Tag des Mannes
Es sind nicht gerade wenige „Welttage“, die im Laufe eines Jahres
zu begehen sind. Mancherorts wird jetzt die Forderung nach einem
Tag des Mannes laut. Über das Für und Wider eines solchen Tages
ließe sich durchaus diskutieren.
- Msgr. Franz Wilfinger -
Ds „Männerforum“ 20/1999 (Zeitschrift der Männerarbeit der Evangelischen
Kirche in Deutschland) bringt unter der Überschrift „Männer in der
Partnerschaft“ Denkanstöße und Gesprächsstoff. Die Aussagen gewinnen
durch die Kurzfassung an Brisanz.
Situationen des Mannes
Männer haben es heute schwerer. Wir hören den Frauen zu, die einen
ungeheuren Bonus im Leben besitzen - sie werden schon geliebt, nur
weil sie da sind. Männer jedoch müssen sich erst Gehör verschaffen.
Denn sie sind nicht das gefühllose, bindungsunfähige, machtorientierte
Geschlecht, zu dem sie abgestempelt werden. Solange sie aber als
das zweitrangige Geschlecht benutzt werden, werden sie auch alle
Untugenden behalten, die sie für diese Rolle ausgebildet haben.
Was können Männer tun?
Seit dreißig Jahren reden Frauen sich groß und Männer klein. Und
Männer haben diese Version übernommen. Sie halten sich für einen
Defekt der Natur. Daher müssen sie zu ihren ureigenen Interessen
und Bedürfnissen finden. Nach dieser emanzipierten Position, die
natürlich kein Rückfall in alte Fehler sein darf, muß gesucht werden.
Denn die männliche Rolle und vor allem die männliche Sexualrolle
steht kurz davor, kriminalisiert zu werden. Mannsein gilt in weiten
Kreisen fast schon als Delikt.
Die Angst des Mannes
Männer sagen nicht mehr, was sie wirklich denken und fühlen. Sie
fühlen sich schuldig. Man redet ihnen ein, jahrhundertelang Frauen
unterdrückt zu haben. Frauen aller Zeiten, Orte und Nationen waren
benachteiligt - und Karl Heinz hat schuld. Die Angst vor der Bestrafung
von Männlichkeit, vor dem selbstverständlichen Ausleben männlichen
Rollenverhaltens, sitzt den modernen Männern im Nacken. In allen
Frauenbestsellern werden Männer systematisch lächerlich gemacht
[„Nur ein toter Mann ist ein guter Mann“ und „Das bißchen Männlichkeit“
- zwei Dauerbrenner von Gaby Hauptmann]
Forderung nach Gegenstrategien
Männer müssen diese für sie lähmende Situation ändern, müssen aufhören,
faule Kompromisse zu schließen. Auf der Erkenntnis, daß Männerrollen
und männliches Verhalten erlernt werden, lassen sich Strategien
des Umlernens und Neulernens aufbauen, die zunächst den Männern
und langfristig dann auch den Frauen in der Folge der Partnerschaft
zwischen ihnen helfen. Denn die „Voraussetzung für eine wirkliche
Partnerschaft beginnt beim ausbalancierten Selbstwertgefühl des
Mannes.“
Behauptung
Man täusche sich nicht: Viele Männer mögen sich nicht. Die Art
und Weise, wie rücksichtslos manche gegen sich und ihren Körper
vorgehen - bei der Arbeit wie bei sportlicher Betätigung - kann
man nur mit einer tiefsitzenden Feindschaft gegen sich selbst erklären.
Diese Rücksichtslosigkeit kippt dann oft unvermittelt in hemmungsloses
Genießen-Wollen, wird zur Sucht, von Alkohol- bis Sexsucht.
Dazu eine Meldung aus der „PRESSE“ vom 7. Juli
„Die Männer treiben Schindluder mit ihrer Gesundheit“ - Wiens Stadtrat
Rieder stellt den Wiener Männern kein positives Gesundheitszeugnis
aus. Denn sie leben risikoreicher, ungesünder und mit einer Lebenserwartung
von 73 Jahren um sechs Jahre kürzer als Frauen. Ein eigenes Gesundheitsvorsorgeprogramm,
zugeschnitten auf die Bedürfnisse der männlichen Bevölkerung, soll
der besorgniserregenden Entwicklung künftig gegensteuern. Deshalb
werde das Bemühen um die Schaffung einer medizinischen Fachrichtung
für Männerheilkunde verstärkt.“
Männer im Aufbruch
Die Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland und die
Gemeinschaft Katholischer Männer Deutschlands gaben Anfang 1998
in Form eines ökumenischen Projektes eine bundesweite Untersuchung
an Deutschlands Männer in Auftrag. Die Forschungen wurden nunmehr
abgeschlossen und in Buchform veröffentlicht (im Schwabenverlag
Stuttgart): „Männer im Aufbruch, Wie Deutschlands Männer sich selbst
und wie Frauen sie sehen“ (Prof. Dr. Zulehner/Volz). Die Aussagen
über
Religion und Kirche
und ihre Auswertung verdienen wohl auch bei uns Beachtung: Waren
Familie und Beruf die Spitzenreiter der wichtigsten Lebensbereiche
für Männer, so folgen dann mit Abstand die Bereiche Freunde und
Freizeit mit noch jeweils dicht beieinander liegenden hohen Werten.
Der erste deutliche Abfall der Wertigkeit zeigt sich dann bei der
Politik und wird bei den Feldern Religion und Kirche überdeutlich.
Gerade neue Männer bringen wenig Sympathie für die Kirchen auf und
fühlen sich dort entsprechend auch nicht beheimatet. Das Sympathieniveau
steigt auch bei den übrigen Gruppen kaum. Die Ergebnisse zur männlichen
Religiosität und Kirchlichkeit stellen insgesamt eine überdeutliche
Anfrage an die religiöse Erziehung durch Kirche, Gesellschaft und
Familie dar: Die religiöse Erziehung als sozio-kulturelles Prägemuster
nimmt ab: Die neuen Männer wurden offensichtlich weniger religiös
erzogen als die traditionellen. So überrascht es kaum, daß für die
meisten Männer der Glaube für die Bewältigung persönlicher Krisen
nahezu bedeutungslos geworden ist. Dies sollte jedoch nicht den
Blick darauf verstellen, daß 17 % der neuen Männer bereit sind,
sich mit religiösen Fragen auseinanderzusetzen (Nach „Männerforum“
20/1999)
Herausforderung
Für die kirchliche Männerarbeit bedeuten die Studienergebnisse
eine Herausforderung. Männer werden ihr Rollenverhalten erst dann
umfassend ändern wollen, wenn sie erkennen, daß die Wandlung der
Geschlechterrollen letztlich nicht nur den Verlust an Privilegien
bedeutet, sondern einen Gewinn mit sich bringt.
Konsequenzen
Folgen wir dieser Gedankenspur weiter, dann kann wohl auch einmal
das JA zum Glauben, zum katholischen, kirchlichen Glauben, unter
dem Gesichtspunkt des Gewinnes an Lebensqualität gesehen werden.
Was haben wir ihm zu verdanken? Im Danken gründet das Bestreben,
andere teilhaben zu lassen an dem, was einem selbst hilft, damit
Leben gelingt - im umfassenden und das Irdische übergreifenden Sinn.
So läßt sich Apostolat, Mission sehen als Teilhabenlassen anderer
am Heil, zu dem Gott alle Menschen berufen hat. Zum Aufbruch des
Mannes kann die Katholische Männerbewegung Wesentliches beitragen
- sie verweist auf die dem Menschen eigene Ausrichtung auf Gott,
auf seine Geschöpflichkeit und gleichzeitig auf seine Gottebenbildlichkeit.
Keine leichte Aufgabe für die KMB - aber gerade deswegen nicht ohne
Reiz.
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