Meine Meinung
Entschuld(ig)en Sie!
Unter diesem Motto wird seit geraumer Zeit eine Aktion propagiert,
bei der es darum geht, Ländern der sogenannten dritten Welt ihren
Schuldenberg zu verkleinern oder nach Möglichkeit ganz zu erlassen.
Warum sollten die Gläubigerstaaten das tun? Wer soll den Ausfall
tragen? Wem nützt das überhaupt? Kurz gesagt, ist das nicht wieder
eine Utopie von Entwicklungshilferomantikern?
Das Jahr 2000 ist für die katholische Kirche ein heiliges
Jahr in dem Erinnerungen an das Jubeljahr des alten Testament anklingen.
Im Buch Levitikus kann man nachlesen, dass in diesem Jahr jedem
seine Freiheit und sein Besitz zurückzugeben war. Nun wird mancher
einwenden, das galt für eine ganz andere Gesellschaft. Mag stimmen,
aber die Begründung für diese Anweisung liegt in der Freiheit und
Würde des Menschen, die ihm durch Gott gegeben ist. Im Buch Levitikus
wird ausdrücklich auf die Befreiung aus dem Sklavenhaus Ägypten
hingewiesen. Auch heute geht es um die Menschen in den ärmsten Ländern
der Welt. Wenn wir von diesen Staaten verlangen, ihre Schulden samt
Zinseszinsen zurückzuzahlen, so sind diese gezwungen an den notwendigsten
Ausgaben im eigenen Land zu sparen. Ausgaben für Gesundheit und
Schulen, für Nahrung und den Aufbau eigener wirtschaftlicher Strukturen.
Da die industrialisierten Länder die Bedingungen der Weltwirtschaft
zu ihren Gunsten festlegen, bestimmen sie auch den Erlös für Produkte
der Entwicklungsländer. Meist reichen diese Erlöse aber nicht einmal
aus um die Kreditzinsen zu zahlen.
Wie soll ein Land jemals seine Schulden tilgen können?
So ist die Entschuldung, die von einigen europäischen Ländern auch
schon durchgeführt wurde, ein erster, wichtiger Schritt um verarmten
Ländern wieder eine Chance zu geben.
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DI Dr. Leopold Wimmer,
Obmann
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