Eine Anregung um „am Leben zu bleiben“
- Peter Glas -
Vor drei Jahren wanderte ich mit Freunden eine Woche durch die
Wüste Sinai. Am letzten Tag kamen wir zur Ruine eines Schlosses
in der Nähe des Katharinenklosters. Abas I., ein Vizekönig von Ägypten,
hatte Anfang des vorigen Jahrhunderts den Bau in Auftrag gegeben.
Dieses Schloß wurde jedoch nie fertiggestellt. -Warum? - Der Vizekönig
litt an einer schweren Krankheit. Sein Arzt gab ihm den Rat, er
solle eine Zeit lang in der Wüste leben. Das Klima dort würde ihm
gut tun und könnte seine Krankheit heilen. Abas war einverstanden.
Aber bevor er in die Wüste gehen würde, sollte dort eine seiner
königlichen Stellung gebührende Wohnstätte für ihn geschaffen werden.
So wurde mit dem Bau eines Schlosses begonnen - ein langwieriges
und aufwendiges Unternehmen. Jahre vergingen und der Gesundheitszustand
des Vizekönigs verschlechterte sich. Noch bevor das Schloß fertig
war, starb der Vizekönig. Ganz fixiert auf Äußerlichkeiten (den
Bau des Schlosses) hatte er das Wesentliche (seine Gesundheit, sein
Leben) aus dem Blick verloren. Auch wir sind immer wieder in Gefahr,
uns von Äußerlichkeiten und Nebensächlichkeiten beeindrucken zu
lassen. Das kann uns lähmen oder aufreiben. Eine Frage an uns selbst
und an andere, die uns womöglich mit Äußerlichkeiten begegnen, kann
helfen: Worum geht es dir eigentlich? - Geht es dir um Wesentliches,
um das Leben; oder sind es in Wirklichkeit unwesentliche Dinge;
ist es womöglich Wichtigtuerei ...?“ - Wir dürfen unterscheiden,
eine Auswahl treffen: uns dem Wesentlichen zuwenden und das Unwesentliche
lassen ... So können wir Freiräume schaffen, Freiräume zum „Atmen“
und zum Leben. Es wird gut sein, wenn wir immer wieder auch Gott
darum bitten, daß er uns bei dieser Unterscheidung hilft, damit
wir „am Leben bleiben“. Es ist im Sinne Jesu, der gekommen ist,
damit wir das Leben haben und es in Fülle haben (vgl. Joh 10,10).
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