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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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Wo bleibt die Freude?

Zeit der Narren - Fasching 2000

Von Rio bis Venedig, von Mainz bis Villach - Jubel, Trubel, Heiterkeit, Helau und Lei-Lei, Klamauk, Konsum und Katzenjammer: aber wo bleibt die Freude?

- Peter F. Moser -

Der Advent erstickt bereits im Konsumrausch, die kirchlichen Feiertage sind nur mehr willkommene Termine für einen Kurzurlaub, - ja und fasten tut man dann, wenn es die Figur oder der Arzt nahelegen. Und der Fasching? Lässt sich Freude zu bestimmten Terminen verordnen und erzwingen? Viele haben heute wenig Grund zum Lachen und können sich eine ausschweifende Ballsaison gar nicht leisten. Büttenreden und Umzüge haben vielfach ihren Reiz und den Publikumszuspruch verloren und das Faschingstreiben reicht mancherorts weit in die Fastenzeit hinein. Der traditionelle Fasching zerreibt sich zwischen Übersättigung und „nicht genug kriegen können“.

Alles hat seine Zeit

Bereits im Buch Kohelet heißt es, dass es für jedes Geschehen unter dem Himmel eine bestimmte Zeit gibt, so auch eine Zeit für den Tanz (Koh 3,4). Dass sich die variable Länge der Faschingszeit am Aschermittwoch, und somit am Osterfest orientiert, ist bekannt. Auch der 11. November als Beginn der Karnevalszeit ist durch den kirchlichen Kalender bedingt. In Gallien (Frankreich) wurde der Advent früher sechs Wochen begangen,- bezogen auf das Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Jänner. Vor der adventlichen Bußzeit entwickelte sich, parallell zu den Tagen vor dem Beginn der Fastenzeit, ein Karneval. Daraus berechnete sich der 12. November als Beginn der vorweihnachtlichen Bußzeit. Das Wort Fasching erscheint im 13. Jahrhundert als vaschang oder vastschang und wurde als „Ausschenken des Fastentrunks“ verstanden (Duden, Herkunftswörterbuch, Etymologie der deutschen Sprache, Mannheim 1989). So führt auch unser hwst. Herr Weihbischof Dr. Heinrich Fasching in der heraldischen Ausdeutung seines Namens einen goldenen Noppenbecher in seinem Wappen, der auf dieses „Ausschenken des Fastentrunks“ hinweisen soll. Auch das Wort Karneval, das um 1700 aus dem Italienischen übernommen worden ist, verweist auf reichliches Essen und Trinken vor der strengen 40-tägigen Fastenzeit. „Carne levale“ oder „Carne vale“ lässt sich im Küchenlatein als „Fleisch lebe wohl!“ übersetzen.

Rollentausch

Wichtig in der geschichtlichen Entwicklung unseres heutigen Faschings waren die sogenannten „Narrenfeste“, pseudoreligiöse Feierlichkeiten, die vom 11. bis ins 15. Jahrhundert sehr beliebt waren. Man nimmt heute an, dass sie ihren Ursprung in den römischen Saturnalien hatten, einem Fest, bei dem die Rollen zwischen Sklaven und Herren zeitweilig vertauscht wurden. Diesen Brauch gab es auch im kirchlichen Bereich, wobei die Subdiakone den Rang und die Privilegien der höheren Geistlichkeit übernahmen und als Pseudobischöfe regierten. Als der Bogen dieser „verkehrten Welt“ überspannt wurde, mussten diese Umtriebe von der staatlichen Obrigkeit verboten werden. Der Karneval wurde von der Kirche gefördert, zumindest zeitweise im 13. und 14. Jhdt. Die Reformatoren, vor allem die Calvinisten, bezogen den Karneval und die Fastnachtsbräuche in ihre Religions- und Kirchenkritik mit ein, sodass der Fasching heute weitgehend Brauchtum katholischer Gebiete ist. Legendär sind die Faschingspredigten des oberösterreichischen Pfarrers Holzapfel. Es soll auch so sein, dass in manchen Pfarren am Faschingsonntag der Mesner eine humorvolle „Predigt“ hält. Auch bieten viele Pfarren eigene Faschingsveranstaltungen an, für Kinder bis zu den Senioren. Und doch gilt das Verhältnis „Fasching - Kirche“ heute als belastet. Obwohl Karneval- und Faschingsfeiern möglicherweise sogar einen christlichen Ursprung haben, erhielten sie durch die nachfolgende Fastenzeit einen eigenen Charakter. Die anthropologischen Grundlagen sind die Aufhebung der normalen Ordnung, die Absetzung der Autoritäten, das Verkleiden und die Ausgelassenheit. Diese Riten haben Ventilfunktion und bieten Möglichkeiten, in einem gesellschaftlichen Freiraum ein anderes Verhalten auszuprobieren, die vorhandenen Institutionen und Autoritäten zu relativieren. So steht der Fasching in einem Wechselverhältnis zum normalen Alltag. Er vermittelt Erfahrungen, die über die Alltagswelt hinausgehen, freilich auf andere Weise, als die religiösen Feste in unserem Kulturkreis. 1976 hatte der Schweizer Liturgiker Alberich Altermatt vorgeschlagen, zum Gottesdienst Kinder in Kostümen einzuladen. Am Beispiel des Verkleidens sollte das Pauluswort verdeutlicht werden, sich mit der Herrlichkeit Gottes wie mit einem neuen Gewand zu bekleiden. Doch im November 1990 sah sich das Wiener Diözesanblatt genötigt, zum Problem Fasching in der Kirche festzustellen: „In der Faschingszeit wird manchmal von Gruppen oder Personen der Wunsch (...) herangetragen, eine „Faschingsmesse“ vorzubereiten (...) Christen feiern, besonders wenn sie am Tag des Herrn zusammenkommen, den Tod und die Auferstehnung des Herrn. Das Thema und der Inhalt der Eucharistiefeier können daher nicht der „Fasching“ oder die Faschingsfreude (...) sein. (...) Die von Gott geschenkte Freude hat in jedem Gottesdienst seinen Platz; sie muss nicht erst künstlich im Fasching in der Feier einer „Faschingsmesse“ erzeugt werden. Manche Verantwortliche in der Liturgie laden die Kinder oder Mitfeiernden ein, mit Maske oder geschminkten Gesichtern den Gottesdienst mitzufeiern. Doch vor Gott braucht der Mensch sich nicht zu verbergen oder hinter einer Maske zu verstecken (...) Deshalb sind Masken, Schminke oder Faschingskostüme für die liturgische Feier unangebracht. Die Liturgieverantwortlichen in einer Gemeinde sollten deshalb darauf achten, dass die Feier von Tod und Auferstehung nicht um eines billigen „Faschingsgags“ willen missbraucht wird. (...) So die Verordnung im Wiener Diözesanblatt.

Hl. Philipp Neri

Vielfach spüren wir, dass in unseren Gottesdiensten, aber auch unserem Christsein im Allgemeinen die Freude fehlt, dass wir, wie Nietzsche den Christen vorwirft, zuwenig „erlöst“ aussehen. Diese Freude lässt sich auch durch Masken und Kostüme nicht erzeugen oder erzwingen. In einer Predigt habe ich unlängst gehört, dass das Wort „Freude“ in der Hl. Schrift 365 mal vorkommen soll, - gleichsam für jeden Tag einmal. Im Philipperbrief heißt es in 3,1: „ Vor allem, freut euch im Herrn!“ Auch manche Heilige gelten als Musterbeispiel innerer Fröhlichkeit, so z. B. der 1515 geborene hl. Philipp Neri. Man nannte ihn den „heiligen Komödianten“, den „Spaßvogel Gottes“, weil er immer wieder zu Späßen und kleinen Verrücktheiten aufgelegt war. Gleichzeitig wurde er schon zu Lebzeiten wie ein Heiliger verehrt, in Rom nannte man ihn nur „pippo buono“, das Volk und vor allem die Kinder, liebten ihn, er galt als „fröhlicher Botschafter“ der Kirche.

Die innere Freude

Im Mittelpunkt der von ihm gegründeten Priesterkongregation der Oratorianer stand das Bemühen, bei den Menschen durch eigene Fröhlichkeit und Begeisterung die Freude an Gott zu wecken, nach dem Wort: „die Freude an Gott ist unsere Kraft“. Der Fasching kann für unsere Pfarren und Gruppen ein willkommener Anlass sein, abseits des Gottesdienstes, frohe und unbeschwerte Stunden der Gemeinschaft zu erleben, wo man die innere Freude spürt, die von und durch Christus kommt, dass wir diese Freude miteinander teilen. Die Freude an Gott ist jene Kraft, die wir für unser tägliches Christsein brauchen. Vielleicht schauen wir dann wirklich „erlöster“ aus und geben dadurch der Welt Zeugnis von unserem Glauben, unserer Hoffnung und unserer gegenseitigen Liebe.

Im Fasching wächst
die Lust am Verkleiden.
Foto: NÖN-Archiv


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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr