Ausgetretene Pfade verlassen und neue Wege gehen!
Die KMB Haidershofen hat sich für das kommende Jahr viel vorgenommen
- Hans Pflügl -
Längst ist Haidershofen keine „Insel der Seligen“ mehr. Die einst
ländliche Idylle des Ortes ist dem Trend der Zeit gewichen. Viele
Bewohner pendeln in die nächstgelegenen Städte aus. Auch Hans Kojeder,
Obmann der örtlichen KMB, gehört zu ihnen. Die Kirche, einst Mittelpunkt
des Ortes, hat ihre einstige zentrale Stellung eingebüßt. Der sonntägliche
Treffpunkt ist nicht mehr der Kirchenplatz und die anschließende
Stammtischrunde. Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist ebenso rückläufig.
Von den fast 2000 Einwohnern findet man nur mehr 200 bis 300 Personen
bei der Messe.
Engagement gefragt
Johann Kojeder sieht die Lage nüchtern. „Es darf uns dennoch nicht
genügen, am Sonntag nur in die Kirche zu gehen und danach wieder
nach Hause. Das ist zuwenig“, meint er. „Wer sein Christsein leben
will, kann nicht die Hände in den Schoß legen und sagen: da kann
man nichts machen. Es braucht das Engagement eines jeden Einzelnen“,
ist er überzeugt. „Jeder, der bei uns in der KMB mitarbeitet, ist
im gesellschaftspolitischen Bereich oder sozial engagiert“, unterstreicht
er. Vor zwei Jahren hat er die Funktion des Pfarrobmanns übernommen.
Seine Familie muss ihn seither viele Stunden im Monat entbehren,
die er für die KMB verbringt. Besonders dann, wenn er die Mitglieder
besucht. So ein Abend kann lang werden. „Da ergeben sich immer sehr
interessante Gespräche“, weiß er zu berichten. In der Aktivistenrunde
arbeitet Kojeder bereits seit 15 Jahren mit. Dort geht es um offene
Gespräche, um die Bibel ebenso wie um das eigene Glaubensleben.
Die Männer, die sich monatlich treffen, diskutieren über die Situation
der Pfarre genauso wie über die KMB. Bei den Treffen werden immer
auch Aktionen geplant. Und da hat die KMB des Ortes einiges zu bieten.
Impulsgeber Aktivistenrunde
„Der Kern unserer Gruppe sind sechs Männer“, erklärt Johann Kojeder.
„Wir treffen uns regelmäßig jeden Monat“. In jeder Runde nimmt man
sich etwas vor, was dann in die Tat umgesetzt werden soll. Jeder
übernimmt einen Teil der Vorbereitung und Durchführung. Kürzlich
war es der Pfarrkaffee. Auch in einem kleinen Ort mit etwa 1900
Einwohnern sei dies eine gute Möglichkeit, Kontake zu knüpfen, ist
Kojeder überzeugt. Auch für das kommende Jahr wurden schon einige
Vorhaben geplant. Um den 6. Dezember bieten die Männer der KMB ihre
Nikolausaktion an. Im Jänner wird eine Messe für die verstorbenen
KMB-Mitglieder gelesen und im kommenden Februar wagt sich die KMB
Haidershofen erstmals auch an einen „Männerabend“ mit Mag. Krendl
heran. Im März bietet die KMB den Dekanats-Einkehrtag im Stift Seitenstetten
an und in der kommenden Fastenzeit wird von den Männern der Aktivistenunde
in der Kirche ein Kreuzweg vorbereitet und gestaltet.
Vorhaben 2000
Im kommenden Mai will die KMB einen alten Brauch wiederbeleben:
Maiandachten bei den Kapellen und Bildstöcken. Wenn auch der Pfarrer
der Ansicht ist, dass Andachten vornehmlich in die Kirche gehören,
erhofft sich die KMB am 9. Mai dennoch viele Teilnehmer. „Diese
Maiandachten waren bei uns früher Tradition“, argumentiert Kojeder.
Einen Monat später, am 1. Juni, soll es dann eine Kapellen- und
Marterlwanderung geben, mit kurzen Andachten bei den Bildstöcken
und Erklärungen über die Entstehung dieser „christlichen Spuren
am Wegesrand“. Diese Bildstockwanderungen gibt es bereits seit einigen
Jahren und erfreuen sich bei der Bevölkerung zunehmender Beliebtheit.
Bringen sie doch ein altes christliches Kulturgut wieder in Erinnerung.
Es fehlt ein Ort der Begegnung
Das Pfarrheim, in vielen Orten Kommunikationszentrum, ist in Haidershofen
„leider in sehr desolatem Zustand“, erklärt Johann Kojeder. So wird
es derzeit nur in dringenden Fällen benutzt, etwa beim Pfarrfest,
beim Pfarrkaffee oder beim jährlichen Adventmarkt. Die Jungschargruppe
ist bereits in die Volksschule ausgewandert und der „Frauentreff“
hat sich ebenfalls eine andere Bleibe gesucht. Das Dach der Kirche
wurde vor Kurzem schon renoviert. Dabei hat auch die KMB fest Hand
mit angelegt. Eine Renovierung des Pfarrheimes dürfte vielen Gläubigen
ein großes Anliegen sein.
Die Jüngeren fehlen
Von den 80 KMB-Mitgliedern der Pfarre sind die Hälfte über 60 Jahre,
weist der Obmann hin. Aber jüngere Männer für die KMB zu gewinnen,
ist keine leichte Aufgabe. Beruflich bedingt müssen viele nach Steyr
oder Linz auspendeln. Wenn sie abends nach Hause kommen, sind sie
müde und abgespannt. Am Wochenende wartet dann noch die Familie
oder die Arbeit auf der eigenen Baustelle. „Es ist ein Zeitproblem,
warum sich jüngere Männer bei der KMB nicht engagieren“, meint Johann
Kojeder. Gerade deshalb sucht er das persönliche Gespräch, wenn
er mit der Jugend zusammentrifft. Er selbst kommt aus der Kath.
Jugend-Land und war einst Diözesansekretär.
Ausgetretene Pfade verlassen
Für die Zukunft hat sich der engagierte KMB-Obmann einiges vorgenommen.
„Wir wollen keine Gruppe sein, die ausstirbt, sondern eine Zukunft
hat“, betont er. Dafür müsse aber etwas getan werden. So ist sein
Plan, einen „KMB-Stammtisch“ oder eine „Männerrunde“ zu initiieren.
Dort sollen vor allem jüngere Männer offen miteinander reden können,
was anderswo nicht so möglich ist. „Wir müssen unsere ausgetretenen
Pfade verlassen“, betont er. Haiders-hofen hat dabei schon den ersten
Schritt getan.
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Die Aktivistenrunde
von Haidershofen
(v.l.n.r.) Konrad Kalkhofer,
Hans Kojeder,
Johann Geiblinger,
Franz Brantner und
Hubert Kogler.
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