Die Kirche surft in neuen Welten
Die Medienwelt ist in Bewegung geraten und wird es auch bleiben.
Neue Technologien verändern in immer kürzeren Zeitabständen die
Medienlandschaft und zwingen die Nutzer, sich ständig neu darauf
einzustellen.
Unser Jahrhundert war reich an technologischen Entwicklungen, vor
allem auf dem Kommunikationssektor. Drahtlose Telegrafie, Radio,
Fernsehen, Faxgeräte, Handys, Satellitenkommunikation und schließlich
das Internet. Nach nur wenigen Jahren seit seiner Nutzung für den
zivilen Sektor sind über hundert Millionen Computer weltweit vernetzt.
Diese Vernetzung bietet ungeheure Chancen, die noch gar nicht ausgelotet
sind, kann aber auch Gefahren mit sich bringen.
Cyberchurch und Online-Bibel
Mitten in der virtuellen Welt des Internet bilden sich bereits
virtuelle Gemeinden, „Cyber-Churches“, wie Theologen schon warnen.
Matthias Schnell, Leiter der „Arbeitsstelle Internet“ der Evangelischen
Kirche in Deutschland, weist hin, daß es heute schon christliche
Gemeinden gibt, die nur mehr im Internet existieren. Es könne sich
soweit entwickeln, daß viele Menschen bald nur noch einer „virtuellen
Kirche“ angehören und nicht mehr am Leben der Ortskirche teilnehmen.
Ein „Maus-klick“ zu einem kirchlichen Internet-Angebot sei leichter
als der Gang zum sonntäglichen Gottesdienst. „Online-Bibelkreise“
und „Multimedia-Andachten“ könnten in einem virtuellen Raum entstehen
und jeder Teilnehmer kann per Datenleitung mit seinen Gebeten beitragen.
Trotz aller möglichen - auch fatalen - Entwicklungen ist die Kirche
umso mehr aufgefordert, diese neuen Medien zu nutzen. Sie hat schon
bisher alle Technologien und Möglichkeiten genutzt, die ihrem Auftrag
und ihrer Sendung dienlich waren. In apostolischer Zeit nutzte sie
die Form der Predigten, Briefe und Pastoralreisen. Später die Rednerpulte
der Antike ebenso wie die Schreibstuben des Mittelalters, den Buchdruck
der Neuzeit und die Ätherwellen der Gegenwart. Und nun auch das
Medium Internet.
Kirche im Internet
Wer seit 8. Juni im World-Wide-Web die Seite „Kirche Österreich“
- also: aufschlägt, findet dort die „Homepage“ der Kirche in Österreich.
Diese Seite ist gleichzeitig auch die Beginnseite der Diözese St.
Pölten im Internet, was sich lediglich durch ein zusätzliches Diözesanwappen
- als Hinweis auf die eigentliche Startseite - zeigt. Von der Homepage
geht es weiter zu den derzeit im Internet präsenten Diözesen, kirchlichen
Zentraleinrichtungen und auch zu anderen staatlich anerkannten Kirchen
in Österreich. St. Pölten ist nicht die erste Diözese, die den Einstieg
ins Internet wagt. Derzeit sind es schon Eisenstadt, Graz, Linz
und Salzburg. Auch in den übrigen Diözesen gibt es bereits Überlegungen
und Konzepte. Es ist längst keine Sensation mehr, wenn die Kirche
im Internet zu finden ist.
Gehversuche im neuen Medium
Es kann und darf ihr aber nicht darum gehen, sich nur zu präsentieren
und ihre Werbefühler via Internet auszustrecken. Wer so denkt, wird
bald eines anderen belehrt, denn Internet ist ein Medium, das anders
wirkt: kommunikativ, offen, weithin unkontrollierbar und weltweit
vernetzt. Und dennoch werden die einzelnen Daten aus der ungeheuer
großen Informationsmasse sehr individuell konsumiert. Damit diese
Informationen auch bekannt werden, ist es notwendig, fast immer
und überall auf diese neue Internet-Adresse hinzuweisen, sonst läuft
sie Gefahr, hoffnungslos im gewaltigen Datendschungel unterzugehen.
Eine Information, die den Weg zum Ziel nicht erreicht, ist sinnlos.
Was Kirche „bietet“
Klicke ich mit der Maus von „kirche.at“ weiter auf St. Pölten,
so zeigt sich in der Mitte des Bildschirms das Diözesanwappen und
herum drei „Links“ (=Verweise): Verkündigung, Diakonie und Gottesdienst.
Es sind die drei Grundvollzüge der Kirche. Im linken Frame (Fenster)
sind die weiteren Verweise angeordnet, die von „Aktuelles“ über
„Diözese“, „Struktur der Diözese“, „Termine“, „Interessanten“ bis
zu „Links“ reichen. Einzelne Stellen und Einrichtungen sind über
die diözesane Struktur hinter dem Link „Gliederung der Diözese“
zu finden oder auch über Inhalte, etwa „Dienstleistungen“, „Interessante
Themen“, „Verkündigung“, „Gottesdienst“ oder „soziales Engagement“.
Von Servicestellen bis zum „Thema der Woche“
Wir finden über die „Struktur der Diözese“ zum „Pastoralamt“. Auf
seiner Homepage stellt es - ausgehend von seiner vorhandenen Struktur
- die pastoralen Serviceangebote vor. In vielen Bereichen derzeit
noch eine kurze Information, in anderen etwas mehr. So weist etwa
„Rat und Hilfe“ auf die vorhandenen Beratungsstellen in der Diözese
hin. Vielleicht läßt sich hier einmal eine Familien- und Partnerschaftsberatung
via Internet einrichten. Die Möglichkeiten sind offen, vor allem,
wenn alles erst im Aufbau ist. Das Pressereferat liefert zu den
aktuellen Meldungen aus der Diözese ein „Thema der Woche“ und bietet
auch die Informationen der vergangenen Monate in einem Archiv an.
Zusätzlich gibt es Veranstaltungshinweise, die auch von der diözesanen
Homepage aus erreichbar sind. Vielleicht könnte in einigen Monaten
auch ein „Chatroom“ eingerichtet werden, in dem Interessierte ihre
Meinungen zu verschiedenen Fragen des Glaubens und der Kirche austauschen.
Dies würde sich gerade für das Internet als ein ausgesprochen kommunikatives
Medium eignen.
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Das Internet ist eines der schnellsten Medien, doch scheint es
auf vielen Seiten dem noch nicht gerecht zu werden. Immer wieder
verbirgt sich hinter interessant erscheinenden Angeboten alter Schnee
von gestern. Kirche wird sich auch nur dann im Internet behaupten
können und ansprechend sein, wenn sie stets aktuell ist, Neues zu
berichten weiß und dort die Menschen trifft, wo sie Hilfe erwarten
und brauchen. Internet kann eine weitere Möglichkeit sein, neue
Wege in der Pastoral zu gehen. Es wird aber die bisherigen nicht
ersetzen, sondern nur ergänzen können.
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