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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    Oktober 1999 

Geld und Ethik:
Es ist nicht egal, was mit meinem Geld geschieht

rufer: Sehr geehrter Herr Doktor, Sie sind Referent bei einer Veranstaltung zum Thema Geld und Ethik. Gibt es diese Kombination überhaupt?

Schulmeister: In diesem Zusammenhang möchte ich zunächst zwei Formen der Verwendung von Geld unterscheiden: Die erste bezieht sich auf Geld als Tauschmittel. Diese Form des Geldes ist wertneutral. Die zweite Form von Geld bezieht sich auf das Vermögen, das die Besitzer nicht in Gestalt von Sachgütern halten - sondern als Geld- oder Finanzvermögen. Während der Zweck der ersten Form von Geld darin besteht, dieses auszugeben bzw. einzunehmen, es also „fließen“ zu lassen, wird Geld in seiner Form als Vermögen in solchen Formen gehalten, die eine möglichst hohe Rendite abwerfen. Die Existenz von Finanzkapital und seine „Renditeansprüchlichkeit“ gerät insbesondere aus folgendem Grund mit ethischen Postulaten in Konflikt: höhere Renditen können zumeist nur dann erzielt werden, wenn andere Menschen härter arbeiten und ihre Entlohnung nicht entsprechend ihrer zusätzlichen Produktivität erhöht wird. Anders gesagt: Geld arbeitet eben nicht, sondern nur Menschen. Eine „Kombination“ profitabler Finanzveranlagung und der Verwirklichung ethischer Postulate scheint mir deshalb nicht möglich: Finanzkapital will möglichst stark vermehrt werden, und damit steigt auch - nolens, volens - die soziale Ungleichheit, soziale Ethik zielt aber auf die Unterstützung der Schwachen, also auf weniger Ungleichheit ab.

rufer: Wer sind jene Sparer und wieviele sind es, die ihr Geld dennoch auch unter ethischen Gesichtspunkten anlegen?

Schulmeister: Genaue Zahlen darüber gibt es nicht, doch handelt es sich aus den eben angeführten Gründen um eine verschwindend kleine Gruppe. Wer mit seinem Geld sozial handeln will, der spendet es zumeist gleich oder gründet - wenn er sehr reich ist - einen eigenen Wohltätigkeitsfonds. Dieser ist aber dann überhaupt nicht auf eine Gewinnerzielung ausgerichtet.

rufer: Welche Möglichkeit hat der kleine Sparer, Einfluß auf die Weiterverwendung seiner Gelder zu nehmen?

Schulmeister: Praktisch keine. Wenn er sein Finanzvermögen etwa auf einem Sparkonto hält, so hat er natürlich keinen Einfluss darauf, wem die Bank einen Kredit gibt und zu welchem Zweck. Ähnliches gilt für das Halten von Staatsanleihen und die Verwendung der Staatsausgaben. Am ehesten besteht ein Einfluss dann, wenn man sich direkt an Unternehmen beteiligt, welche etwa ökologische Projekte wie Energiegewinnung aus erneuerbaren Ressourcen (z.B.: Wind- und Sonnenenergie) betreiben. Eine andere Möglichkeit bestünde darin, sein Geld bei einer „Öko-Bank“ zu halten, doch gibt es in Österreich keine solchen Institutionen.

rufer: Muss ich, wenn ich mein Geld in soziale Gerechtigkeit oder in den Umweltschutz investiere, auf finanzielle Rendite verzichten?

Schulmeister: Im ersten Fall sicherlich, der Einsatz für soziale Gerechtigkeit ist nun einmal kein „Geschäft“, im zweiten Fall muß man zumindest merkliche „Abstriche“ in Kauf nehmen.

rufer: Wissen Sie wie die Kirche oder kirchliche Einrichtungen ihr Geld anlegen?

Schulmeister: Nein, jedenfalls nicht im Detail. Ich bin aber überzeugt, daß die Kirche in ihrer Eigenschaft als Besitzer von Finanzvermögen dieses im wesentlichen wie alle anderen „Finanzkapitalisten“ möglichst gewinnbringend anlegt (etwa über ihrem Einfluss unterstehende Banken).

Sehr geehrter Herr Doktor, wir danken für das Interview!

Dr. Stephan Schulmeister, Institut für Wirtschaftsforschung, Wien
ist bei der Tagung
„Geld und Ethik“
am 22. und 23. Oktober im Bildungshaus St. Hippolyt,
St. Pölten.
Programm:
Fr 22. Okt. 19.30-22 Uhr: „Wie Geld arbeitet“ Dr. Stephan Schulmeister
Sa 23. Okt. 9-17 Uhr:
„Ethische Geldanlage“
Mag. Reinhard Friesenbichler ab 10.30 Uhr Workshops
 


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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr