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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    Jan/Feb 1999 

Eine Anregung um „am Leben zu bleiben“

 

- Peter Glas -

Vor drei Jahren wanderte ich mit Freunden eine Woche durch die Wüste Sinai. Am letzten Tag kamen wir zur Ruine eines Schlosses in der Nähe des Katharinenklosters. Abas I., ein Vizekönig von Ägypten, hatte Anfang des vorigen Jahrhunderts den Bau in Auftrag gegeben. Dieses Schloß wurde jedoch nie fertiggestellt. -Warum? - Der Vizekönig litt an einer schweren Krankheit. Sein Arzt gab ihm den Rat, er solle eine Zeit lang in der Wüste leben. Das Klima dort würde ihm gut tun und könnte seine Krankheit heilen. Abas war einverstanden. Aber bevor er in die Wüste gehen würde, sollte dort eine seiner königlichen Stellung gebührende Wohnstätte für ihn geschaffen werden. So wurde mit dem Bau eines Schlosses begonnen - ein langwieriges und aufwendiges Unternehmen. Jahre vergingen und der Gesundheitszustand des Vizekönigs verschlechterte sich. Noch bevor das Schloß fertig war, starb der Vizekönig. Ganz fixiert auf Äußerlichkeiten (den Bau des Schlosses) hatte er das Wesentliche (seine Gesundheit, sein Leben) aus dem Blick verloren. Auch wir sind immer wieder in Gefahr, uns von Äußerlichkeiten und Nebensächlichkeiten beeindrucken zu lassen. Das kann uns lähmen oder aufreiben. Eine Frage an uns selbst und an andere, die uns womöglich mit Äußerlichkeiten begegnen, kann helfen: Worum geht es dir eigentlich? - Geht es dir um Wesentliches, um das Leben; oder sind es in Wirklichkeit unwesentliche Dinge; ist es womöglich Wichtigtuerei ...?“ - Wir dürfen unterscheiden, eine Auswahl treffen: uns dem Wesentlichen zuwenden und das Unwesentliche lassen ... So können wir Freiräume schaffen, Freiräume zum „Atmen“ und zum Leben. Es wird gut sein, wenn wir immer wieder auch Gott darum bitten, daß er uns bei dieser Unterscheidung hilft, damit wir „am Leben bleiben“. Es ist im Sinne Jesu, der gekommen ist, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben (vgl. Joh 10,10).

 
 


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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr