Quellen des Lebens
Abenteuer als Quelle
- Markus Pucher, geistlicher Assistent der KMBÖ
-
Abenteuer als Quelle für sein Leben zu erfahren, ist wohl ein Vorrecht
der Jugend. Wer die Lebensmitte einmal überschritten hat, versucht
doch andere Akzente zu setzen: Bestehendes sichern und bewahren,
nicht mehr viel riskieren und wagen. Das ist verständlich. Nur besteht
dabei die Gefahr, dass das Leben verflacht und kleinkariert wird.
Immer dasselbe, voller Zwänge, denen man scheinbar nicht mehr entrinnen
kann. Keine wirklichen Höhepunkte und keine Tiefe mehr. Es plätschert
so dahin. Die Monate und Jahre bis zur Pension zu zählen, sind kleine
Hoffnungsschimmer. In der Pension, ja dann beginnt das eigentliche
Leben, dann werden die Träume verwirklicht. Wirklich? Die Realität
ist doch nüchtern betrachtet anders. Viele fallen dann in ein Loch.
Ohne berufliche Herausforderung finden sie keinen Inhalt mehr. Keine
Phantasie beflügelt mehr zu neuen Taten. Es wird mühsam, noch einmal
zu beginnen. Nachdenklich fragt man sich:
Wozu habe ich bisher gelebt?
Was war der Sinn des Ganzen? Wenn ich in mein Leben zurückschaue
und mich frage, wovon habe ich gelebt und was waren Quellen, aus
denen ich geschöpft habe, was machte mein Leben bunt, so waren es
Erfahrungen und Erlebnisse, die den Alltag sprengten, die mit Abenteuer
und Risiko, Erleben, zu tun hatten. Die Besteigung des höchsten
Gipfels Afrikas, des Kilimanjaro mit 6000m, als Beispiel. Alle in
der Gruppe hatten aufgegeben, auch der Führer. Die letzten 100m
waren unendlich mühsam. Der Sauerstoffmangel machte sich in allen
Gliedern bemerkbar. Allein, mit der Taschenlampe in der Hand, schwankte
ich dem Gipfel zu. Bei Sonnenaufgang oben auf der Kuppe, die mit
ewigem Eis bedeckt ist, am Übergang in eine andere Welt, fehlte
mir die Kraft für Worte. Ich öffnete meine Hände und breitete die
Arme aus. Eine intensive religiöse Erfahrung. Berge führen in die
Tiefe. Wieder zurück auf der Hütte, empfing mich der afrikanische
Führer mit offenen Armen und einem Cola. Ich war erschöpft und zutiefst
glücklich. Grenzen zu erfahren und zu überschreiten, zu erleben,
welche Kraft in mir steckt, wenn ich bis zum Äussersten gehe, das
habe ich in den Alltag mitgenommen. Es ist eine Quelle, aus der
ich immer wieder schöpfen kann.
Lebensquelle Partnerschaft
- Mag. Maria und Mag. Anton Zehetgruber-
Ist die Partnerschaft insgesamt gesehen eine Kraftquelle oder bleibt
sie nicht ein Nullsummenspiel, wenn man all die Anstrengungen, die
Zeit, das Konfliktmanagement einrechnet, das notwendig ist, dass
sie überhaupt gelingt? Die Antwort wird zu unterschiedlichen Zeiten
ungleich sein. Sie ist auch für uns nicht eindeutig. Wir haben aber
einige Aspekte gefunden, wo wir in und durch unsere Ehe Kraft für
unser Leben gefunden haben und finden.
Vertrautheit, Geborgenheit:
Wir wissen voneinander, wer lieber Schokolade und wer lieber Blumen
hat, welche Zärtlichkeit in welchen Situationen angenehm ist, und
wessen Schuhe herumstehen. Die Vertrautheit und das Verlassenkönnen
aufeinander gibt Heimat und tut gut.
Reden können und verstanden werden
Ein Erfolgserlebnis erzählen oder Frust abbauen, über Fußpilz und
Depression reden, die Besuche nachbesprechen und berufliche Vorhaben
ausbreiten..., einfach über alles reden können, entlastet, gibt
neue Perspektiven und tut gut.
Zärtlichkeit und Sexualität
Es ist schön, ein überraschendes Mail im PC zu finden oder ein
Briefchen am Frühstückstisch, es ist angenehm, die Hand am Rücken
zu spüren oder unter dem Tisch zu fußerln. Es ist aufregend, sich
von heißen Wogen bis in den siebten Himmel tragen zu lassen. Die
ganzheitliche Gestaltung unserer Sexualität gibt Selbstvertrauen
und tut gut.
Gemeinsames Engagement
Es ist uns beiden von jeher ein zentrales Anliegen, unseren Glauben
zu leben und am Kommen des Reiches Gottes auch beruflich mitzuarbeiten.
Dieses gemeinsame Interesse fordert uns heraus und verbindet uns.
Es tut uns gut.
Miteinander kreativ sein
Die Farbe der Wohnzimmerwand, die Pflastersteine im Garten, die
Pflege der Sträucher oder eine Anschaffung für das Kinderzimmer...
es dauert alles eher lange, weil wir große Sorgfalt für die Gestaltung
unseres Lebensumfeldes aufwenden. Die Entwicklung einer uns angemessenen
Familienkultur kostet viele Überlegungen und Gespräche. Sie ist
uns aber sehr wichtig, denn das gemeinsame Gestalten, das miteinander
Tanzen, Singen und Musizieren macht uns Freude und tut uns gut.
Einander vergeben
Konflikte, Kränkungen und Verletzungen bleiben nicht aus. Sie verschließen
unsere Lebensquellen. Wie befreiend, wie erlösend ist es da, selber
auf einmal die Kraft zu spüren oder es vom anderen zu hören: „Ich
vergebe dir deinen Anteil und entschuldige mich für meinen.“ Einander
neue Chancen einzuräumen, das tut gut.
Quellen des Engagements
- Erich Ortner, Bildungshausleiter-
„Alle wollen meine Federn, - wer will meinen Flug?“, hat Reiner
Kunze einmal notiert, nachdenkend über die Rolle des Dichters in
der modernen Gesellschaft, seine Rolle als Schriftsteller in einem
wiedervereinten Deutschland. Das Bild ist treffend und lässt sich
ausweiten, generalisieren hin auf das Rollenverhalten in einem arbeitsteiligen
Gemeinwesen.
Wir spielen Rollen
Wir spielen Rollen als Vater, als Mitarbeiter in einem Betrieb,
als Nachbarn, als Konsumenten, überall sind wir in einer Funktion
gefragt. Unser persönliches Ergehen, Erleben, wir selber als individuelle
Personen kommen in diesem Spiel der Funktionen oft nur ansatzweise
und beiläufig vor. Man könnte es auch so sagen: Alle wollen etwas
von mir, wollen meine „Federn“, wer aber hat Interesse an mir, als
Person, an meinen Gefühlen, meinem Erleben, an meiner Geschichte,
an meinem „Flug“? Aber eben dies, als ganze Person erscheinen zu
können, mit seinen Fähigkeiten und Stärken, mit seinen Schwächen,
mit seiner gewordenen Gestalt, das ist eine Ursehnsucht des Menschen.
Wo jemand über alles Funktionelle hinaus seine individuelle, oftmals
auch verwundete, verkrüppelte Lebensgestalt zeigen kann, sich zeigen
und geben kann wie er ist, ohne Maske und Verstellung und als solcher
akzeptiert wird, dort geschieht Wandlung, Weiterentwicklung, manchmal
auch ein Stück Heilung.
Freiräume schaffen
Als Leiter eines Bildungshauses, das Kurse zur Persönlichkeitsbildung
anbietet, ist das ein starkes Motiv für mein Engagement: es gelingt
uns immer wieder Räume zu schaffen, Freiräume, wo unsere Kursteilnehmer
das erleben können, dass sie als Person wertvoll und wichtig sind,
dass sie sich zeigen können, in ihrem „Flug“. Dass dies gelingt
merkt man als Veranstalter auch dann, wenn man selber nicht am betreffenden
Seminar teilnimmt. Kursbesucher gehen gestärkt, aufgerichtet, mit
einem freieren Gesicht aus einem therapeutischen Seminar, einem
Meditationskurs, einem Gesprächsabend nach Hause, bedanken sich,
sagen, dass es schön war, dass ihnen der Kurs etwas gebracht hat.
Die Mitfreude daran, an der Freude der Teilnehmer, das Gelingen
eines Kurses, das gibt auch mir als Veranstalter Auftrieb, beflügelt
zu weiterem Engagement.
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