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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    November 1999 

Quellen des Lebens

Abenteuer als Quelle

- Markus Pucher, geistlicher Assistent der KMBÖ -

Abenteuer als Quelle für sein Leben zu erfahren, ist wohl ein Vorrecht der Jugend. Wer die Lebensmitte einmal überschritten hat, versucht doch andere Akzente zu setzen: Bestehendes sichern und bewahren, nicht mehr viel riskieren und wagen. Das ist verständlich. Nur besteht dabei die Gefahr, dass das Leben verflacht und kleinkariert wird. Immer dasselbe, voller Zwänge, denen man scheinbar nicht mehr entrinnen kann. Keine wirklichen Höhepunkte und keine Tiefe mehr. Es plätschert so dahin. Die Monate und Jahre bis zur Pension zu zählen, sind kleine Hoffnungsschimmer. In der Pension, ja dann beginnt das eigentliche Leben, dann werden die Träume verwirklicht. Wirklich? Die Realität ist doch nüchtern betrachtet anders. Viele fallen dann in ein Loch. Ohne berufliche Herausforderung finden sie keinen Inhalt mehr. Keine Phantasie beflügelt mehr zu neuen Taten. Es wird mühsam, noch einmal zu beginnen. Nachdenklich fragt man sich:

Wozu habe ich bisher gelebt?

Was war der Sinn des Ganzen? Wenn ich in mein Leben zurückschaue und mich frage, wovon habe ich gelebt und was waren Quellen, aus denen ich geschöpft habe, was machte mein Leben bunt, so waren es Erfahrungen und Erlebnisse, die den Alltag sprengten, die mit Abenteuer und Risiko, Erleben, zu tun hatten. Die Besteigung des höchsten Gipfels Afrikas, des Kilimanjaro mit 6000m, als Beispiel. Alle in der Gruppe hatten aufgegeben, auch der Führer. Die letzten 100m waren unendlich mühsam. Der Sauerstoffmangel machte sich in allen Gliedern bemerkbar. Allein, mit der Taschenlampe in der Hand, schwankte ich dem Gipfel zu. Bei Sonnenaufgang oben auf der Kuppe, die mit ewigem Eis bedeckt ist, am Übergang in eine andere Welt, fehlte mir die Kraft für Worte. Ich öffnete meine Hände und breitete die Arme aus. Eine intensive religiöse Erfahrung. Berge führen in die Tiefe. Wieder zurück auf der Hütte, empfing mich der afrikanische Führer mit offenen Armen und einem Cola. Ich war erschöpft und zutiefst glücklich. Grenzen zu erfahren und zu überschreiten, zu erleben, welche Kraft in mir steckt, wenn ich bis zum Äussersten gehe, das habe ich in den Alltag mitgenommen. Es ist eine Quelle, aus der ich immer wieder schöpfen kann.

 

Lebensquelle Partnerschaft

- Mag. Maria und Mag. Anton Zehetgruber-

Ist die Partnerschaft insgesamt gesehen eine Kraftquelle oder bleibt sie nicht ein Nullsummenspiel, wenn man all die Anstrengungen, die Zeit, das Konfliktmanagement einrechnet, das notwendig ist, dass sie überhaupt gelingt? Die Antwort wird zu unterschiedlichen Zeiten ungleich sein. Sie ist auch für uns nicht eindeutig. Wir haben aber einige Aspekte gefunden, wo wir in und durch unsere Ehe Kraft für unser Leben gefunden haben und finden.

Vertrautheit, Geborgenheit:

Wir wissen voneinander, wer lieber Schokolade und wer lieber Blumen hat, welche Zärtlichkeit in welchen Situationen angenehm ist, und wessen Schuhe herumstehen. Die Vertrautheit und das Verlassenkönnen aufeinander gibt Heimat und tut gut.

Reden können und verstanden werden

Ein Erfolgserlebnis erzählen oder Frust abbauen, über Fußpilz und Depression reden, die Besuche nachbesprechen und berufliche Vorhaben ausbreiten..., einfach über alles reden können, entlastet, gibt neue Perspektiven und tut gut.

Zärtlichkeit und Sexualität

Es ist schön, ein überraschendes Mail im PC zu finden oder ein Briefchen am Frühstückstisch, es ist angenehm, die Hand am Rücken zu spüren oder unter dem Tisch zu fußerln. Es ist aufregend, sich von heißen Wogen bis in den siebten Himmel tragen zu lassen. Die ganzheitliche Gestaltung unserer Sexualität gibt Selbstvertrauen und tut gut.

Gemeinsames Engagement

Es ist uns beiden von jeher ein zentrales Anliegen, unseren Glauben zu leben und am Kommen des Reiches Gottes auch beruflich mitzuarbeiten. Dieses gemeinsame Interesse fordert uns heraus und verbindet uns. Es tut uns gut.

Miteinander kreativ sein

Die Farbe der Wohnzimmerwand, die Pflastersteine im Garten, die Pflege der Sträucher oder eine Anschaffung für das Kinderzimmer... es dauert alles eher lange, weil wir große Sorgfalt für die Gestaltung unseres Lebensumfeldes aufwenden. Die Entwicklung einer uns angemessenen Familienkultur kostet viele Überlegungen und Gespräche. Sie ist uns aber sehr wichtig, denn das gemeinsame Gestalten, das miteinander Tanzen, Singen und Musizieren macht uns Freude und tut uns gut.

Einander vergeben

Konflikte, Kränkungen und Verletzungen bleiben nicht aus. Sie verschließen unsere Lebensquellen. Wie befreiend, wie erlösend ist es da, selber auf einmal die Kraft zu spüren oder es vom anderen zu hören: „Ich vergebe dir deinen Anteil und entschuldige mich für meinen.“ Einander neue Chancen einzuräumen, das tut gut.

 

Quellen des Engagements

- Erich Ortner, Bildungshausleiter-

„Alle wollen meine Federn, - wer will meinen Flug?“, hat Reiner Kunze einmal notiert, nachdenkend über die Rolle des Dichters in der modernen Gesellschaft, seine Rolle als Schriftsteller in einem wiedervereinten Deutschland. Das Bild ist treffend und lässt sich ausweiten, generalisieren hin auf das Rollenverhalten in einem arbeitsteiligen Gemeinwesen.

Wir spielen Rollen

Wir spielen Rollen als Vater, als Mitarbeiter in einem Betrieb, als Nachbarn, als Konsumenten, überall sind wir in einer Funktion gefragt. Unser persönliches Ergehen, Erleben, wir selber als individuelle Personen kommen in diesem Spiel der Funktionen oft nur ansatzweise und beiläufig vor. Man könnte es auch so sagen: Alle wollen etwas von mir, wollen meine „Federn“, wer aber hat Interesse an mir, als Person, an meinen Gefühlen, meinem Erleben, an meiner Geschichte, an meinem „Flug“? Aber eben dies, als ganze Person erscheinen zu können, mit seinen Fähigkeiten und Stärken, mit seinen Schwächen, mit seiner gewordenen Gestalt, das ist eine Ursehnsucht des Menschen. Wo jemand über alles Funktionelle hinaus seine individuelle, oftmals auch verwundete, verkrüppelte Lebensgestalt zeigen kann, sich zeigen und geben kann wie er ist, ohne Maske und Verstellung und als solcher akzeptiert wird, dort geschieht Wandlung, Weiterentwicklung, manchmal auch ein Stück Heilung.

Freiräume schaffen

Als Leiter eines Bildungshauses, das Kurse zur Persönlichkeitsbildung anbietet, ist das ein starkes Motiv für mein Engagement: es gelingt uns immer wieder Räume zu schaffen, Freiräume, wo unsere Kursteilnehmer das erleben können, dass sie als Person wertvoll und wichtig sind, dass sie sich zeigen können, in ihrem „Flug“. Dass dies gelingt merkt man als Veranstalter auch dann, wenn man selber nicht am betreffenden Seminar teilnimmt. Kursbesucher gehen gestärkt, aufgerichtet, mit einem freieren Gesicht aus einem therapeutischen Seminar, einem Meditationskurs, einem Gesprächsabend nach Hause, bedanken sich, sagen, dass es schön war, dass ihnen der Kurs etwas gebracht hat. Die Mitfreude daran, an der Freude der Teilnehmer, das Gelingen eines Kurses, das gibt auch mir als Veranstalter Auftrieb, beflügelt zu weiterem Engagement.

 

 
 
 


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    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr