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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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Grandiosität im Glauben

In einer Diskussion über Mann-Glaube-Kirche meinte ein Pfarrer zum stärkeren Engagement der Frauen in Glaubenssachen: „Die Männer können einfach nicht so gut ihre Gefühle ausdrücken.“

- Markus Hofer-

D amit trifft er einen allgemeinen Tenor unserer Zeit, der Männern generell einen verkümmerten Umgang mit Gefühlen, ja oft sogar Gefühlskälte attestiert. Diese These wird auch von männlichen Autoren wie Wilfried Wieck („Männer lassen lieben“) vorgebracht, die sich am weiblichen Muster orientieren und Männer damit schnell als Mangelwesen erscheinen lassen. Wenn Glaubensleben mit dem Ausmaß von Gefühlsausdrücken gleichgesetzt wird, haben wir Männer nie eine Chance. Da werden uns die Frauen in solchen Glaubensdingen immer überlegen sein. Unser Glaube wird daneben immer karg, einsilbig, stumm und mickrig wirken. Stimmt aber die Formel: Glaube ist Gefühle ausdrücken? In dem faszinierenden Buch „Männer Mächte Mythen” stellt der Schweizer Psychotherapeut und Männerforscher Allan Guggenbühl Psychologie und Mythologie einander gegenüber. Seine These ist, daß Psychologie eher den Frauen, Mythologie eher den Männern entspreche. Dem gängigen Muster setzt Guggenbühl die grundsätzliche Andersartigkeit der Männer entgegen, eine Perspektive, die auch für die Sicht des Glaubenslebens der Männer Konsequenzen hat. Nur aus Sicht der Psychologie ist der Mann ein Seelenkrüppel, weil eine Psychologie, die ihre Akzente auf Beziehungen, Gefühle und das Persönliche setzt, den Mann nur unvollständig erfassen kann. Für Männer brauche es eine andere Seelenbrille. Schon hier drängt sich die Frage auf, ob die Praxis heutiger Pastoral und Liturgie nicht in ähnlicher Form, den innerlichen, psychologischen Zugang zur Religiosität so stark in den Vordergrund stellt, daß die Männer wohl oder übel auf der Strecke bleiben. Zumindest muß diese Frage gestellt werden dürfen. Die den Männern angemessene Seelensprache findet Guggenbühl in den Mythen: „Wir können den Menschen aus seiner Psychologie heraus verstehen, von einer Innenschau auf das Umfeld und Verhalten schließen, oder aber das Außen ins Visier nehmen, die Mythen betrachten, zu denen der Mensch sich hingezogen fühlt.

Mythologische Schauplätze

Die Seele äußert sich sowohl im psychischen, persönlichen Raum als auch über mythologische Schauplätze. Männer wollen sich am mythischen Wesen realisieren, Frauen orientieren sich am Psychischen.“ Mythen sind für ihn nicht Göttergeschichten oder Irrglauben. Vielmehr sind es numinose, archaische Erklärungsgeschichten, an denen Menschen sich orientieren können, an denen sie teilhaben können und die ihnen damit auch das Gefühl von Sinn vermitteln. Mythen kommen nicht von innen, sondern von außen. Sie ziehen und lenken, sie geben eine Richtung und helfen uns, unser Leben zu verstehen und zu bewältigen. In diesem Sinn sind Mythen mächtige seelische Wirklichkeiten. Guggenbühl beschäftigt sich nicht vorrangig mit Religion im engeren Sinn, kommt aber an einer Stelle sehr klar darauf zu sprechen. Diese Passage ist ein wichtiger Schlüssel zum Thema männlicher Spiritualität: „Mythische Kernereignisse konzentrierten sich früher auf Erlebnisse in Kirchen oder im Zusammenhang mit der Religion. In einer Kirche, einem Gottesdienst oder beim Studium der Bibel offenbarte sich unter Umständen die Kraft der christlichen Mythen. Eine äußere, transzendente Macht ergriff die Gläubigen und ließ sie die Welt anders sehen. Sie wurden während einer Liturgie, durch die Predigt, die Heiligenbilder oder christliche Symbole angesprochen und spürten eine Kraft im Kirchenraum. Sie partizipierten an einem mythischen Temenos. Die Menschen wurden dadurch in der Tiefe ihrer Seele berührt, auch ohne persönlichen Bezug. Natürlich kann ich mich an Kirche und Religion auch aus persönlichen Motiven wenden. Es sind dann weniger die Mythen, die ich suche, sondern Trost und Besinnung. Die Kirche wird dann zu einem Gefäß der persönlichen Religiosität. Sie wird zu einer Domäne der Psychologie umfunktioniert oder zu einem Projektionsträger für psychologischen Anliegen. Ihre mythische Ausstrahlung hat sie dabei für den Betreffenden verloren.“ Vielleicht gilt es wirklich, die Kraft der christlichen Mythen für Männer neu zu entdecken, statt sie in das Korsett pastoraler Psychologie zu zwingen. Diese Mythen verleihen den Männern auch das Gefühl der Großartigkeit, was sie wiederum dazu bringt, ihre Kraft und Energie für andere einzubringen. Guggenbühl spricht sogar von der “Grandiosität des Mannes”, was vielleicht suspekt klingen kann angesichts vieler krankhafter Beispiele dafür. Doch diese männliche Grandiosität ist nicht eine Eigenschaft des Mannes selbst, sondern “der Mann wird grandios durch den Mythos, der sich seiner als Werkzeug bedient”.

Männergerechte Pastoral

Es ist nicht mehr das Persönliche, das motiviert, sondern die Aufgabe und die Herausforderung, an die man glaubt. Hätte da unser Glaube nicht alles, was der Mann braucht? Wahrscheinlich werden wir für Männer manches neu aufbereiten müssen. Es muß in Zukunft auch in der Pastoral die Frage erlaubt sein, ob sie männergerecht sei. Heute fehlen die männlichen Vorbilder und da gäbe es gerade in der Bibel vieles für Männer neu zu entdecken. Die biblischen Männerfiguren sind keine Frömmler, sondern viel eher Heilige mit Dreck am Stecken. Die Geschichten zeigen, wie Gott auf krummen Männerzeilen gerade schreibt. Es sind Männer wie heute, mit allen Arten und Unarten, mit Fehlern und Stärken und gleichzeitig grandiose Männer, weil sie für eine Sache kämpfen, die über sie selbst hinaus geht. Sie können Männern heute noch Orientierung und männliche Solidarität vermitteln. Wir brauchen Männer, die von leidenschaftlichen Überzeugungen getragen sind, von Einstellungen, die das Leben prägen und Ziele vorgeben können. Darum brauchen wir Männer, die glauben, daß hinter ihnen noch einmal ein größerer Vater steht, der sie liebt. Dieser Glaube kann Männer entlasten, sie befreien und ihnen die Kraft für ihre Aufgaben geben. Der Glaube an einen noch Größeren kann sie vor männlichem Größenwahn bewahren und zu wahrer Größe führen. Erlöste Männer können viel zur Erlösung der Welt beitragen.

 
 


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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr