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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    Juni 1999 

... das Herz der Väter wieder den Kindern zuwenden ...
(Lk 1,17)

Das Herz ist nach biblischem Sprachgebrauch die eigentliche Mitte des Menschen. Haben die Väter heutzutage ihr Herz bei ihren Kindern, einen großen Teil ihres Interesses? Großteils ist festzustellen, daß Väter für ihre Kinder wenig zu erleben sind.

A m ehesten sind sie dies noch im Freizeitbereich, als Versorgende, Betreuende und Bezugspersonen jedoch kaum. Dies wirkt sich sowohl für Buben als auch für Mädchen negativ aus, jeweils auf unterschiedliche Weise.

Der Sohn - Nicht so werden wie die Mutter

Über Jahre hinweg wird der Bub primär von der Mutter bzw. von Frauen versorgt, selbst in der Schule findet sich hauptsächlich weibliches Lehrpersonal - und all das, obwohl er ein Mann werden soll. Er weiß aber: „Ich darf nicht so sein wie meine Mutter, denn diese ist kein Mann.“ Ist der Vater nicht präsent, tut sich der Bub sehr schwer, in die Rolle des Mannes hineinzufinden. Präsente Väter könnten hingegen ihren Söhnen real vorleben, was Leben als Mann bedeutet und ein Hineinwachsen in eine realistische männliche Rolle ermöglichen. Der Vater als Versorger, Freund, Begleiter und Beschützer erleichtert es dem Sohn, auch sogenannte weibliche Seiten anzunehmen, erleichtert es ihm, ein „ganzer“ Mann zu werden!

Die Tochter - Sich selber als Frau wertschätzen

Die Tochter wiederum lernt vom Vater, was sie später von einem Mann erwarten wird. Vom Vater wird abhängen, was für ein Bild von Mann sie verinnerlicht und wie sie sich selber als Mädchen und Frau wertschätzt. Fehlt die Bejahung der Tochter durch den Vater oder eine andere männliche Bezugsperson, kann schwer ein positives Grundmuster der Weiblichkeit entwickelt werden -also gerne und selbstbewußt als Frau zu leben. Ebenso lernen Töchter vom Vater, sich den traditionell männlichen Domänen zu nähern, ohne Angst um ihre Weiblichkeit zu haben.

Ansätze einer neuen Vaterrolle

Manchen Männern ist es zuwenig, nur der finanzielle Ernährer der Familie zu sein und sich allein über ihre Erwerbsarbeit zu definieren. Sie wollen intensive emotionale Beziehungen zu ihren Töchtern und Söhnen haben und beteiligen sich verstärkt an der Versorgungsarbeit. Dies ermöglicht auch den Frauen die Beteiligung am Arbeitsmarkt, ohne permanent durch Doppelbelastungen Überforderungen ausgesetzt zu sein und wirkt sich positiv auf ein partnerschaftsorientiertes Familienleben aus.

Neue gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen

Neben allem persönlichen Bemühen einzelner Männer oder privater Männergruppen wird es nicht ohne gesellschaftspolitische Veränderungen gehen. es braucht eine Lobby von Männern (und auch Frauen!), die sich für Gesetzesänderungen stark machen, die das Recht des Kindes auf männliche Bezugspersonen auch sicherstellen. Einige Forderungen wären z.B. flexible Karenzregelung zwischen beiden Elternteilen, Arbeitszeitpolitik (etwa qualifizierte Teilzeitkraft), staatlich geförderte Maßnahmen zur Bewußtseinsbildung (Unterstützung für Väterseminare, Männerseminare, Bubenarbeit etc.).

Du sollst deine Kinder ehren

Das 4. Gebet des Dekalogs richtete sich ursprünglich, wie alle anderen auch, an erwachsene Menschen und erinnerte sie an die Fürsorge für die altgewordenen Eltern. Ich halte es durchaus für legitim, dieses Gebot einmal anders auszulegen, nämlich als Appell an Erwachsene, ihre Kinder zu ehren. Es könnte bedeuten, ihnen Zeit zu schenken, sich ihnen zuzuwenden, echte Verantwortung für sie zu übernehmen, sie zu pflegen, zu schützen, zu versorgen und ihnen Werte zu vermitteln. Väter, ihr habt einen großen Nachholbedarf. Wendet euer Herz, euer tiefstes Interesse, wieder den Kinder zu!

 
 


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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr