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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    Mai 1999 

Firmpate - der väterliche Freund

„Es ist auch und mit flammenden Herzen der kleine Junge in mir, der schon immer einen väterlichen Freund haben wollte und haben will - ohne daß es dazu bisher gekommen wäre. Sobald ich mit einem Mann zusammen bin, bei dem ich spüre, daß ich mich anlehnen will und losplappern und fragen und jammern und wieder anlehnen; wenn ich einen treffe, von dem ich fantasiere, daß er mich nähren könnte. dann drohe ich schier verrückt vor Angst und Aufregung zu werden.“ (aus. D.Schnack/R.Neutzling: Der Alte kann mich mal gern haben)

- Mag Robert Krendl -

Mit diesen Worten spricht Dieter Schnack den Zwiespalt vieler Buben und Männer an: Einerseits diese unstillbare Sehnsucht nach männlicher Zuwendung, u.a. wenn sie diese vom Vater nicht in ausreichendem Maße erlebt haben. Andererseits gibt es diese Berührungsangst, diese Scheu vor Nähe und Bindung, die in vielen Männern verwurzelt ist.

Zuviel Mutter - zuwenig Vater

Nach wie vor entziehen sich viele Väter aus unterschiedlichsten Gründen ihren Söhnen. Darüber hinaus fehlen in sämtlichen kindlichen Lebenswelten außerhalb der Familie die Männer, sei es in der Nachbarschaft, im Kindergarten oder in der Grundschule. Eine männliche Bezugsperson wäre dringend notwendig zum Spiegeln der emotionalen Regungen des Buben „als Buben“, ja letztlich zur gelingenden Mannwerdung. Dieses Vakuum aufzufüllen wäre die dringliche Aufgabe eines Paten, eines Mentors, eines väterlichen Freundes. Wobei solch eine Begleitung sowohl für Buben als auch für Jugendliche und Erwachsene notwendig ist. Wer bietet sich nun für die Rolle eines Mentors an? Ich denke da u.a. an Lehrer, Therapeuten, Pfarrer, Jungschar- oder Pfadfinderführer und befreundete männliche Erwachsene. Heranwachsende Männer brauchen männliche Bezugspersonen, die präsent sind und sich ihnen nicht entziehen. Diese sollten sich den Jungen in all ihrer Stärke und Schwäche, in all ihrer Widersprüchlichkeit und Unsicherheit darbieten. Jungen sind neugierig darauf, Männer im Alltag in neuen Rollen und neuen Verhaltensweisen zu erleben. Männliche Bezugspersonen sollten (an)greifbar sein. Nur wenn heranwachsenden Männern eine männliche Reibungsfläche zur Verfügung steht, können sie sich auf einen gelingenden Weg zu ihrem Mann-Sein begeben.

Leitbilder

Ein Tip für alle Firmpaten: Wäre es nicht einen Versuch wert, mit dem Paten„kind“ vor der Firmung ein paar Tage gemeinsam auf „Abenteuer“ zu gehen, mit einem Zelt, zu Fuß oder mit einem Fahrrad, um dem jungen Mann Lust auf intensives Leben, auf Abenteuer, aufs Zupacken zu geben. Nebenbei könnten sich sehr viele gute Gespräche ergeben über das Leben, über Freundschaft, Liebe und Gott. Unsere heranwachsenden Jugendlichen benötigen so dringend Leitbilder, die Stütze und Orientierung geben können. Sie brauchen Männer, die ihnen Mut zusprechen. Ein ehrlich gesagtes „ Das schaffst du“ kann prägend fürs Leben sein.

Sehnsucht nach dem väterlichen Freund

Auch erwachsene Männer haben großes Bedürfnis nach älteren männlichen Bezugspersonen. Die Freundschaft zu kameradschaftlichen und väterlich-liebevollen Männern kann helfen, die eigene Männlichkeit in einem positiven Licht zu erleben und eventuelle Fixierungen auf Frauen aufzubrechen. Solche Freunde können Stütze und Halt geben, die eigene Männlichkeit wieder präsenter, kräftiger und einfühlsamer zu erleben. Ich denke, jeder Mann, der einen anderen Mann seinen väterlichen Freund nennen darf, hat einen unbezahlbaren Schatz.

 
 


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    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr