Ostern im Kloster
Johann Pfeffer aus Obergrafendorf verbrachte im Vorjahr die Tage
von Gründonnerstag bis Ostersonntag mit weiteren 20 Männern aus
ganz Österreich im Kloster in Seitenstetten. In dieser Gemeinschaft
erlebte er neu die Vorbereitung auf Ostern, dem wichtigsten Ereignis
unseres Glaubens. Der „rufer“ führte mit ihm folgendes Gespräch.
Rufer: Herr Pfeffer, Sie haben im Vorjahr Ostern im Kloster
Seitenstetten verbracht, was hat Sie dazu bewegt?
Hr. Pfeffer: Ich habe in der Zeitung davon gelesen. Ich habe dann
im Stift bei Pater Petrus angerufen und schon war es fix. Sich besinnen
ist für mich wichtig. Ich brauche Zeit für mich, um über mein Leben
nachzudenken.
Rufer: Was haben Ihre Familie und Ihre Freunde dazu gesagt?
Hr. Pfeffer: Ich bin ein regelmäßiger Besucher der Exerzitien in
Göttweig, daher war es für sie nichts Neues. Ich habe schon einmal
einen Freund nach Göttweig mitgenommen.
Rufer: Wie haben Sie diese Tage erlebt?
Hr. Pfeffer: Es war für mich sehr beeindruckend. Es begann am Gründonnerstag
um ca 17 Uhr. Abt Berthold hat uns begrüßt und zum Abendessen geladen.
Beim Essen wird aus der Bibel, aus den Büchern des Hl. Benedikt
oder aus anderer Literatur vorgelesen. Nach dem Abendessen versammelten
wir uns zur Ölbergmediation. Am Karfreitag früh feierten wir in
der Stiftskirche eine „Trauermette“. Anschließend meditierten wir
die Passionsgeschichte. Als Abendmeditation hörten wir das Oratorium
von Händel „Der Messias“. Diese Musik bewußt genießen, war für mich
eine besondere Feier. Auch der Karsamstag begann mit einer Trauermette.
Nach dem Frühstück haben wir versucht, uns in Bewegung und Tanz
dem österlichen Geheimnis zu nähern, wobei uns Pater Johannes begleitete.
Das war etwas ungewöhnlich, aber es haben alle mitgemacht, auch
die Mönche und der Abt. Natürlich war auch Beichtgelegenheit und
die Möglichkeit zur Aussprache. Den Abschluß des Karsamstags bildete
eine Osterprozession und die Osteragape. Am Ostersonntag machten
wir um 6 Uhr bereits einen Osterspaziergang mit Pater Johannes.
Das Pontifikalamt in der Stiftskirche durften wir im Chorgestühl
mitfeiern. In diesen Tagen waren wir wirklich in das klösterliche
Leben mit eingebunden. Wir wohnten im Konvikt und beteten gemeinsam
mit den Brüdern das Chorgebet. Es war für mich ein unvergessliches
Erlebnis.
Rufer: Sie klingen sehr begeistert.
Hr. Pfeffer: Ich kann solche Tage der Ruhe und Besinnung nur weiterempfehlen.
Diese Zeit sollte sich jeder Mann einmal gönnen.
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