Entschuldungsaktion
Wir sparen auf dem Rücken der Ärmsten
„Österreich ist das drittreichste Land der EU und im Rahmen der
Entwicklungszusammenarbeit einer größeren Anstrengung fähig“ so
lautet die Kritik der OECD an der Leistungsunwilligkeit der öffentlichen
Entwicklungszusammenarbeit.
Wir wären verpflichtet 0,7 Prozent des Bruttonationalprodukts der
Entwicklungszusammenarbeit zu widmen, brachten es jedoch nur auf
0,22 % des BNP (weit unter dem EU-Durchschnittswert). Anstatt sich
dieser Kritik anzunehmen, reagiert die Bundesregierung mit einer
gravierenden Kürzung. Oft bewirkt Entwicklungshilfe für die „Dritte
Welt“ in Form von Spenden keine echte und dauerhafte Verbesserung
der Situation. Hier ist die gesamte Politik gefordert. Es gibt heutzutage
kaum ein Land, das keine Auslandsschulden hat, doch bei den Entwicklungsländern
hat dies katastrophale Auswirkungen erreicht.
Schuldenberge zu groß
Die meisten Entwicklungsländer sind nicht mehr in der Lage, die
Schuldenberge abzubauen. Sicherlich auch aus Gründen, die in den
Ländern selber liegen, vor allem aber, weil die wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen diese Länder laufend benachteiligen. Und dieser
Schuldenberg vergrößert täglich die Armut der Menschen. Die Gesundheitsversorgung
bricht zusammen, die Analphabetenrate steigt, Arbeitsplätze gehen
verloren, weil jeder einzelne Schilling für den Schuldendienst verwendet
werden muss. Viele von Ihnen spenden immer wieder bei Aktionen wie
KMB Augustsammlung, Sei so frei, Dreikönigsaktion,... für Notleidende
in der Welt. Das ist auch wichtig und richtig. Ein deutscher Wirtschaftsexperte
hat errechnet, dass die gesamte Spendensammlung des reichen Nordens,
d.h. Europa und USA, eines Jahres gerade ausreichen würde, um 12
Tage lang nur die Zinsen der Schulden der Entwicklungsländer zu
bezahlen. Das heißt natürlich keinesfalls, Sie sollen nicht mehr
spenden, ich will nur an diesem Rechenbeispiel aufzeigen, welche
Dimension die Verschuldung der Dritten Welt erreicht hat und die
Wichtigkeit der Entschuldung betonen. Der reiche Norden fordert
seine Rückzahlungen.
Wo soll gespart werden?
Und wo soll gespart werden? Bei der Gesundheitsversorgung, dem
Bildungswesen, der sozialen Absicherung, usw. In den letzten Jahren
regt sich der Widerstand gegen diese Art von Wirtschaftspolitik.
Gerade die kirchlichen Organisationen prangern diese Ungerechtigkeit
an. Die internationale Kampagne „Erlassjahr 2000“ bzw. „Jubilee
2000“, getragen von 23 zumeist kirchlichen Organisationen hat zwei
Ziele: - Einen weitreichenden Schuldenerlass für die armen Länder
der Erde im Jahr 2000. - Die völkerrechtlich verbindliche Neugestaltung
internationaler Finanzbeziehungen im Sinne eines fairen Interessenausgleichs
zwischen Schuldnern und Gläubigern. Schon im alten Testament waren
Gnaden- oder Jubeljahre festgeschrieben. Sie richteten sich gegen
die Anhäufung von Landbesitz, hoben die Unterschiede zwischen Sklaven
und Herren auf und tilgten anhaltende Veschuldung. In unserer Diözese
unterstützen wir diese Kampagne, vor allem auch deshalb, weil wir
der Meinung sind, dass die Entschuldung ein urchristliches Anliegen
ist, wie wir alle es tagtäglich im Vater unser beten: „Vergib uns
unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Es ist
unser Glaube, der uns weltweit eint und der es uns möglich macht,
Berge zu versetzen, auch wenn es sich um Schuldenberge handelt.
Eva-Maria Mayr WEKEF-Bildungsreferentin
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Entschulden würde vor
allem die Zukunft der
Kinder sichern.
Foto: WEKEF
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