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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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Glauben Männer anders?



 
    März 1999 

Mir geht es gut ...

Gedanken zur Familie 2000
 

Meine Frau ist zu jeder Tages- und Nachtzeit für die Kinder da. Sie putzt, wäscht, bügelt, kauft ein, kocht, räumt weg - Tag für Tag. Sie ist im Karenzurlaub, ich gehe arbeiten und bin den ganzen Tag nicht daheim. Komme ich am Abend nach Hause, bin ich müde von der Arbeit und von der Wegstrecke. Ich habe mir mit einem arbeitsreichen Tag einen geruhsamen Abend verdient. Ich lasse mich bedienen und faulenze vor dem Fernseher. Mir geht es gut. Wird ein Kind krank - geht meine Frau zu den Ärzten. Schreit ein Kind in der Nacht - steht meine Frau auf und beruhigt es. Wird ein Haushaltsgerät kaputt - sorgt meine Frau für die Reparatur. Steht ein Kinderfest an - organisiert meine Frau dazu alles. Gibt es Schulprobleme - löst sie meine Frau. Will ein Kind einen Freund in einer anderen Ortschaft besuchen - fährt meine Frau. Braucht ein Kind Bastelmaterial - besorgt dieses meine Frau. Mir geht es gut. Ich sitze am Abend vor dem Fernseher, die Kinder tollen umher - meine Frau sorgt für Ruhe. Mir geht es aber nicht wirklich gut, weil ich weiß, daß meine Frau schon seit den frühen Morgenstunden hart arbeitet und sich etwas Unterstützung verdient. Nun sind das ja auch meine Kinder - ich möchte die Kinder auch in meinem Sinne erziehen. Ich stehe auf und spiele mit den Kindern. Plötzlich merke ich, wie die Kinder sehnsüchtig darauf gewartet haben. Von Tag zu Tag beschäftige ich mich mehr mit ihren Anliegen und der Zugang wird allmählich besser. Ich verstehe ihre Probleme besser, ich kann besser mit ihnen plaudern, spielen und herumtollen. So mitgenommen bin ich doch noch nicht von meiner Arbeit. Nach dem Abendessen herrscht Chaos - die Kinder gehen Zähne putzen und sollten schön langsam ins Bett kommen. Die Reste des Essens und das benutzte Geschirr steht am Tisch. Soll ich mich in dieser Situation vor den Fernseher begeben und faulenzen? - Nein, soviel ist mir meine Familie wert - ich räume den Tisch ab und versorge das schmutzige Geschirr. Spät am Abend, die Kinder schlafen schon, räumt meine Frau die Waschmaschine aus und beginnt die feuchte Wäsche aufzuhängen - zur Zeit ist sie seit dem Erwachen schon 15 Stunden pausenlos beschäftigt. Mir geht es nicht gut. Ich lebe mit meiner Frau zusammen, weil wir uns sehr gut verstehen und uns gegenseitige Achtung entgegenbringen. Es ist auch meine Wäsche dabei, und es wäre eine tiefe Mißachtung all dessen, was sie heute schon geleistet hat, würde ich sie nun allein weiterarbeiten lassen. Ich helfe ihr, und im Nu ist die Arbeit getan. Schreit ein Kind in der Nacht, kann ich genau so gut aufstehen wie meine Frau und es beruhigen. Darauf bin ich stolz, daß meine Kinder mich genauso gern haben wie ihre Mutter. In diesen Momenten geht es mir wirklich gut - da weiß ich, daß ich etwas erreicht habe - die Zuneigung der ganzen Familie. Mein Lernprozeß geht unaufhaltsam weiter - ich kann nun schon Mülltrennen ohne Aufsicht. Ich darf allein Einkaufen gehen und mir ab und zu eine kleine Belohnung mitnehmen. Beim Arzt bin ich mit den Kindern gern, bei Schulproblemen kann ich nun auch schon helfen. Jetzt weiß ich, was gut gehen heißt - ohne Gewissensbisse, ohne Wegsehen - mitzuhelfen im gemeinsam Haushalt. Das Vertrauen in mich wächst ins uferlose, wenn ich fallweise ganz allein mit den Kindern zu Hause bin und meine Frau einige Stunden Entspannung von der Familie sucht. Wird meine Frau zukünftig wieder berufstätig, steht einem gemeinsamen Führen des Haushaltes - jeder nach seinen Fähigkeiten - nichts mehr im Weg. Das ist Zusammenleben der 90er-Jahre - gegenseitige Achtung, Rücksicht auf individuelle Wünsche, so kann Familie auch im nächsten Jahrtausend funktionieren.

Entnommen aus „Neulengbach aktuell“ von Gerhard Prochazka

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit ich mich mehr mit den Kindern beschäftige, verstehe ich ihre Probleme besser

 

 
 
 
 
 
 
„Schreit ein Kind in der Nacht, kann ich genauso gut aufstehen wie meine Frau und es beruhigen“


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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr