Mut machen zum Kind
Wenn man Jugendliche heute danach fragt, welche Lebensform sie
sich für später wünschen, antworten fast alle: eine Familie mit
Kindern. Aber kaum sind sie im Beruf, fangen die Schwierigkeiten
an.
- Dr. Gertraude Steindl -
Immer weniger Frauen und Männer trauen sich noch Nachwuchs zu.
Die Zahl der Kinder, die geboren werden, sinkt ständig. In unseren
Beratungsstellen für Schwangere in Not müssen wir andererseits eine
steigende Anzahl von Frauen und Paaren feststellen, für die die
Ankunft eines Kindes eine schier unüberwindliche Barriere darstellt.
Sie fühlen sich unter Druck von vielen Seiten. Das ist traurig,
aber wahr. Das gesellschaftliche Klima für das Leben mit Kindern
wird immer rauher. In den letzten Jahren wurden die sozialen Maßnahmen
für Frauen mit Kindern eingeschränkt, für die Alleinerziehenden
sogar noch mehr. Z.B. ein Karenzgeld für alle, das nicht an die
Berufs-tätigkeit der Fauen geknüpft ist, sondern an die Tatsache,
daß ein Kind geboren wird, wäre eine große Hilfe. Das Geld ist da.
Aber wird der politische Wille dazu reichen? Anstatt jetzt endlich
ein kräftiges Signal zu geben, daß die Situation für Eltern mit
Kindern besser wird, winkt man unter Berufung auf die Fristenregelung
mit der Abtreibungspille. Das kann es doch nicht sein! Als vor 25
Jahren die - nach wie vor verbotene - Abtreibung innerhalb einer
bestimmten Frist straffrei gestellt wurde, argumentieren sozialistische
Politiker, daß Frauen aus dem „Dunkel der Illegalität in die Helle
der Beratungszimmer“ geführt werden sollten. Gleichzeitig wurden
Begleitmaßnahmen versprochen, die Frauen und Männern die Entscheidung
für ein Kind erleichtern sollten. Bis heute wurden diese Versprechungen
nicht erfüllt. Beratungsstellen für Schwangere in Konfliktsituationen,
die in der Lage sind, von den Frauen Druck wegzunehmen und sie zu
unterstützen, können nicht länger nur privaten Initiativen und kirchlichen
Einrichtungen überlassen bleiben. Hier ist auch der Staat gefordert,
ein flächendeckendes Netz zur Verfügung zu stellen und für die Inanspruchnahme
der Stellen zu werben. Wir wollen die strafrechtlichen Bestimmungen
für Abtreibungen nicht verschärfen. Das heißt, jedoch nicht, daß
wir dieses Gesetz gutheißen. Es hat gravierende Mängel. Daß z.B.
der Arzt, der den Schwangerschaftsabbruch durchführt, auch der „Berater“
ist und daran verdient, ist unerträglich. Es fehlt auch eine anonyme
Statistik mit einer Erhebung der Motive. Sie würde Aufschluß geben,
welche Maßnahmen notwendig wären. Das Ziel, Abtreibungen zu vermeiden,
und Frauen und Männer zu ermutigen, das empfangene Kind auch in
Liebe anzunehmen, ist ein gesellschaftspolitischer Auftrag, der
an jeden einzelnen ergeht, an die Politiker/Innen, aber auch an
Sie und an mich.
Beratung, Information und Hilfe im Schwangerschaftskonfliktfall
bieten:
Beratungszentrum „Rat und Hilfe“ Heitzlergasse 2, 3100 St. Pölten,
Tel.: 02742/353510.
Aktion Leben „Mutter-Kind-Heim“ Mühlweg 26, 3100 St. Pölten, Tel.:
02742/ 363286.
(Die Leiterin Frau Maria Merheim steht für pfarrliche Informationsveranstaltungen
gerne zur Verfügung) Unter diesen Nummern erfahren sie auch ihre
nächstgelegene Beratungsstelle.
In der Diskussion um Abtreibung und um die Abtreibungspille
„Mifegyne” wird die Verantwortung für das werdende Leben meist der
Frau zugeschoben. Kinder - ob geboren oder ungeboren - sind auch
Männersache. Männer fühlen sich oft durch ungeplante Schwangerschaften
ihrer Partnerin genauso unter Druck. Der Arbeitskreis „Mann sein“
der KMB und des KBW fordert: Männer dürfen sich nicht aus der Verantwortung
für das werdende Leben stehlen. Der auf ihnen lastende Druck, in
der sie eine ungeplante Schwangerschaft ihrer Partnerin bringen
kann, ist ebenso ernst zu nehmen. Notwendig sind daher entsprechende
Beratungsangebote für Männer um sich verantwortungsbewußt in die
Entscheidung einzubringen. Eine Entscheidung ohne Väter soll es
nicht geben.
Mag. Robert Krendl, Arbeitskreisleiter
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