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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    Oktober 1999 

Tag des Mannes

Es sind nicht gerade wenige „Welttage“, die im Laufe eines Jahres zu begehen sind. Mancherorts wird jetzt die Forderung nach einem Tag des Mannes laut. Über das Für und Wider eines solchen Tages ließe sich durchaus diskutieren.

- Msgr. Franz Wilfinger -

Ds „Männerforum“ 20/1999 (Zeitschrift der Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland) bringt unter der Überschrift „Männer in der Partnerschaft“ Denkanstöße und Gesprächsstoff. Die Aussagen gewinnen durch die Kurzfassung an Brisanz.

Situationen des Mannes

Männer haben es heute schwerer. Wir hören den Frauen zu, die einen ungeheuren Bonus im Leben besitzen - sie werden schon geliebt, nur weil sie da sind. Männer jedoch müssen sich erst Gehör verschaffen. Denn sie sind nicht das gefühllose, bindungsunfähige, machtorientierte Geschlecht, zu dem sie abgestempelt werden. Solange sie aber als das zweitrangige Geschlecht benutzt werden, werden sie auch alle Untugenden behalten, die sie für diese Rolle ausgebildet haben.

Was können Männer tun?

Seit dreißig Jahren reden Frauen sich groß und Männer klein. Und Männer haben diese Version übernommen. Sie halten sich für einen Defekt der Natur. Daher müssen sie zu ihren ureigenen Interessen und Bedürfnissen finden. Nach dieser emanzipierten Position, die natürlich kein Rückfall in alte Fehler sein darf, muß gesucht werden. Denn die männliche Rolle und vor allem die männliche Sexualrolle steht kurz davor, kriminalisiert zu werden. Mannsein gilt in weiten Kreisen fast schon als Delikt.

Die Angst des Mannes

Männer sagen nicht mehr, was sie wirklich denken und fühlen. Sie fühlen sich schuldig. Man redet ihnen ein, jahrhundertelang Frauen unterdrückt zu haben. Frauen aller Zeiten, Orte und Nationen waren benachteiligt - und Karl Heinz hat schuld. Die Angst vor der Bestrafung von Männlichkeit, vor dem selbstverständlichen Ausleben männlichen Rollenverhaltens, sitzt den modernen Männern im Nacken. In allen Frauenbestsellern werden Männer systematisch lächerlich gemacht [„Nur ein toter Mann ist ein guter Mann“ und „Das bißchen Männlichkeit“ - zwei Dauerbrenner von Gaby Hauptmann]

Forderung nach Gegenstrategien

Männer müssen diese für sie lähmende Situation ändern, müssen aufhören, faule Kompromisse zu schließen. Auf der Erkenntnis, daß Männerrollen und männliches Verhalten erlernt werden, lassen sich Strategien des Umlernens und Neulernens aufbauen, die zunächst den Männern und langfristig dann auch den Frauen in der Folge der Partnerschaft zwischen ihnen helfen. Denn die „Voraussetzung für eine wirkliche Partnerschaft beginnt beim ausbalancierten Selbstwertgefühl des Mannes.“

Behauptung

Man täusche sich nicht: Viele Männer mögen sich nicht. Die Art und Weise, wie rücksichtslos manche gegen sich und ihren Körper vorgehen - bei der Arbeit wie bei sportlicher Betätigung - kann man nur mit einer tiefsitzenden Feindschaft gegen sich selbst erklären. Diese Rücksichtslosigkeit kippt dann oft unvermittelt in hemmungsloses Genießen-Wollen, wird zur Sucht, von Alkohol- bis Sexsucht.

Dazu eine Meldung aus der „PRESSE“ vom 7. Juli

„Die Männer treiben Schindluder mit ihrer Gesundheit“ - Wiens Stadtrat Rieder stellt den Wiener Männern kein positives Gesundheitszeugnis aus. Denn sie leben risikoreicher, ungesünder und mit einer Lebenserwartung von 73 Jahren um sechs Jahre kürzer als Frauen. Ein eigenes Gesundheitsvorsorgeprogramm, zugeschnitten auf die Bedürfnisse der männlichen Bevölkerung, soll der besorgniserregenden Entwicklung künftig gegensteuern. Deshalb werde das Bemühen um die Schaffung einer medizinischen Fachrichtung für Männerheilkunde verstärkt.“

Männer im Aufbruch

Die Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Gemeinschaft Katholischer Männer Deutschlands gaben Anfang 1998 in Form eines ökumenischen Projektes eine bundesweite Untersuchung an Deutschlands Männer in Auftrag. Die Forschungen wurden nunmehr abgeschlossen und in Buchform veröffentlicht (im Schwabenverlag Stuttgart): „Männer im Aufbruch, Wie Deutschlands Männer sich selbst und wie Frauen sie sehen“ (Prof. Dr. Zulehner/Volz). Die Aussagen über

Religion und Kirche

und ihre Auswertung verdienen wohl auch bei uns Beachtung: Waren Familie und Beruf die Spitzenreiter der wichtigsten Lebensbereiche für Männer, so folgen dann mit Abstand die Bereiche Freunde und Freizeit mit noch jeweils dicht beieinander liegenden hohen Werten. Der erste deutliche Abfall der Wertigkeit zeigt sich dann bei der Politik und wird bei den Feldern Religion und Kirche überdeutlich. Gerade neue Männer bringen wenig Sympathie für die Kirchen auf und fühlen sich dort entsprechend auch nicht beheimatet. Das Sympathieniveau steigt auch bei den übrigen Gruppen kaum. Die Ergebnisse zur männlichen Religiosität und Kirchlichkeit stellen insgesamt eine überdeutliche Anfrage an die religiöse Erziehung durch Kirche, Gesellschaft und Familie dar: Die religiöse Erziehung als sozio-kulturelles Prägemuster nimmt ab: Die neuen Männer wurden offensichtlich weniger religiös erzogen als die traditionellen. So überrascht es kaum, daß für die meisten Männer der Glaube für die Bewältigung persönlicher Krisen nahezu bedeutungslos geworden ist. Dies sollte jedoch nicht den Blick darauf verstellen, daß 17 % der neuen Männer bereit sind, sich mit religiösen Fragen auseinanderzusetzen (Nach „Männerforum“ 20/1999)

Herausforderung

Für die kirchliche Männerarbeit bedeuten die Studienergebnisse eine Herausforderung. Männer werden ihr Rollenverhalten erst dann umfassend ändern wollen, wenn sie erkennen, daß die Wandlung der Geschlechterrollen letztlich nicht nur den Verlust an Privilegien bedeutet, sondern einen Gewinn mit sich bringt.

Konsequenzen

Folgen wir dieser Gedankenspur weiter, dann kann wohl auch einmal das JA zum Glauben, zum katholischen, kirchlichen Glauben, unter dem Gesichtspunkt des Gewinnes an Lebensqualität gesehen werden. Was haben wir ihm zu verdanken? Im Danken gründet das Bestreben, andere teilhaben zu lassen an dem, was einem selbst hilft, damit Leben gelingt - im umfassenden und das Irdische übergreifenden Sinn. So läßt sich Apostolat, Mission sehen als Teilhabenlassen anderer am Heil, zu dem Gott alle Menschen berufen hat. Zum Aufbruch des Mannes kann die Katholische Männerbewegung Wesentliches beitragen - sie verweist auf die dem Menschen eigene Ausrichtung auf Gott, auf seine Geschöpflichkeit und gleichzeitig auf seine Gottebenbildlichkeit. Keine leichte Aufgabe für die KMB - aber gerade deswegen nicht ohne Reiz.

 
 


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    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr