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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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Glauben Männer anders?



 
    März 1998 

Bauerntag in Seitenstetten

Im repräsentativen Rahmen des Maturasaales von Stift Seitenstetten, trafen sich auch heuer wieder die Bäuerinnen und Bauern aus dem Mostviertel, um unter dem Generalthema „Gebet und Arbeit“, ihren religiösen und wirtschaftlichen Gegebenheiten und Sorgen nachzuspüren. - Hubert Müller -

Bischofsvikar Kan. Wilfried Kreuth behandelte das Thema aus theologischer Sicht und von den praktischen Auswirkungen der gesellschaftlichen und kirchlichen Entwicklungen unserer Zeit.
Er wies auf das seit dem 2. Vatikanum veränderte Kirchen- und Gottesbild hin, das weniger den strafenden, als vielmehr den gütigen, liebenden und barmherzigen Gott in den Vordergrund stellt.
Aus dieser Sichtweise ist es heute nicht mehr möglich, mit Verboten und Geboten die Menschen zu einem religiös geprägten Leben anzuhalten, als viel mehr aus dem gelebten Beispiel und Vorbild heraus, das Bedürfnis nach religiöser Betätigung und Beheimatung zu wecken, z.B. für junge Menschen die Mitfeier der Sonntagsmesse und das Erleben des Wertes der Sonntagsruhe.
Das Gebet hat in erster Linie die Feier des Sonntags als Tag der Arbeitsruhe, der Gemeinschaft und der Auferstehung zu prägen, wobei die sonntägliche Eucharistiefeier die Mitte dieses Feiertages darstellt.
Unser Beten ist aber auch Antwort auf das, was Gott uns immer schon gegeben hat, es muß daher zunächst einmal Anbetung bzw. Lobgebet sein und erst in weiterer Hinsicht auch Bitt- und Dankgebet.
Beten heißt auch Zeit nehmen für Gott, was durch feste Gebetszeiten erleichtert wird, durch Morgen- oder Abendgebet, durch das Tischgebet, durch die vom gemeinsamen Gebet geprägten Zeiten im Kirchenjahr mit ihren verschiedenen Andachtsformen, wie Herbergsuche im Advent, Kreuzwegandachten in der Fastenzeit und Maiandachten, die Feier der Bittage und vieles mehr!
Arbeit darf man nicht als vom Gebet abgehobene getrennte Tätigkeit sehen, sondern als gegenseitige Ergänzung.
So liegt der Sinn der Arbeit nicht nur in der Beschaffung des Lebensunterhaltes, den wir ja auch in der Vater Unser Bitte: „Gib uns das tägliche Brot“ erbitten, sondern sie ist auch Teilnahme am Schöpfungswerk Gottes, ein Mitwirken an der Vollendung der Welt, eine Möglichkeit der Begegnung mit Jesus, dem Arbeiter und des Zuganges zu Gott, wenn man etwa die vielfältigen Gleichnisse in der Bibel aus der Arbeitswelt zu Jesu Zeiten betrachtet.
Der Nachmittag war der Thematik der wirtschaftlichen Entwicklungen unserer Zeit gewidmet. Der Generaldirektor der oberösterr. Raiffeisenlandesbank Dr. Ludwig Scharinger ging zunächst auf den Untertitel seines Themas ein und stellte fest, daß man durchaus nicht so sicher sagen könne, ob in den wirtschaftlichen Entwicklungen wirklich die Großen alle Kleinen schlucken, aber mit Sicherheit ist festzustellen, daß in der sich rasch verändernden Wirtschaftswelt die Schnellen gegenüber den Langsamen, die Mutigen gegenüber den Ängstlichen und die Veränderungsbereiten gegenüber den „Bewahrern“, sich durchsetzen werden. Allerdings ist es wichtig, daß die jeweils ersteren sehr profunde Wertvorstellungen haben müssen, wenn der Mensch und nicht das Gebet im Zentrum des wirtschaftlichen Geschehens stehen soll.
Die in den letzten 10 Jahren stark gestiegenen Freiheiten der Menschen und der Wirtschaft in Europa, erfordert eine klare Orientierung an Werten und den absoluten Willen zur Solidarität und Subsidiarität.
Dr. Scharinger wies darauf hin, wie sehr auch im agrarischen Bereich und in den zwischenmenschlichen Beziehungen der Bauern, diese Werte gelebt werden müssen!
Die Bewältigung der agrarischen Probleme die auf uns zukommen, sieht Scharinger im Aufbau starker Marken bei der Verwertung landwirtschaftlicher Rohprodukte, mit denen man dann in die Verkaufsregale in- und ausländischer Handelsketten kommen kann, weiters in der Verfolgung der notwendigen Billigschiene bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen, weil lt. Erhebungen über das Einkaufsverhalten der Konsumenten 72 % nach der Billigware greifen und leider nur 28 % auf die teurere Marken- und Bioware.
Die dritte Komponente der Direktvermarktung bäuerlicher Produkte dürfte für kaum mehr als 15 % der landwirtschaftlichen Betriebe eine sinnvolle Alternative darstellen, einerseits vom Einkaufsverhalten der Konsumenten her, andererseits auch von der oft unzumutbaren Belastung für bäuerlichen Familien, insbesondere der Frau.
Eine klare Absage gab der Referent der oft spürbaren Resignation und dem Jammern über gegebene Zustände, da damit überhaupt nichts verbessert oder gelöst wird. Es sei vielmehr wichtig sich den nächstliegenden Aufgaben zu stellen, mehr Mut machen statt mies machen und mit Hirn, Herz und Hand an die Dinge herangehen die zu bewältigen sind. Das heißt mit Verstand, mit innerer Überzeugung und Freude (Motivation) und mit der Bereitschaft auch schwierige Probleme anzufassen. Wir brauchen heute vor allem Menschen, die nicht nur reden, sondern auch vorbildhaft handeln und Orientierung geben, meinte Scharinger abschließend.
In der Diskussion zu beiden Referaten wurden viele heiße Eisen der Agrarpolitik, aber auch der kirchlichen Situation angeschnitten und über ihre Auswirkungen und Lösungen debattiert.

 

 

 

 

 

 

Beten heißt auch Zeit nehmen für Gott, was durch feste Gebetszeiten erleichtert wird

 

 

 

 

 

In der sich rasch verändernden Welt werden sich die Schnellen gegenüber den Langsamen, die Mutigen gegenüber den Ängstlichen durchsetzen



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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr