Politik in NÖ:
Semmering-Basistunnel: Neue Nachdenkpause?
Für den heiß umstrittenen Bau des Semmering-Basistunnel wird es
voraussichtlich eine neue „Nachdenkpause“ geben. Der Verfassungsgerichtshof
wird seine Entscheidung nicht - wie angenommen - im März, sondern
erst später fällen.
- Hans Ströbitzer -
Im Klartext geht es dabei darum, ob der negative Bescheid des Landes
Niederösterreich zum Bau aufgehoben wird oder endgültig
Rechtskraft erhält. Die Diskussion um das Projekt hatte in
letzter Zeit an Härte zugenommen. Zumal sich die Fronten der
Gegner und Befürworter nicht gelockert haben. Die steirische
Landesregierung hat im Februar durch einen einstimmigen Beschluß
von ÖVP, SPÖ und FPÖ die Stellung-nahme zum Semmering-Prüf-ungsverfahren
beim Verfassungsgerichtshof durch einen Begleitbrief von Frau Landeshauptfrau
Waltraud Klasnic noch verschärft. Sie will, daß der Bescheid
Niederösterreichs aufgehoben wird.
Andererseits hat die NÖ Landesregierung - ebenfalls durch einstimmigen
Beschluß von ÖVP, SPÖ und FPÖ - ihre Haltung
gegen den Tunnelbau bekräftigt.
Die Streitpunkte
Beim Verfassungsgerichtshof wird entschieden, ob das Land NÖ
berechtigt ist, das Bundesprojekt Semmering-Tunnel zu verhindern.
Die Steirer sagen nein, das nö. Naturschutzgesetz
diene offensichtlich nur dazu, die eisenbahnrechtliche Kompetenz
des Bundes zu unterlaufen.
Im NÖ Landhaus wird dagegen betont - sogar nun auch von der
SPÖ, die vorher eher für den Tunnel war - der Bund müsse
auf die Interessen des Landes-Naturschutzes Rücksicht nehmen.
Schließlich war ja der negative Bescheid des Landes deshalb
erfolgt, weil man durch den Bau diese Interessen gefährdet
sieht und um den Wasserhaushalt in diesem Gebiet durch den Eisenbahn-Tunnel
fürchtet. LH Dr. Erwin Pröll sieht auch eine Beeinträchtigung
der Tier- und Pflanzenwelt.
Andere Varianten?
Der Streit um den Basis-Tunnel geht quer durch die Bundesländer
und Parteien - geografisch ausgedrückt: Der Osten ist dagegen,
der Westen dafür. Auf Bundesebene tritt Bautenminister Dr.
Einem und die SPÖ für den Tunnelbau ein - bedingt auch
die Liberalen und die Grünen - die ÖVP tut sich riesig
schwer, denn Pröll und Klasnic sind angesehene Landeshauptleute
und haben beide Durchsetzungsvermögen. Aber wie schnell verschiedene
Standpunkte in Sachfragen auch in Feindschaft ausarten können,
zeigt die Drohung des steirischen ÖAAB, keine Beiträge
in die Kasse des Bundes-ÖAAB abzuliefern, wenn Obmann Fasslabend
weiterhin die Argumente von LH Pröll in der Tunnelfrage
vertreten sollte.
Es ist schade, daß über mögliche Alternativen wie
den Ausbau der Süd-ostspange sowie den Ausbau der Aspangbahn
kaum ernstlich diskutiert wird. Es ist zu hoffen, daß das
umstrittene Tunnel-Projekt nicht zu einem Glaubenskrieg
zwischen Befürwortern und Gegnern wird.
Auch in einem Wahljahr sollten Sachlichkeit und Fairneß nicht
ganz auf der Strecke bleiben!
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