung und überregionale Grundlage für eine Positionierung zur Globalisierung
dar.
In der mehr als einstündigen Debatte sprachen sich alle sechs Redner, die Abgeordneten Gottfried Waldhäusl (FPÖ), Dr. Martin Michalitsch (ÖVP), Mag. Martin Fasan (Grüne), Mag. Günther Leichtfried (SPÖ), Franz Hiller (ÖVP) und Landesrat Dipl.-Ing. Josef Plank (ÖVP), für die Annahme des von Berichterstatter Abg. Dr. Prober (ÖVP) vorgestellten Antrags aus.
Der Beschluss lautet:
„Die Niederösterreichische Landesregierung wird ersucht,
1. sich zur Idee und zu den Zielen der Initiative „Global Marshall Plan“ zu bekennen und diese aktiv zu unterstützen und in diesem Zusammenhang weiterhin für eine klare Absicherung der öffentlichen Verantwortung im Bereich der Daseinsvorsorge einzutreten,
2. den „Global Marshall Plan“ mit Bildungs- und Informationsveranstaltungen bzw. unter Miteinbeziehung bestehender einschlägiger Aktivitäten, Initiativen und Strukturen des Landes in Niederösterreich bekannt zu machen,
3. im Zusammenhang mit Globalisierung und Nachhaltiger Entwicklung: Möglichkeiten und Handlungsspielräume aber auch Chancen für innovative Projekte mit Vorbildwirkung, im nationalen (Ö) und internationalen (EU) Kontext, für das Land Niederösterreich auszuloten und daraus ein Machbarkeits- und Umsetzungskonzept zu entwickeln,
4. im Rahmen der NÖ Nachhaltigkeitskoordination: eine thematische Vernetzung und gemeinsame Aktivitäten mit anderen Bundesländern, die sich zum GMP bekennen, zu suchen und umzusetzen,
5. bei der Bundesregierung dafür einzutreten, die Initiative „Global Marshall Plan“ aktiv zu unterstützen,
6. sich bei der Bundesregierung dafür einzusetzen, dass sie sich bei den sich ihr bietenden Kontakten mit anderen Regierungen sowie auf der Ebene der Europäischen Union mit Nachdruck für die Umsetzung der Steuerinitiativen des Global Marshall Planes durch weltweite Besteuerung globaler Transaktionen (Devisen) und des Verbrauches von Ressourcen (z.B. Kerosinsteuer) einsetzt.“
Roman Fröhlich
5. Regionalkonferenz der KAB in Nitra/Slowakei:
Europäisches Lebensmodell gefordert
Am 21.10.2006 fand im slowakischen Nitra die fünfte Regionalkonferenz der Katholischen Arbeitnehmer/innenbewegungen der Slowakei, Tschechiens, Ungarns, Polens und Österreichs statt. Tagungsthema war die „Ökosoziale Marktwirtschaft“ – Prominenter Referent war der ehemalige österreichische Landwirtschaftsminister und Vizekanzler Josef Riegler.
Riegler erläuterte in seinem Vortrag unter anderem die „Zehn Prinzipien der Ökosozialen Marktwirtschaft“.
Er verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass Umweltkosten erkennbar und wirksam sein müssen und der Konsument wissen muss, was er kauft. Gleichzeitig forderte er, dass neue Technologien künftig mehr als bisher im Dienst der Umwelt stehen sollen. Entsprechende Förderungen soll es daher nur mehr für Zukunftsinvestitionen geben.
Riegler: "Die Zeit ist reif, beim industriellen Wachstum von einem Konsum der Umwelt auf einen Schutz der Umwelt umzusteigen".
„Angesichts der Aufgabe, vor der die heutige Generation steht, nämlich den Übergang von einem nicht tragbaren zu einem tragbaren Wirtschaftsystem zu bewerkstelligen, bietet die Ökosoziale Marktwirtschaft die beste derzeit bekannte Lösung, mittels derer die Umstellung zu bewirken ist.
Wir brauchen starken Wettbewerb zur Verhinderung von unfairer Marktmacht durch Monopole, Kartelle und vermehrt auch durch sogenannte „Global Player“, die sich über einzelstaatliche oder EU-Regeln hinwegsetzen können. DI Riegler setzt dabei auch auf
Soziale Fairness.
Sie ist eine enorm vielfältige Aufgabe, die viel neue Kreativität und Innovation erfordert. Das beginnt bereits bei der klassischen Sozial-, Gesundheits- und Familienpolitik, die infolge der demografischen Veränderungen – Stichwort „Überalterung“ - und der neuen Migrationsbewegungen neue Antworten in Gesetzgebung, Finanzierung und in der Symbiose zwischen staatlichen Sozialsystemen, privater Vorsorge, gemeinschaftlichen Netzwerken und der Unterstützung der Familien bei Erziehung und Pflege erfordern".
Gleichzeitig geht es dabei aber auch um die „Soziale Solidarität“. Sie bedeutet im 21. Jahrhundert den Ausbau des sozialen Zusammenhaltes in Europa und die Entwicklung eines „globalen Marshall-Planes“ mit dem Ziel sozialer Gerechtigkeit für eine immer enger global vernetzte Menschheit. Bei aller Unterschiedlichkeit dieser europäischen Wirtschafts- und Sozialmodelle gibt es ein
„Europäisches Lebensmodell“, welches uns beispielsweise von den USA unterscheidet und das mehr auf soziale Sicherheit und Nachhaltigkeit setzt – gewissermaßen eine Ökosoziale Marktwirtschaft auf Europa ausgedehnt.
Das Ziel: Mehr Wachstum, um den Wohlstand und die Sozialsysteme abzusichern und gleichzeitig auf ökologische Nachhaltigkeit setzen.
Der zweite Referent der Tagung war ehemaliger Chefredakteur der KAB Österreichs.
Lohmann wies nachdrücklich darauf hin, dass kein Land in dieser Region eine Insel der Glückseligkeit sei und die derzeitige Entwicklung mitten im Herzen Europas, längerfristig, zu Armut und Ausgrenzung führe.
Das bedeutet, so Lohmann, nicht nur materielle Verarmung sondern auch religiöse, kulturelle und geistige Austrocknung.
Ein Beispiel dafür ist die von bestimmten Kreisen immer wieder geforderte Einführung der Sonntagsarbeit, oder die rund um die Uhr geforderte Verfügbarkeit von Arbeitnehmern, die sich auf die Lebensqualität der Menschen zerstörerisch auswirken würde.
Die Teilnehmer der Regionalkonferenz kamen überein künftig im Rahmen eines neuen und engmaschigen Netzwerkes der beteiligten Länder enger als bisher zusammenzuarbeiten.
Prof. Josef W. Lohmann
Gesichert, aber faul?
Der SPÖ-Vorschlag will mit 800 Euro monatlich als Grundsicherung
Armut verhindern. Die anderen Parteien sind dagegen oder propagieren eigene
Modelle. Worüber wird da gestritten?
„Mehr als eine Million Menschen in Österreich sind armutsgefährdet,
460.000 Menschen sind akut arm. „Mit dieser Feststellung versuchte die SPÖ
im Wahlkampf die Regierungspolitik als Ausdruck der „sozialen Kälte“ anzuprangern.
ÖVP und BZÖ wiesen diesen Vorwurf brüskiert zurück und propagierten
Österreich als Modellprojekt geglückter Sozialpolitik. Die steigende
Beschäftigungsquote wurde als ein Indiz für gelungene Arbeitsmarktpolitik
angeführt.
Notstands- und Sozialhilfe
Die Opposition widerlegt dieses Argument immer wieder: Beschäftigung sichert
heute in zunehmendem Maße nicht mehr den Lebensunterhalt. „Working Poor“
nennt man jene acht Prozent der Beschäftigten, die trotz Erwerbsarbeit
unter der Armutsgrenze leben. Denn die Zahl der Arbeitsplätze wächst
vor allem im Bereich der Teilzeitarbeit und bei der geringfügigen Beschäftigung.
Eine eigenständige Existenzsicherung im Alter kann damit nicht erzielt
werden, da zu geringe oder gar keine Beiträge für die Pension eingezahlt
werden.
Wenn monatlich vom Verdienst mindestens ein Jahr lang Arbeitslosenversicherung
abgezogen wurde, der oder die hat Anspruch auf Arbeitslosengeld. Danach gibt
es die Notstandshilfe, allerdings wird das Einkommen des Ehepartners gegen gerechnet,
sodass vor allem Frauen oft keinen Anspruch haben.
Jene, die nicht in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, wie zum Beispiel
Selbständige, und in finanzielle Not geraten, können bei der Gemeinde
um Sozialhilfe ansuchen. Diese Unterstützung ist Ermessenssache der einzelnen
Bundesländer und nicht österreichweit einheitlich geregelt. Hilfsorganisationen,
wie Caritas und Diakonie, und Oppositionsparteien haben immer wieder eine Anhebung
und eine einheitliche Regelung verlangt.
Pro und Kontra
Die SPÖ will mit einer bedarfsorientierten Grundsicherung in Höhe
von 800 Euro monatlich Armut verhindern und einheitliche Regelungen schaffen.
Wer aus Einkommen, Arbeitslose, Notstands- oder Sozialhilfe sowie Pension weniger
als 800 Euro bezieht, bekommt nach einer Bedarfsprüfung die Differenz ausbezahlt.
Derzeit liegt der Richtsatz für alleinstehende Personen zur Erlangung einer
Ausgleichszulage bei 690 Euro.
Die ÖVP lehnt diesen Vorschlag strikt ab. Für Wirtschaftsminister
Martin Bartenstein ist dieses Modell zu teuer, da es nach seinen Berechnungen
mindestens 900 Millionen Euro kosten würde. Er warnt weiters vor einem
„Sozialtourismus“ aus EU- und EWR-Ländern, um diese Möglichkeit in
Anspruch nehmen zu können.
Bartenstein und viele andere glauben, dass bei einer Grundsicherung von 800
Euro niemand mehr für weniger Geld arbeiten wolle. Dies würde vor
allem auch die zahlreichen, besonders von Frauen in Anspruch genommenen, neu
geschaffenen Teilzeitarbeitsplätze betreffen. Dem halten die BefürworterInnen
einer Grundsicherung entgegen, dass der Mensch von Natur aus nicht arbeitsscheu
und faul sei. Das Streben nach Wohlstand motiviere.
Kein Verzicht auf Leistung
Die SPÖ veranschlagt 660 Millionen Euro für die Realisierung ihres
Modells, von dem rund 400.000 Personen profitieren würden. Sie betont,
dass im Gegensatz zu dem von der Katholischen Sozialakademie propagierten Grundeinkommen,
das jedem Menschen bedingungslos zustehen würde, auf Arbeitswilligkeit
und Leistungsbereitschaft nicht verzichtet wird. Bedingung für die Grundsicherung
sei, dass die Qualifikationskurse des Arbeitsmarktservice (AMS) besucht werden,
zumutbare Arbeit gemäß den üblichen Kriterien des AMS angenommen
wird und kein Vermögen vorhanden ist. Dies bedeutet, dass man zum Beispiel
die Eigentumswohnung verkaufen und Erspartes verbrauchen muss, ehe man Anspruch
auf Grundsicherung hat.
Die Grünen, die ebenfalls ein Grundsicherungsmodell entwickelt haben, glauben dass das SPÖ-Modell mit der Bedarfsprüfung einen enormen Verwaltungsaufwand erfordert. Der Verzicht auf eine Eigentumswohnung scheint ihnen als nicht gangbarer Weg. Für ÖVP-innenministerin Liese Prokop ist das SPÖ-Modell „urkommunistisch“. Doris Bures, Genersekretärin der SPÖ glaubt hingegen dass Armutsvermeindung und Armutsbekämpfung als urchristliche Forderung auch der ÖVP ein Anliegen sein müssten.
Eleonore Bayer
Sommerakademie
von Arbeiterkammer,
Gewerkschaft und Kirche zu Arbeitslosigkeit und „ÖGB – neu“
Im
Seminarhotel Berghof in Gaming trafen sich von 28. bis 30. August über
30 Delegierte von der Arbeiterkammer, der Gewerkschaft und Katholischen ArbeitnehmerInnen-Bewegung
zu einem Diskussionsforum über die Themen „Arbeitslosigkeit“ und „Gewerkschaft-neu“
.
Über Arbeitslosigkeit zu diskutieren war besonders brisant, weil die Arbeitslosigkeit
eines der Hauptthemen des Wahlkampfes sein wird. Die Vertreter von Kirche und
Gewerkschaft waren sich einig, dass die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit
nicht nur durch ein Ankurbeln des Wirtschaftswachstums geschehen kann. Ein Schlüsselwort
für eine solche Bekämpfung heißt „teilen“. Die vorhandene Arbeit
soll aufgeteilt werden auf alle. Konkret heißt dieses Teilen Arbeitszeitverkürzung.
Bei einer radikalen Arbeitszeitverkürzung müssen dann auch alle soviel
an Lohn bekommen, dass sie damit menschenwürdig leben können. Der
gesellschaftliche Reichtum muss gerecht verteilt werden.
Das
Forum beschäftigte sich auch mit der konkreten Situation der Arbeitslosen.
Die Psychotherapeutin Birgit Richter referierte über ihre Arbeit mit Arbeitslosen
und eine arbeitslose Frau aus Golling wurde ausführlich über ihre
Arbeitslosensituation interviewt.
Ein ganzer Tag war dem Bemühen gewidmet den Österreichischen Gewerkschaftsbund
in seiner Krise zu unterstützen und realistische Vorschläge für
ein „ÖGB-neu“ zu erarbeiten.
Hier einige der erarbeitenden Vorschläge:
- Die Gewerkschaft soll mehr Augenmerk schenken den atypischen Beschäftigten
und den Arbeitslosen.
- Die Frauen sollen im ÖGB aufgewertet werden.
- In der Gewerkschaftsreform soll stark auf die Basis hingehört werden
- den Gewerkschaftsbundmitgliedern und der gesamten Bevölkerung soll stärker
der Wert der Gewerkschaft bewusst gemacht werden.
- Die Gewerkschaft soll nicht in erster Linie aus Funktionären bestehen,
sondern soll eine schlagkräftige Bewegung sein, die permanent kämpft
für die Rechte der arbeitenden Menschen.
Der
Sozialphilosoph Oskar Nagt sagt: „Wer versucht die Macht der Gewerkschaft zu
brechen, der legt die Axt an die Wurzel der Demokratie.“
Die gemeinsamen Sommerakademien von Gewerkschaft und Kirche fanden schon zum zehnten Mal in Niederösterreich statt. Die Delegierten von Katholischer ArbeitnehmerInnen-Bewegung, von Betriebsseelsorge und Gewerkschaft haben durch diese Akademien nicht nur gegenseitige Barrieren überwunden, sondern viele von ihnen sind inzwischen Freunde geworden. Das Programm der Gewerkschaft, Arbeiterkammer und KAB deckt sich sehr stark mit den Grundsätzen der katholischen Soziallehre.
Franz Sieder
Österreich nach der Wahl
Österreich hat gewählt! Danach waren wir alle überrascht.
Wen, was haben wir gewählt? Inhalte wohl weniger, die haben wir im Wahlkampf
nur selten gehört.
Gehört haben wir Parolen: Hier geht’s uns gut. Neue Fairness braucht das
Land. Daham statt Islam…..
Im Alten Testament gibt es die Erzählung, dass das Volk Israel nach seinem Auszug aus Ägypten einen König wählen wollte. Einer bot sich auch an. Programm hatte er freilich nicht. Doch er hatte einen Wahlspruch: Ich bin einer von euch! Glatt wurde dieser Mann, Abimelech mit Namen, zum König gewählt, mit katastrophalen Folgen. Nach dieser Wahl und einigen darauf folgenden Morden stellt sich ein anderer namens Jotam auf einen Berg und erzählte seine berühmte Fabel von den Bäumen.
Klar, Parteien wollen gewählt werden. Was aber, wenn sie sich in erster
Linie nach der Stimme des Volkes richten? Ist dies verantwortbar? Entspricht
Demokratie automatisch dem Gemeinwohl, wie wir es aus der katholischen Soziallehre
kennen?
Beispiele aus der Geschichte müssen uns davor warnen. Und die Zustimmung
zu Populisten, die Ausländer und anders Denkende oder Glaubende zu Feinden
abstempeln muss uns bei dieser Wahl am 1. Oktober zu denken geben.
Leopold Kohr, österreichischer Philosoph des 20. Jahrhunderts, der 1938 seine Heimat verlassen musste, Träger des alternativen Nobelpreises, meinte nicht den Willen des Volkes erforschen, sondern Mut, sich diesem Willen entgegenzustellen und die größte Freiheit hochzuhalten, sich nicht durch öffentliche Meinung, sondern durch die eigene private leiten zu lassen, darauf käme es an.
Demokratie bedeutet vom Volk legitimierte Macht. So haben wir nicht nur Parteien
gewählt, sondern auch Frauen und Männer, die vor unseren Augen für
ein soziales Österreich zu sorgen haben, in dem alle Menschen ihre Chancen
auf Bildung, Arbeit, volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben haben. Da sind
vor allem SPÖ, ÖVP und Grüne gefragt.
Aber auch wir selbst: Wir haben zwar an jenem Wahlsonntag unser Kreuzchen gemacht,
aber nicht unsere Stimme abgegeben. Vor allem als Christinnen und Christen sind
wir gefragt sie zu erheben für Toleranz, Dialog und Respekt.
Die Jotamfabel Einst gingen die Bäume hin um sich einen König zu salben, der
über sie herrsche. Sie sprachen zum Ölbaum: Sei du unser König! |
„Kirche, die nicht am Leben dran bleibt
hat kein Recht am Leben zu bleiben.“
"'Wie muss Befreiungskirche im Land des Landesfürsten Erwin Pröll
und in der Diözese des Bischof Klaus ausschauen?“
Grundsätzliche und überzeugte Antwort: Es kann eigentlich nirgendwo
auf der Welt eine andere Kirche als die Befreiungskirche geben. Daraus folgt:
unsere Kirche muss auch in diesem Bundesland unter dieser politischen Führung
in dieser Ortskirche, unter diesem Bischof , mit den Pfarren die wir haben,
mit diesen Gläubigen, und geistlichen Bewegungen so aussehen, (ich formuliere
bescheiden) in diesem drastischen Wandel der Arbeitswelt) dass in ihr etwas
von jener erlösenden und befreienden Wirklichkeit aufblüht, die Jesus
von Nazareth mit dem damals sehr viel sagenden Bildwort vom Reich Gottes beschrieben
hat.
Als getaufte Christen, als lebendige Mitglieder einer Kirche, die sich auf das
Evangelium Jesus Christus beruft, stehen wir „in der Werkstatt des Reiches Gottes“.
Der Meister der Werkstatt hat gewusst, was er wollte und hat das auch gleich
am Anfang sehr klar zum Ausdruck gebracht. „Der Geist des Herrn ruht auf mir;
denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Armen die Frohbotschaft
zu verkünden, den Gefangenen die Freiheit …“ (Lk 4,18).
Das war sein Meisterbrief, sein Lehrplan, sein Lebensprogramm. Dafür hat
er gelebt, dafür ist er gestorben.
Das war seine Option. Er stand damit in der Tradition der Propheten, die im
Namen Gottes Partei für die Schwachen ergriffen haben.
Damit musste er sich notwendigerweise in „schlechte Gesellschaft“ begeben und
die politischen und religiösen Vertreter der guten Gesellschaft verärgern.
Der Österreichische Sozialhirtenbrief von 1990 hat sehr klar festgestellt:
Die vorrangige Option für die Armen ist nicht Erfindung sozialer Extremisten,
sondern gründet in der Sendung und im Auftrag Christi und ist von der gesamten
Tradition der Kirche bezeugt (Nr.125).
Was uns inmitten, gerade in der Kirche Österreichs, nach all dem was in den letzten 15 Jahren passiert ist, gerade hier, wieder glaubwürdig macht ist nicht in erster Linie ein Mitschwimmen in den Modeströmungen einer „Egomanie spiritueller Selbstbefriedigung“ die eine postmoderne Form von Weltflucht und Weltverachtung ist. Wir haben eine Weltverantwortung, die aus der Überzeugung lebt, „dass der Mensch der erste Weg der Kirche ist „ (Johannes Paul II.)
Die Kirche hat nicht eine Option für den Menschen – sie ist eine Option, d.h. Sie verkörpert die Option Jesus v. Nazaret, der die Leidenschaft Gottes glaubwürdig gelebt hat. Wenn sich die Kirche dieser Option nicht mehr verpflichtet wissen würde, wäre sie – in einem tiefen theologischen Sinn, nicht mehr der Leib Christi.
„Für die Kirche darf die soziale Botschaft des Evangeliums nicht als eine Theorie, sondern vor allem als eine Grundlage und eine Motivierung zum Handeln angesehen werden“ (Johannes Paul II., Enzyklika Centesimus annus, Nr. 57). Solche Aussagen der päpstlichen Soziallehre sind und bleiben Maßstab für jedes christliche Handeln.
Wir müssen offen zugeben, dass Theorie sehr klar, die Praxis aber schwach
bis miserabel ist.
Auch in der österreichischen Kirche wird die Soziallehre auch von offizieller
Seite oft sehr halbherzig bis verwässert vertreten.
Man sagt Dinge hinter vorgehaltener Hand, um Politiker nicht zu verärgern. Man schleicht auf weichen Pfoten durch die Gegend, um das soziale Gewissen nicht zu wecken. Man redet von viel von Evangelisierung und vergisst, dass die Weltverantwortung Teil jeder Evangelisierung und Neuevangelisierung ist.
Die Verkündigung des Evangeliums an die Menschen unserer Zeit ist ohne Zweifel ein Dienst, der nicht nur der Gemeinschaft der Christen sondern der ganzen Menschheit erwiesen wird. Evangelisierung nach der Aussage des Apostolischen Schreibens „Evangelii nuntiandi“ von Paul VI. eine vielschichtige und dynamische Wirklichkeit, die auch auf die Veränderung und Erneuerung der Gesellschaft zielt und darin besteht, die Frohbotschaft in alle Bereiche der Menschheit zu tragen und diese von innen her umzuwandeln. Das Evangelium verändert das persönliche und kollektive Bewusstsein der Menschen (vgl. Evangelii nuntiandi Nr. 18).
Das 2. Vatikanische Konzil versteht im Dekret über das Apostolat der Laien
(Nr. 2) Evangelisierung als „Durchdringung der zeitlichen Ordnung mit dem Geist
des Evangeliums“.
Die Kirche hat im Konzil ihren pastoralen Standpunkt neu bestimmt. Sie versteht
sich als Kirche in der Welt und im Dienst an der Welt und am Menschen. Es geht
um die Rettung der menschlichen Person und um den rechten Aufbau der menschlichen
Gesellschaft.
Wird diese Pastoral in ihren Gemeinden vor Ort sichtbar?
Pfarreien sind leider zu Orten eines beklemmenden unpolitischen Bewussteins
und eines beharrlichen Kreisens um sich selber, um den Kirchturm und um das
Pfarrfest geworden (Rolf Zerfaß).
Sie haben durch ihre auf volkskirchliches Brauchtum, auf Gottesdienst und sakramentale
Mindestversorgung fixierte Seelsorge oft den Willen und die Kraft zur Mitgestaltung
des öffentlichen Lebens verloren.
Wie muss Kirche aussehen?
Sie darf sich nicht mit einem Nischen- und Sakristeichristentum begnügen.
Wir dürfen uns nicht in kirchliche Konflikte festbeißen und einigeln
und dürfen unser Pulver nicht am falschen Ort verschießen. Es geht
darum, mit möglichst allen kirchlichen Gruppierungen den Dialog zu versuchen,
wenn es um den Menschen und seine Nöte und Probleme geht. Vernetzung ist
lebenswichtig.
Wir dürfen keine Angst davor haben, auf der Basis des Evangeliums eine
klare theologisch pastorale Standortbestimmung zu riskieren.
Es sieht weltweit vielleicht gar nicht so schlecht aus. Trotz Spiritualisierung
sind die Propheten nicht ganz schlafen gegangen. - auch nicht in der Kirche
im deutschsprachigen Raum.
Wie müsste eine Befreiungskirche aussehen?
Ich formuliere sie ein wenig um, weil ich der moralischen Appelle an die Kirche
im allgemeinen überdrüssig bin.
Die Frage richtet sich an uns selbst. Was können wir, die wir uns dem
Evangelium als soziale befreiende Botschaft verpflichtet fühlen, für
die Menschen tun, besonders für die, die unter die Räder kommen.
Ich möchte euch dazu Mut machen, selbst aus einer Mystik der Befreiung
zu leben. „Wer befreit ist kann befreien“
Lebensfreude und Lebensnot, „Brot und Rosen“ gehören immer zusammen.
Ich mache noch einmal Mut zu einer klaren theologisch-pastoralen Standortbestimmung
im Namen des Evangeliums und der Soziallehre der Kirche, die auch unter diesem
Pontifikat weiter geschrieben werden müsste.
Glauben wir an unsere Aufgabe innerhalb der Pastoral der Diözese. Wir
haben keinen schlechten Stand.
Wer einen Standpunkt hat, ist dialogfähig. Stellen wir uns der Auseinandersetzung
mit allen, denen es innerhalb oder außerhalb der Kirche um Gerechtigkeit
und Friede, Bewahrung der Schöpfung – letztlich um den Menschen und seine
Würde geht.
Vernetzung ist manchmal etwas mühsam aber sie ist nicht unmöglich.
Es gilt Synergien zu ermöglichen. Pastoral ist nicht nur etwas für
die Kirchgänger. Verzichten wir auf innerkirchliche Grabenkämpfe.
Man muss immer wieder entscheiden, wo man sein Pulver verschießt und wo
nicht. Mit manchen Strömungen der Kirche ist leider ein Dialog kaum möglich.
Pastoraltheologe Franz Weber, Innsbruck
Ohne Ehrenamt geht es nicht
Gesellschaftliche Veränderungen und beruflicher Druck machen vor ehrenamtlicher
Tätigkeit nicht Halt. Aus Vereinen oder Rettungsorganisationen kann man
häufig die Klage hören, dass es schwieriger geworden sei, unter den
heutigen Bedingungen Freiwillige zu finden und dass die Bereitschaft zum sozialen
Engagement rapide im Abnehmen sei. Neben dem selbstlosen Dienen fragen immer
mehr Menschen nach dem Gewinn, den sie für sich persönlich daraus
ziehen können.
Das Prinzip „Sehen-Urteilen-Handeln“ ist für die Katholischen Aktion der
Diözese St. Pölten Auftrag, Christ-Sein im Alltag zu verwirklichen.
Rückgrat der Organisation, die Themen wie Armutsbekämpfung, Gleichberechtigung
oder Schutz des Lebens aufgreift, sind Ehrenamtliche...
„Man
erlebt immer wieder Schönes“, skizziert Helmut Knöbl seine ehrenamtliche
Tätigkeit. Der mittlerweile pensionierte Hochofenarbeiter der VOEST ist
seit vielen Jahren in der Katholischen ArbeitnehmerInnen-Bewegung von Langenhart
aktiv, darüber hinaus im Regionalteam vertreten und engagierter Mitarbeiter
des „Netzwerkes der Solidarität“ in St. Valentin, wo man sich bemüht,
Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren. „Unlängst
haben wir einen Taubstummen untergebracht sowie einen 100-prozentigen Invaliden“
zeigt sich Knöbl, der sich selbst nur als „kleines Rädchen“ sieht,
stolz auf das Erreichte. Nachbetreuung der Betroffenen sei natürlich notwendig
und Rückschläge gehörten dazu. „Das belebt“, so der Pensionist
schmunzelnd.
Weniger optimistisch ist der Ehrenamtliche, wenn es um die Suche nach neuen Freiwilligen geht: „Das ist wahnsinnig schwer. Jene, die bereits viel tun, bürden sich meist noch mehr auf.“ Jüngere seien beruflich oft ziemlich ausgelastet und am Wochenende stehe da die Familie natürlich im Vordergrund, zeigt Knöbl Verständnis. Dass Ehrenamt auch ein Gewinn sein kann, klingt an, wenn er auf Freundschaften und den Kameradschaftsgeist zu sprechen kommt: „Auch die gegenseitige Hilfe ist nicht zu unterschätzen.“ Und: „Von der Diözesanstelle erhalten wir volle Rückendeckung“, betont der Freiwillige die Unterstützung seitens der Hauptamtlichen.
Elfriede Haindl, hauptamtliche Diözesanassistentin der Katholischen Frauenbewegung kennt die Betreuung der Ehrenamtlichen aus eigener Praxis: „ Wir haben an die 300 Frauengruppen in der Diözese St. Pölten. Für unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen bieten wir Schulungen, vermitteln Referenten und gestalten eine eigene Mitgliederzeitung.“ Über Mitgliedermangel kann sich Haindl übrigens nicht beklagen: „Bei uns sind wirklich alle Altersgruppen vertreten. Vor allem junge Mütter stoßen gerne zu uns, weil in unseren Runden ein Erfahrungsaustausch möglich ist.“
Was sich Ehrenamtliche ihrer Meinung nach wünschen? „Anerkennung!“ Auch wenn dies meist nicht offen ausgesprochen werde, sei ein kleines Dankeschön wichtig.
Die Katholische Aktion der Diözese St. Pölten umfasst Kath. Frauenbewegung, Kath. Männerbewegung, Kath. ArbeitnehmerInnen-Bewegung, Kath. Akademikerverband, Vereinigung Christlicher Unternehmer, Netzwerk der Solidarität, Rainbows sowie die Kath. Jugend und die Jungschar. Bis zu 80% der Leistungen werden ehrenamtlich erbracht. Präsident der KA ist zurzeit der aus der ArbeitnehmerInnenbewegung kommende Roman Fröhlich.
„Rückschläge gehören
dazu“
Freiwillige der Katholischen Aktion lassen zu Beginn
des Arbeitsjahres aufhorchen
Gesellschaftliche Veränderungen und beruflicher Druck machen vor ehrenamtlicher
Tätigkeit nicht Halt. Aus Vereinen oder Rettungsorganisationen kann man
häufig die Klage hören, dass es schwieriger geworden sei, unter den
heutigen Bedingungen Freiwillige zu finden und dass die Bereitschaft zum sozialen
Engagement rapide im Abnehmen sei. Neben dem selbstlosen Dienen fragen immer
mehr Menschen nach dem Gewinn, den sie für sich persönlich daraus
ziehen können.
Das Prinzip „Sehen-Urteilen-Handeln“ ist für die Katholischen Aktion der
Diözese St. Pölten Auftrag, Christ-Sein im Alltag zu verwirklichen.
Rückgrat der Organisation, die Themen wie Armutsbekämpfung, Gleichberechtigung
oder Schutz des Lebens aufgreift, sind Ehrenamtliche...
„Man erlebt immer wieder Schönes“, skizziert Helmut Knöbl seine ehrenamtliche Tätigkeit. Der mittlerweile pensionierte Hochofenarbeiter der Voest ist seit vielen Jahren in der Katholischen ArbeitnehmerInnen-Bewegung von Langenhart aktiv, darüber hinaus im Regionalteam vertreten und engagierter Mitarbeiter des „Netzwerkes der Solidarität“ in St. Valentin, wo man sich bemüht, Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren. „Unlängst haben wir einen Taubstummen untergebracht sowie einen 100-prozentigen Invaliden“ zeigt sich Knöbl, der sich selbst nur als „kleines Rädchen“ sieht, stolz auf das Erreichte. Nachbetreuung der Betroffenen sei natürlich notwendig und Rückschläge gehörten dazu. „Das belebt“, so der Pensionist schmunzelnd.
Weniger optimistisch ist der Ehrenamtliche, wenn es um die Suche nach neuen Freiwilligen geht: „Das ist wahnsinnig schwer. Jene, die bereits viel tun, bürden sich meist noch mehr auf.“ Jüngere seien beruflich oft ziemlich ausgelastet und am Wochenende stehe da die Familie natürlich im Vordergrund, zeigt Knöbl Verständnis. Dass Ehrenamt auch ein Gewinn sein kann, klingt an, wenn er auf Freundschaften und den Kameradschaftsgeist zu sprechen kommt: „Auch die gegenseitige Hilfe ist nicht zu unterschätzen.“ Und: „Von der Diözesanstelle erhalten wir volle Rückendeckung“, betont der Freiwillige die Unterstützung seitens der Hauptamtlichen.
Elfriede Haindl, hauptamtliche Diözesanassistentin der Katholischen Frauenbewegung
kennt die Betreuung der Ehrenamtlichen aus eigener Praxis: „ Wir haben an die
300 Frauengruppen in der Diözese St. Pölten. Für unsere ehrenamtlichen
Mitarbeiterinnen bieten wir Schulungen, vermitteln Referenten und gestalten
eine eigene Mitgliederzeitung.“ Über Mitgliedermangel kann sich Haindl
übrigens nicht beklagen: „Bei uns sind wirklich alle Altersgruppen vertreten.
Vor allem junge Mütter stoßen gerne zu uns, weil in unseren Runden
ein Erfahrungsaustausch möglich ist.“
Die Palette der Schulungen erstreckt sich von Persönlichkeitsentwicklung
über gesellschaftliche Themen bis hin zur Glaubensvertiefung. „Unser Thema
in diesem Arbeitsjahr heißt „Gottesbilder – Menschenbilder.“ Was theoretisch
klingt, hat auch praktische Aspekte: „Unser jeweiliges Gottesbild beeinflusst
unbewusst die Beurteilung unserer Mitmenschen“, erläutert die Diözesanassistentin
das Motiv dieser Wahl.
Was sich Ehrenamtliche ihrer Meinung nach wünschen würden? „Anerkennung!“
Auch wenn dies meist nicht offen ausgesprochen werde, sei ein kleines Dankeschön
in Form einer Feier, z. B. im Rahmen des Erntedankfestes, wichtig. „Wir Hauptamtlichen
sehen es auch als unsere Aufgabe an, den Freiwillligen, das Gefühl zu geben,
dass sie wichtige Träger der Gesellschaft sind“, so Haindl abschließend.
Die Katholische Aktion der Diözese St. Pölten umfasst Kath. Frauenbewegung,
Kath. Männerbewegung, Kath. ArbeitnehmerInnen-Bewegung, Kath. Akademikerverband,
Vereinigung Christlicher Unternehmer, Netzwerk der Solidarität, Rainbows
sowie die Kath. Jugend und die Jungschar.
Bis zu 80% der Leistungen werden ehrenamtlich erbracht.
Präsident der KA ist zurzeit der aus der ArbeitnehmerInnenbewegung kommende
Roman Fröhlich.
Positionspapier der KAB
zur Frage der Ausweitung der Flexibilisierung
der täglichen Normalarbeitszeit
Mit dem Argument: „Moderne und flexible Arbeitszeiten sichern Arbeitsplätze
und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe“ wurde eine Ausweitung
der täglichen Arbeitszeit von derzeit 8 Stunden auf 10 Stunden gefordert.
Wobei eine tägliche Höchstarbeitszeit von
12 Stunden und die Ausdehnung auf wöchentlich 60 Stunden, bei einem Durchrechnungszeitraum
von 2 Jahren gesetzlich erlaubt werden soll.
Uns ist klar, dass für Teile der Wirtschaft die Wünsche zu noch mehr
Flexibilisierung in erster Linie markt-, kosten- und gewinnorientiert sind.
Dass durch die Flexibilisierung neue (Voll) Arbeitsplätze geschaffen werden,
ist nur Vermutung und durch nichts belegt.
Wir wollen klarstellen, dass "Flexibilisierung" im vernünftigen
Rahmen notwendig und vernünftig ist.
Die entscheidende Frage ist für uns, wer profitiert von einer Flexibilisierung
der Arbeitszeit?
Daher muss das Zauberwort Flexibilisierung hinterfragt werden und eine Erweiterung
der täglichen Normalarbeitszeit über den bestehenden gesetzlichen
Rahmen erst recht.
Zweifellos können die Betriebe dadurch Kosten senken. Wer verantwortet
die dadurch steigende Gesundheitsgefährdung und das erhöhte Unfallrisiko?
Wer übernimmt das dadurch entstehende erhöhte Kostenaufkommen bei
Kranken- und Unfallversicherung?
Die Gestaltung der Arbeitszeit hat auf das familiäre Leben großen
Einfluss. Ebenso sind ehrenamtlichen Tätigkeiten in Vereinen und Kultureinrichtungen
in kirchlichen und karitativen Einrichtungen betroffen. Dies führt zu einer
Verringerung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes und das ist sicher nicht
erstrebenswert.
Wir teilen die Meinung des ÖGB und der AK, dass das österreichische
Arbeitszeitgesetz ein gutes ist und bereits jetzt genügend Spielraum für
die Flexibilisierung der Arbeitszeit bietet. Es werden die im Gesetz vorgesehenen
Möglichkeiten derzeit nur wenig ausgenützt, also wozu und für
wen eine Erweiterung der derzeitigen Möglichkeiten?
Wir meinen daher:
Die derzeit bestehenden gesetzlichen Regelungen sind mehr als ausreichend. Eine
weitere Ausdehnung ist wirtschaftlich kaum sinnvoll und sozial äußerst
bedenklich.
Es ist zu befürworten, dass die Konkretisierung, wie im Gesetz vorgesehen,
einvernehmlich im Betrieb unter Mitwirkung des Betriebsrates erfolgen
muss. Allerdings ist darauf zu verweisen, dass in Betrieben ohne Betriebsrat
Arbeitnehmer kaum Einfluss auf die Regelung der Normalarbeitszeit nehmen können.
Eine Ausweitung der täglichen Arbeitszeit über die bestehende Obergrenze
von 10 Stunden erscheint aus gesundheitlichen Gründen
und wegen des steigenden Arbeitsunfallrisikos als nicht vertretbar.
Die Gestaltung der wöchentlichen Normalarbeitszeit hat auf das
familiäre und gesellschaftliche Leben der Arbeitnehmer Rücksicht
zu nehmen,
Die Wochenendruhe, insbesondere der freie Sonntag, darf der Flexibilisierung
auf keinen Fall zum Opfer fallen.
Unbedingt erforderliche Nacht- sowie Sonn- und Feiertagsstunden stellen
eine besondere Erschwernis dar und sind daher weiterhin mit 100% Zuschlag
finanziell abzugelten.
Der Diözesanvorstand der KAB der Diözese St. Pölten (November
2005)
"Gibt
es arme Österreicher?"
Stellungnahme von Roman Fröhlich
Kaplan Franz Sieder
- Rede bei der Demonstration gegen Krieg und Neoliberalismus
zum Thema EU-Verfassung am 19. März 2005 auf dem Wiener
Stephansplatz
Steuern gezielter gestalten und gerechter aufteilen!
Die leidige Sache mit dem Geld
Gesetzlosigkeit für Dienstleistungsunternehmen
Globalisierung
Zusammenfassung eines Vortrages von Christian Felber in der Schuhwerkstatt Schrems
am 22. April 2004
Pensionsrecht
Aussagen der KAB St. Pölten
zur aktuellen Diskussion
"Wieviel Arbeit
braucht der Mensch"
Arbeit als ein notwendiges Mittel
zur Menschwerdung?
"Ist uns ein lebensfähiger
Bauernstand etwas wert?"
Steuergerechtigkeit - Bericht von Franz Sieder
Visionen und Aktionen im politischen Alltag (IKAT 2004)
KAB - mobilisiert gegen den drohenden Irak-Krieg
Konsumenten
und Wirtschaft für eine lebensfähige Landwirtschaft
Produzenten und Konsumenten an einem Tisch
Pressemitteilung
1. EU Regionalkongress der KAB
Solidarität
über Grenzen oder grenzenlose Solidarität?!
Schulterschluss
für eine gesunde Landwirtschaft
-Bauern, Konsumenten und Handel an einem Tisch
KAB für die Absicherung der gesetztlichen Krankenversicherung
Zählt in unserer Gesellschaft nur noch die messbare Leistung??
GESPRÄCH mit Dr. Werner Fasslabend
Sommerakademie Gaming 2002 "Gute Arbeit"
Volksbegehren
"Sozialstaat Österreich"
- mit den Augen des Glaubens gesehen
Erweiterung
der Europäischen Union
Stellungnahme der KAB