Der Traum von der weiten Welt
Er wollte schon immer fremde Kulturen und Menschen kennenlernen.
Nach seiner Ausbildung zum Tischler und Zimmermann setzte der Steinakirchner
Hannes Schagerl seinen Jugendtraum in die Tat um - als „Missionar
auf Zeit“.
- Hans Pflügl -
Mitte November vorigen Jahres ist Hannes Schagerl nach zwei Jahren
Tätigkeit in der Missionsstation San Benito aus Paraguay zurückgekehrt.
In seinem Reisegepäck die Erfahrungen, Erlebnisse und neue Freundschaften,
die er nicht mehr missen möchte. Manchmal befällt ihn immer noch
Heimweh nach seinem Ein-satzort im kleinen Ort Pastoreo und seinen
Freunden aus Süd-amerika. Bei einem Informationstreffen bei den
Steyler Missionaren in Mödling hat er vor fast drei Jahren den Entschluß
gefaßt, sich als „Missionar auf Zeit“ (M.a.Z.) zu verpflichten.
Es folgten Kurse in Wien, München und Steyl in Holland. Nach einem
Monat in Mexico-City und ausgestattet mit Grundkenntnissen in Spanisch
begann Ende Jänner 1997 sein Einsatz in der Landwirtschaftsschule
mit Internat der Steyler Missionare im kleinen Ort Pastoreo im südlichen
Paraguay. Auf der Station leben zwei Priester, drei Ordensbrüder,
drei Ordensschwestern (Franziskanerinnen), acht weitere Lehrer mit
ihren Familien und rund 180 Schüler. „Es war kein einfacher Weg“,
schildert Hannes Schagerl. Von Verwandten und Freunden wurde er
als „Aussteiger“ angesehen. Er hat sich dennoch durchgesetzt. „Es
war vielen unverständlich, daß man seinen Beruf und seinen Arbeitsplatz
aufgibt und für andere arbeiten geht, ohne Geld zu verdienen“, erzählt
er.
Tag begann um 5.45 Uhr
Der Tag auf der Missionsstation war ausgefüllt. Es begann um 5.45
Uhr mit der Morgenmesse. Den Vormittag verbrachte „Juan“ mit Francisco,
einem gelernten Tischler, in der Holzwerkstätte. Es gab allerhand
zu planen und zu bauen. Nach dem Mittagessen leitete Hannes Schagerl
eine Projektgruppe der Schule bis etwa 15.30 Uhr. „Meist wurde es
17 Uhr, da immer mehr zu erledigen war, als wir Zeit hatten“, erzählte
er. Auch Samstags wurde gearbeitet. Es galt, Ställe zu bauen, ein
Wohnhaus für eine Lehrerfamilie und eine Holz-Lehrwerkstätte. Hinzu
kamen noch Reparaturarbeiten an Türen, Fenstern und Möbel. Begegnung
mit Menschen Sonntags begleitete Hannes Schagerl meist P. Antonio,
einen der zwei Priester der Missionsstation, zu den „Außenstationen“
der Pfarre. Die Pfarre selbst hat zehn Außenstellen, „Kapellen“,
von denen bis zu drei jeden Sonntag besucht werden. Dort wird die
Sonntagsmesse gefeiert sowie Taufen und Hochzeiten gespendet. Eine
Nachbarpfarre mit weiteren 35 Kapellen muß nun ebenfalls mitbetreut
werden. Die Entfernung zu einer „Außenstelle“ beträgt etwa eine
Stunde Fahrzeit. „Für mich waren diese Sonntage sehr wichtige Begegnungen
mit den Menschen“, weist Schagerl hin. „Die Leute sind sehr gastfreundlich
und ich bekam einen tiefen Einblick in das Leben und Denken der
Einheimischen“.
Die Indianer sind Freunde geworden
Eine besondere Beziehung konnte der junge „Missionar auf Zeit“
zu einem Mbya-Indianerstamm aufbauen, der in der Nähe der Missionsstation
lebte. Für diese Gruppe, etwa 25 Familien, organisierte „Juan“ gebrauchte
Kleidung und Schuhe vom Rot-Kreuz-Flohmarkt in Steinakirchen. Ein
Problem war anfangs noch die Guarani-Sprache, doch auch dies konnte
er überwinden. Was Hannes Schagerl so besonders an diesem Volk schätzte:
Die Indianer haben einen ausgeprägten Familiensinn. Teilen ist bei
ihnen besonders wichtig; und sie verstehen manches nicht: „Wieso
braucht man Grenzen und warum ist man so geizig mit den Geschenken
der Natur?“
Er ist mir begegnet
Für Hannes Schagerl war diese Zeit in Südamerika mehr als nur
die Erfüllung eines Jugendtraumes. Der „Gewinn“ seines Einsatzes
als Missionar auf Zeit wird sein weiteres Leben prägen: Die Zufriedenheit
mit dem, was man hat, die Gelassenheit gegen die Hektik unserer
Zeit und die Besinnung auf das Wesentliche, wie er es in den Rundbriefen
an seine Heimatpfarre Steinakirchen immer wieder ausgedrückt hat:
„Ich habe ihn wiedererkannt, ihn, den so viele Menschen suchen,
die ihren Lebenssinn nicht gefunden haben. Er ist mir begegnet in
den armen und einfachen Menschen.“
Hannes Schagerl hält über seine Erfahrungen als „Missionar auf
Zeit“ in Paraguay auch Lichtbildvorträge: Hannes Schagerl, 3261
Steinakirchen, Zehethof 4, Tel. 07488/71583.
|
 |


|