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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    Mai 1999 

Ist der Sonntag noch zu retten?

„Ich glaube, der Sonntag ist schon gefallen. Es ist die Frage, ob er überhaupt noch zu retten ist.“ Diese Ansicht vertrat der Linzer Pastoraltheologe Dr. Wilhelm Zauner bei einer Podiumsdiskussion am Vorabend des 1. Mai in St. Pölten, mit der die KMB der Diözese St. Pölten einen inhaltlich interessanten Beitrag zur Diskussion um die Sonntagsarbeit leistete.

- Mag Leopold Schlager -

„Ich trete für die Erhaltung des Sonntags ein, weil er ein Kulturgut ist, das zwar keine christliche Wurzel hat, aber eine Neuschöpfung der Christen ist,“ stellte Zauner fest. Er verglich die kulturelle Errungenschaft des Sonntags mit einem über Jahrtausende gewachsenen Baum und fügte hinzu: „Ich bin ganz dagegen, daß dieser große Baum jetzt umgeschnitten wird.“ Der Mensch hat sich dieses Kulturgut, bei dem es um eine Rhythmisierung der Zeit geht, selber gegeben. Die Menschheit habe das Kulturgut Sonntag heute „in einer Weise nötig, wie es früher nicht war“, es sei „so unerläßlich, daß ich mit schwersten Schäden rechnen würde, wenn die Menschen diesen Rhythmus verlieren“. „Auch ich bin grundsätzlich gegen die Sonntagsarbeit eingestellt. Ich denke, wir sollten retten, was zu retten ist“, sagte Kommerzialrat Ing. Josef Schirak als Vertreter der Sektion Handel der NÖ Wirtschaftskammer. Es ist so, daß wir uns in weiten Teilen der Wirtschaft einen arbeitsfreien Sonntag vorerst sehr wohl leisten können. Eine Notwendigkeit zur Öffnung am Sonntag könnte sich sehr wohl aber „aus Gründen des Wettbewerbs“ ergeben. „Wir müssen versuchen, wettbewerbsfähig zu bleiben.“ „Daß der Sonntag frei ist, ist für mich kein Thema“, stellte der Diözesansekretär der Kath. Arbeiter/innen-Jugend St. Pölten, Christian Haslauer, fest. „Wenn, dann geht es darum, daß Samstag und Sonntag frei ist.“ Aber er meinte auch: „Es gibt Arbeit, die den Sonntag zum Sonntag macht.“ Als Kernpunkt des Sonntags kristallisierte sich die Sinnfrage heraus. KMB-Obmann DI Dr. Leopold Wimmer pointiert: „Das ist das Kernthema des Sonntags: daß der Mensch wieder zu sich selbst und - da der Mensch nicht in sich selbst ruht - wieder zu Gott finden kann.“ Und es geht nicht um irgendeinen freien Tag, sondern um einen gemeinsamen. Die Sinnentleerung des Sonntags dürfe nicht einfach den „bösen Großkapitalisten“ zugeschrieben werden, meinte auch das Vorstandsmitglied der Kath. Arbeitnehmerbewegung Österreichs (KABÖ) Karl Ebner, sondern wir, die Christen, „müssen uns fragen: Was haben wir getan, daß wir den Sinn des Sonntags entleert haben?“ Als Symptome der „Sinnentleerung“ nannte der Psychiater Dr. Dietmar Jünger Suchterkrankungen und das „Zumachen“, das die Sinnleere überbrückt. Es sei gefährlich, wenn im Bild gesprochen das Dach nur auf einer Säule ruht, ob sie nun Arbeit oder Konsum heißt. Für KMB-Obmann Wimmer ist das ein Anstoß, Arbeit als sinnerfüllend zu erleben, denn „der Sinn kommt vom Menschen her. Das ist die Kontraposition zu „Reich und schön“: daß der Mensch als Gottes Bild zählt.“

 
 


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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr