Präsenz des Missionsgedankens in der Kirche von heute
Bleibende Aufgabe der Kirche und somit auch jeder Teilkirche ist
es, den Blick des Menschen auf das Geheimnis Jesu Christi zu lenken.
Er ist das Licht der Welt und die Sonne der Gerechtigkeit.
- P. Ludwig Schwarz -
V on ihm sagt der greise Simeon im Tempel, daß er „ein Licht ist,
das die Heiden erleuchtet“ (Lk 2, 32). Christus ist letztlich der
verborgene Schatz im Acker und die kostbare Perle, die es zu erwerben
gilt; denn nur in IHM wird unserem Leben Sinn, Halt und Erfüllung
geschenkt.
Begründung der Mission
Diesen kostbaren Schatz will und soll die Kirche an alle Menschen
weitergeben, die Christus noch nicht kennen. Christliche Mission
ist also so alt wie die Kirche selbst. Sie ist im Fundament der
Kirche begründet: in der Osterbotschaft und im Pfingstereignis.
Angesichts der Auferstehung und Erhöhung des Jesus von Nazareth
kamen die Jünger zur befreienden und verbindlichen Überzeugung,
daß die lange Kette der prophetischen Überlieferung eine letztgültige
Erfüllung in Christus erfährt. Diese formulierten sie in dem Bekenntnis:
„Jesus ist der Herr“. Das Bekenntnis weist folgerichtig über ihren
Kreis hinaus. Ein Ereignis von solch eschatologischer Tragweite
durfte nicht nur auf den Jüngerkreis beschränkt werden. Es geht
die ganze Welt an. Die Mission war dieser Überzeugung entsprechende
Antwort. Es gibt letztlich keine andere überzeugende theologische
Begründung der Mission als diese apostolische.
Die Mission ein Problem des Glaubens
Die Präsenz des Missionsgedankens, der Einsatz für die Missionen,
ist ein genauer Index unseres Glaubens an Christus und an seine
Liebe zu uns. Wo der Glaube stark ist, wächst das Interesse für
die Mission; zudem wächst unser Glaube, wenn wir ihn weiterschenken.
Leider geht die heutige Tendenz dahin, das Christentum auf eine
rein menschliche Weisheitslehre zu reduzieren. Es geht letztlich
nur ums gut Leben. Es geht schon weiterhin um den Menschen, aber
um den halbierten, der auf die bloß horizontale und soziale Dimension
zurückgeführt ist.
Bereit zu helfen
Neulich schrieb mir ein älterer Herr, er sei schon seit Jahren
aus der Kirche ausgetreten, unterstütze aber weiterhin 14 humanitäre
Organisationen, um den Menschen zu helfen, die bedürftig und notleidend
seien. Ja, die Menschen sind heute bereit zu helfen. Wenn Mitmenschen
sich in Not befinden, helfen sie großzügig. Das konnte man z. B.
bei der spontanen Hilfe für die Kosovo-Flüchtlinge sehen. Wo es
um soziale Hilfe für Bedürftige oder um Entwicklungshilfe geht,
ist der Einzelne bereit, Herz und Hand für die Nöte der Brüder und
Schwestern zu öffnen. Man tut es spontan, oft anonym und meist ohne
weitere Bindung. Das ist ein wichtiger Teil, aber nicht alles. Wir
Christen wissen, daß Jesus gekommen ist, um das umfassende Heil
zu bringen, das den ganzen Menschen und alle Menschen betrifft,
indem ihnen der großartige Horizont der Gotteskindschaft erschlossen
wird.
Was verkünden wir?
Uns allen ist wie dem Hl. Paulus die Gnade gewährt worden, „den
Heiden die unerforschlichen Reichtümer Christi zu verkünden“ (Eph
2,14). Die Neuheit des Lebens in IHM ist die „gute Nachricht“ für
die Menschen aller Zeiten. Auf dieses Ziel hin sind alle Menschen
berufen und angelegt. In der Tat suchen es alle, wenn auch manchmal
in konfuser Art und Weise. Alle haben das Recht, den Wert einer
solchen Gabe zu kennen und sich ihm zu nahen. Die Kirche als ganze
und in ihr jeder Christ dürfen diese Neuheit und diesen Reichtum
nicht für sich allein behalten; sie haben ihn vielmehr durch Gottes
Güte bekommen, um ihn allen Menschen mitzuteilen. Deshalb sagt das
2. Vatikanische Konzil, daß die Kirche ihrem Wesen nach missionarisch
ist. Der missionarische Impuls gehört also zur innersten Natur des
christlichen Lebens und muß ein kennzeichnendes Merkmal desselben
sein. Die Mission betrifft alle Christen: sie muß ein Anliegen jeder
Gruppe, jeder Pfarre, jeder Diözese sein. In der Kirchengeschichte
war der missionarische Schwung immer ein Zeichen der Vitalität,
wie auch sein Nachlassen zu einem Zeichen der Glaubenskrise wurde.
Zeugnis des Glaubens und des christlichen Lebens
Gerade darauf kommt es an. Die Mission leitet sich nicht nur vom
Missionsauftrag Christi ab, sondern vor allem vom tiefen Erfordernis
des göttlichen Lebens in uns. All jene, die seit der Taufe der katholischen
Kirche eingegliedert sind, dürfen sich als Privilegierte fühlen.
Darum sind sie auch in einem größeren Maße verpflichtet, den Glauben
und das christliche Leben zu bezeugen, und zwar als Dienst an den
Brüdern und Schwestern und als geschulte Antwort auf Gott. Sie müssen
sich nämlich immer vor Augen halten, daß ihre hervorragende und
großartige Stellung nicht eigenen Verdiensten, sondern einer besonderen
Gnade Christi zuzuschreiben ist. Wer daher weder in Gedanken, noch
Worten und Werken das Missionsanliegen der Kirche aufgreift und
zu eigenen macht, ist weit entfernt vom Heil und wird einmal ein
strenges Gericht haben (cf LG 14).
Der wahre Missionar ist ein Heiliger
Die Berufung missionarisch zu wirken, hängt letztlich von der Berufung
zur Heiligkeit ab. Der Christ ist nur dann in echter Weise missionarisch
tätig, wenn er sich bemüht, auf dem Weg zur Heiligkeit voranzukommen.
Im Konzilsdekret über Dienst und Leben des Priesters wird gesagt:
„Die Heiligkeit muß als fundamentale Voraussetzung und unersetzliche
Bedingung gelten, um die Heilssendung der Kirche zu erfüllen“ (PO
14). Die universale Berufung zur Heiligkeit ist eng verbunden mit
der universalen Berufung zur Mission. Jeder Gläubige ist also zur
Heiligkeit und zur Mission berufen. Vom Licht Christi erleuchtet,
das sich im Antlitz der Kirche widerspiegelt, ist die Gemeinschaft
der Getauften berufen, alle Menschen zu erleuchten, indem sie die
Frohe Botschaft jeder Kreatur verkündet (cf LG 1). An der Schwelle
zum dritten Jahrtausend ist die Kirche eingeladen, noch tiefer das
Geheimnis Christi zu leben, indem sie voll Dankbarkeit am Heilswerk
der Erlösung mitarbeitet. Tun auch wir alles, damit die Gläubigen
den Weg der Heiligkeit gehen und vom missionarischen Geist erfüllt
und im Bewußtsein ihrer Verantwortung durch Gebet, durch das Zeugnis
des Lebens, durch Mitarbeit und finanzielle Unterstützung am Missionswerk
effektiv mitwirken.
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