Gedanken zum Allerseelenmonat
- Johann Lueger, Pfarrer in Arbesbach, Dek.-
Männerseelsorger von Zwettl -
Geschmückte Gräber - Kränze - Blumen- Lichter - Friedhofgang -
Gedanken an liebe verstorbene Angehörige - Gedanken an den eigenen
Tod - Trauer und Wehmut - Unsicherheit und Angst, Kummer und Schmerz
- Werden und Vergehen - Verzweiflung und Hoffnung - Tod und Leben
- Sterben und Auferstehen --- die Liste der Assoziationen, die wir
mit Allerheiligen und Allerseelen verbinden, ließe sich beliebig
erweitern und fortsetzen. Gedanken, die wir in der Hektik des normalen
Alltags häufig verdrängen, holen uns in diesen Tagen ein und fordern
ihr Recht: Worin besteht der tiefere Sinn meines Lebens?
Wann, wo und wie werde ich sterben? Tod?! - was dann?
Wann, wo und wie werde ich sterben? Tod?! - was dann? Die Blumen
und die Lichter auf den Gräbern sagen mir: Hab Mut! Du bist für
das Leben geboren! Der Gott des Lebens wird dich nicht im Tod lassen,
er wird dich zum Licht und zur Freude führen. „Tod, du sollst uns
nicht erschrecken, wenn für uns die Stunde naht - Jesus wird uns
auferwecken, wie er es versprochen hat“ --- Der Gott des Lebens
hat uns nicht nur für die kurze Spanne unseres Erdenlebens erschaffen
- der Gott des Lebens will uns Leben in Fülle schenken - Leben,
das nicht mit unserem irdischen Tod endet, sondern gerade darin
seine Voll-End-ung, sein Ziel, seine Erfüllung findet.
„Was wir bergen in den Särgen, ist das Erdenkleid. Was wir lieben,
ist geblieben, bleibt in Ewigkeit“
„Was wir bergen in den Särgen, ist das Erdenkleid. Was wir lieben,
ist geblieben, bleibt in Ewigkeit“ - so steht es hoffnungsfroh auf
manchen Parten. Gott sagt JA zu mir; Gott sagt JA zu dir, Gott sagt
JA zu jedem Menschen - und er nimmt dieses JA nie mehr zurück ---
Sein JA bedeutet: Auferstehung und Leben, Leben über den Tod hinaus,
Leben in Fülle. Und dieses Leben hat schon begonnen. Es wird für
mich spürbar und greifbar, wenn auch ich JA sage - JA zu mir - JA
zum Leben -JA zu den Menschen - JA zu Gott. Leben wird nicht erfahrbar,
wenn ich es gewaltsam festhalten will und die existentiellen Fragen
um Endlichkeit und Tod verdränge, sondern nur dann, wenn ich mich
diesen Fragen stelle und wenn ich mich einübe ins Loslassen, ins
Abschied-Nehmen --- nur so bin ich offen für Wachstum und Reifen,
für das Geschenk des Lebens, das Gott bereithält.
Tod und Auferstehung sind die zwei Seiten ein und desselben Ereignisses
Tod und Auferstehung sind die zwei Seiten ein und desselben Ereignisses
- im Alltagsleben und beim Hinübergang ins ewige Leben. Wir erleben
und erfahren es täglich: „Immer muß etwas sterben, damit das Leben
tiefer triumphiert“ (Oraison). Zum Leben sind wir berufen, zum Leben
in Fülle!
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