Männer unter Druck
"Ich gehe zu meinem Computer, der versteht mich wenigstens”.
So endet oft eine häusliche Auseinandersetzung. „Für Männer hat
ihr Beruf oft einen höheren Stellenwert als die Familie".
- Hans Pflügl-
Für viele Frauen sei die enge Bindung des Mannes an seinen Beruf
oft ein schweres Problem, berichtet Sejkora aus seiner psychotherapeutischen
Praxis. Ohne Arbeit fühlen sich Männer „wertlos” und ausgegrenzt.
Das Familienleben wird zweitrangig gesehen. Die Gründe dafür liegen
in der geschichtlich-soziologischen Entwicklung sowie in der eigenen
psychischen Entwicklungsgeschichte begründet. Knaben werden von
Kindheit an auf Erfolg und Leistung getrimmt und ihnen dafür Lob,
Zuwendung und Liebe entgegengebracht. Diese Erfahrungen werden laut
Sejkora später auf das Berufsleben übertragen. Entgegengebrachte
Liebe, die nicht an eine Leistung geknüpft ist, sei daher für viele
Männer „unvorstellbar”. Auch das traditionelle Rollenbild des Mannes
gilt in der gegenwärtigen Gesellschaft nicht mehr. Die Aufforderungen,
„zu den alten Werten” zurückzukehren, sei keine Lösung. Männer und
Frauen müssen heute lernen, sich in neuen Rollen zurechtzufinden,
sagte Sejkora. Die Männer müssen lernen, die Verknüpfung von Liebe
und Leistung zu trennen. Es sei nicht Aufgabe des beruflichen Umfeldes,
Liebe zu geben. Es sei aber auch nicht Aufgabe des Partners, Leistung
zu belohnen, so Sejkora. Vielmehr gelte in der Partnerschaft die
Liebe um der Person willen. „Liebe betrifft die Person, Anerkennung
die Funktion”. Männer müssen sich im Beruf bewähren, aber nicht,
um geliebt zu werden. Berufliche Probleme müssen im Beruf gelöst
werden und private Probleme zuhause.
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