Wort Gottes - eine Herausforderung
- Mag. Alfred Winkler, Pfarrer in Echsenbach und Vitis,
Dechant und Dek.-Männerseelsorger von Waidhofen/Thaya -
Die Menschen von heute leben in einer Inflation des Wortes. Worte
sind heute billig und nichtssagend geworden. Sie treffen auch nicht
mehr, weil sie abgenutzt, klanglos und glanzlos wurden. Man hört
sie und hört sie doch nicht. Wir leben in einer Fülle uns umgebender
Worte und können uns manchmal dabei innerlich einsam fühlen. Wir
zweifeln oft genug am Wert des Wortes, an seinem inneren Ernst,
an seiner notwendigen Aufrichtigkeit. Im tatsächlichen Zusammenleben
der heutigen Menschen scheint es nichts Billigeres, nichts Unverbindlicheres
zu geben als das Wort. Solch nüchterne Feststellungen müssten uns
Christen tief erschrecken lassen. Wir laufen Gefahr, das Wesentliche
unseres Christenlebens zu verlieren.
- WARUM? -
Ohne Sinngebung des Wortes verlieren wir die Möglichkeit des Dialogs,
des Gespräches mit Gott. Ist doch das Gespräch Gottes mit dem Menschen,
das Wort, das Gott dem Menschen schenkt, der Anfang allen Heiles.
Und die Anwort des Menschen auf Gottes Wort ist doch die Vollendung
dieses Heiles für jeden von uns. Was wird aber, wenn Gottes Wort
für uns eines unter vielen wird, ebenso unverbindlich, billig, belanglos
und glanzlos wie alle anderen Worte auch und wir davon innerlich
nicht mehr berührt werden? Wir leben in einer Zeit, in der wir sagen
können, dass wir Gott häufig in den Mund, aber wenig zu Herzen nehmen.
Daher ist es angebracht, wieder die Bibel in die Hand zu nehmen.
Wir sollen uns dafür Zeit nehmen, darin zu lesen und uns zu vertiefen.
Lassen wir uns begeistern und betrachten wir das Wort von unserem
alltäglichen Leben her. Sprechen wir mit anderen darüber und wir
werden schrittweise die verborgenen Kräfte des Wortes Gottes entdecken.
So möchte ich mit einem modernen Gebet schließen:
„Herr, mach uns hellhörig in der Hektik des alltäglichen Lebens
und lass uns DICH innerlich erfahren. Du gibst DICH zu erkennen,
wenn wir bereit sind, uns Zeit für die Stille zu nehmen. Sie ist
Voraussetzung für das Verstehen DEINER Worte, die DU immer wieder
durch Mitmenschen an uns richtest, damit wir die Quellen des Glaubens
entdecken und daraus Hoffnung und Zuversicht für den Alltag schöpfen.“
|
 |


|