„Ihr werdet Wasser schöpfen aus den Quellen des Heiles“
(Jes 12,3)
- Josef Pretz, Pfarrer in St. Pölten-Spratzern
Direktor der Missio St. Pölten (Päpstliche Missionswerke) -
Die Sommermonate sollen möglichst viel Sonnenschein bringen und
Regen nur soviel fallen, daß alles grün bleibt und wenn möglich
nur nachtsüber. So lautet der Wunschzettel vieler Österreicher für
das Sommerwetter. Seit meiner Zeit als Missionar in Afrika weiß
ich, daß es auch andere Zugänge zum kostbaren Naß gibt. Nach der
Trockenzeit, die viele Monate dauert, war der erste Regen ein Erlebnis,
das sich für immer in mein Bewußtsein eingeprägt hat. Sogar der
Geruch von Staub und Sand mit Wasser vermischt ist mir noch in Erinnerung.
„Ngou ti Nzapa a picka“ riefen die Menschen voll Freude, es klang
wie ein Dankgebet, denn wörtlich übersetzt heißt Regen in der Sangosprache
„Wasser von Gott“.
Regen heißt in der Sangosprache "Wasser von Gott"
So ist der Überfluß an Wasser in unserem Land, ich denke an die
Quellen, Bergbäche, Seen, Flüsse und Ströme, ein Geschenk Gottes
an uns. Auch der Regen ist für mich ein Segenszeichen, auch dann,
wenn er mich bei einer Wanderung einhüllt. Ich erinnere mich, als
ich nach der Durchquerung der Sahara in den ersten Brunnen blickte
und sich das Licht des Himmels tief drunten im Wasser spiegelte,
es war mir als ob ich etwas vom Glanz Gottes sah. Vielleicht sagen
Sie über die Augustsammlung der Caritas: „Wozu schon wieder eine
Sammlung, noch dazu für Afrika, wir haben ja in Europa Probleme
genug!“ Ich kann nur antworten: „Wir werden reich beschenkt mit
dem Grundelement des Lebens, mit Wasser.“ Wir können nicht unseren
Wasserüberschuß nach Afrika lenken, wohl aber einen Teil der Geldmittel,
über die wir verfügen, damit dort Brunnen gegraben werden, in denen
sich der Glanz Gottes spiegelt und deren Wasser Leben und Entfaltung
für die Dörfer bedeutet. Auch lade ich Sie zu einem Alltagsritual
ein:
Trinken Sie jeden Tag ganz bewußt aus Ihrer Hand einen Schluck
Wasser!
Es werden Erinnerungen wach, wie es gut getan hat nach einer Wanderung,
den Durst an einer Quelle, oder einem Bergbach zu stillen. Lassen
Sie diese Geste in ihrer ganzen Tiefendimension wirken. Bei Jesaja
heißt es: „Ihr werdet Wasser schöpfen aus den Quellen des Heiles.“
(Jes 12,3) Es ist Gott, der unseren Durst nach Leben, Liebe und
Glück stillt. Dazu haben die Afrikaner einen direkten Zugang, auch
wir können ihn wiederfinden.
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