... das Herz der Väter wieder den Kindern zuwenden ...
(Lk 1,17)
Das Herz ist nach biblischem Sprachgebrauch die eigentliche Mitte
des Menschen. Haben die Väter heutzutage ihr Herz bei ihren Kindern,
einen großen Teil ihres Interesses? Großteils ist festzustellen,
daß Väter für ihre Kinder wenig zu erleben sind.
A m ehesten sind sie dies noch im Freizeitbereich, als Versorgende,
Betreuende und Bezugspersonen jedoch kaum. Dies wirkt sich sowohl
für Buben als auch für Mädchen negativ aus, jeweils auf unterschiedliche
Weise.
Der Sohn - Nicht so werden wie die Mutter
Über Jahre hinweg wird der Bub primär von der Mutter bzw. von Frauen
versorgt, selbst in der Schule findet sich hauptsächlich weibliches
Lehrpersonal - und all das, obwohl er ein Mann werden soll. Er weiß
aber: „Ich darf nicht so sein wie meine Mutter, denn diese ist kein
Mann.“ Ist der Vater nicht präsent, tut sich der Bub sehr schwer,
in die Rolle des Mannes hineinzufinden. Präsente Väter könnten hingegen
ihren Söhnen real vorleben, was Leben als Mann bedeutet und ein
Hineinwachsen in eine realistische männliche Rolle ermöglichen.
Der Vater als Versorger, Freund, Begleiter und Beschützer erleichtert
es dem Sohn, auch sogenannte weibliche Seiten anzunehmen, erleichtert
es ihm, ein „ganzer“ Mann zu werden!
Die Tochter - Sich selber als Frau wertschätzen
Die Tochter wiederum lernt vom Vater, was sie später von einem
Mann erwarten wird. Vom Vater wird abhängen, was für ein Bild von
Mann sie verinnerlicht und wie sie sich selber als Mädchen und Frau
wertschätzt. Fehlt die Bejahung der Tochter durch den Vater oder
eine andere männliche Bezugsperson, kann schwer ein positives Grundmuster
der Weiblichkeit entwickelt werden -also gerne und selbstbewußt
als Frau zu leben. Ebenso lernen Töchter vom Vater, sich den traditionell
männlichen Domänen zu nähern, ohne Angst um ihre Weiblichkeit zu
haben.
Ansätze einer neuen Vaterrolle
Manchen Männern ist es zuwenig, nur der finanzielle Ernährer der
Familie zu sein und sich allein über ihre Erwerbsarbeit zu definieren.
Sie wollen intensive emotionale Beziehungen zu ihren Töchtern und
Söhnen haben und beteiligen sich verstärkt an der Versorgungsarbeit.
Dies ermöglicht auch den Frauen die Beteiligung am Arbeitsmarkt,
ohne permanent durch Doppelbelastungen Überforderungen ausgesetzt
zu sein und wirkt sich positiv auf ein partnerschaftsorientiertes
Familienleben aus.
Neue gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen
Neben allem persönlichen Bemühen einzelner Männer oder privater
Männergruppen wird es nicht ohne gesellschaftspolitische Veränderungen
gehen. es braucht eine Lobby von Männern (und auch Frauen!), die
sich für Gesetzesänderungen stark machen, die das Recht des Kindes
auf männliche Bezugspersonen auch sicherstellen. Einige Forderungen
wären z.B. flexible Karenzregelung zwischen beiden Elternteilen,
Arbeitszeitpolitik (etwa qualifizierte Teilzeitkraft), staatlich
geförderte Maßnahmen zur Bewußtseinsbildung (Unterstützung für Väterseminare,
Männerseminare, Bubenarbeit etc.).
Du sollst deine Kinder ehren
Das 4. Gebet des Dekalogs richtete sich ursprünglich, wie alle
anderen auch, an erwachsene Menschen und erinnerte sie an die Fürsorge
für die altgewordenen Eltern. Ich halte es durchaus für legitim,
dieses Gebot einmal anders auszulegen, nämlich als Appell an Erwachsene,
ihre Kinder zu ehren. Es könnte bedeuten, ihnen Zeit zu schenken,
sich ihnen zuzuwenden, echte Verantwortung für sie zu übernehmen,
sie zu pflegen, zu schützen, zu versorgen und ihnen Werte zu vermitteln.
Väter, ihr habt einen großen Nachholbedarf. Wendet euer Herz, euer
tiefstes Interesse, wieder den Kinder zu!
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