Männer auf der Suche?
Wenn wir schwach werden...
Aller Anfang ist schwierig. Dabei ist es ständig von uns gefordert
anzufangen, zumindest Veränderung zuzulassen. Haben wir das nötig?
- Mag. Anton Knoll, Pädagoge und Männerberater -
Oft sind gerade die, die von uns Neues, Neu-orientierung und schon
wieder Veränderung verlangen solche, die Nicht-Männer sind, nämlich
Frauen. Sie sind unzufrieden mit uns, machen Anspielungen über diese
und jene Schwäche, manchmal tragen sie auch - wie beschämend für
uns - etwas davon zu ihrer besten Freundin und überhaupt liegt es
permanent an uns, wenn es ihnen nicht gut geht. Ich kenne einige
solche Männer, die es einfach nicht verstehen können, warum ihre
Frau mit den Kindern plötzlich aus heiterem Himmel auszieht aus
dem gemeinsamen Heim, den Mann als ausgebrannten nutzlosen Teil
vom Familien-shuttle absprengt, damit er in den äußeren Schichten
der Atmosphäre endlich verglühe. Ein Knall, kein Gespräch, kein
Versuch des Verstehens. Was Männer vielfach dann bleibt ist ein
sich Ergeben, ein Fügen, denn schlechtes Gewissen bindet Hände und
Füße, Fehler und Versagen kleben an ihnen wie Pech. Groß muss oft
für den Mann der Druck werden, die Lage fast aussichtslos, bis er
sich eingesteht, alleine kann ich so nicht mehr weiter. Manche meinen
auch dann noch: „Ich bin ohnehin immer so geblieben, wie ich war.
Und anfangs war sie doch voll zufrieden mit mir!“ Wir Männer müssen
einfach mehr und besser auf uns schauen! Es macht einen Unterschied,
ob die Natur uns mit dem anderen Geschlecht zusammenführt, damit
wir nicht aussterben, oder ob wir selbst Verantwortung für unsere
Beziehungen übernehmen. Ein Vorschlag, wie wir aufmerksamer auf
uns und unsere Verantwortung achten können:
Schritt 1:
Nimm dich selber wahr als Mensch, als Mann mit einer eigenen Geschichte,
mit einem Körper, der kein Roboter, keine Maschine und schon gar
nicht eine Kampfmaschine ist!
Schritt 2:
Setze dich auseinander mit den Belastungen und Reibungspunkten im
Alltag von Beruf, Familie und Partnerschaft! Nimm deine und anderer
Grenzen wahr!
Schritt 3:
Bedenke die Frauengeschichte(n) in deinem Leben: Mutter, Großmütter
und Schwester(n), Tante(n) und Mutter Kirche! Welche Bilder und
Phantasien kreisen in dir rund um sie?
Schritt 4:
Durchleuchte die Männergeschichte(n) in deinem Leben: Vater, Großväter
und Brüder, Onkel(n) und alle Pseudoväter! Welche lieblosen Aufträge,
welche brauchbaren Ideen haben sie dir vererbt?
Schritt 5:
Frage dich: Wie sind mir die Übergänge gelungen in den Krisenzeiten
der Entwicklungsphasen meiner Person? In welchen Situationen handle
ich immer noch wie das Baby an der Mutterbrust, wie der kleine Junge,
dem das Spielzeug abhanden gekommen ist, wie der Halbwüchsige, den
seine erste Ejakulation und der Drang zu onanieren total überraschte,
wie der junge Mann, der den Vater abwertete, damit er selber gut
dasteht, wie ...
Schritt 6:
Frage dich: Wie schaffe ich Unabhängigkeit und damit Raum für das,
was ich schon immer verwirklichen wollte, wozu ich die Kraft in
meinem Herzen spüre, was mich erfüllt und berührt, mich bewegt und
begeistert? Hier ist auch der Platz, dass ich für meine Männlichkeit
sorge, mir als Mann den Platz nehme, der mir zusteht, meinem Mannsein
und meiner Person Gewicht und Bedeutung zumesse.
Schritt 7:
Nachdem vieles geklärt, manches ans Licht gehoben, etliches entscheidend
geändert ist, ist es möglich in einer neuen Form die Lebendigkeit
einer Beziehung zu genießen und gleichzeitig dem eigenen Wesen sehr
nahe zu sein. Eine Männergruppe kann unendlich Wertvolles unterwegs
von Schritt 1 zu Schritt 7 beisteuern und leisten: Männer, die sich
treffen und darüber reden, was ihnen fehlt, was sie trübt, was ihnen
Belastungen schafft, was sie weiterbringt und was ihnen gefällt.
Manche Gruppen suchen sich zur zeitweiligen Begleitung einen Experten,
Therapeuten oder Weisen und sichern sich so ihren persönlichen Fortschritt.
Männerberatung
hilft manches zu klären, etwas neu zu beleuchten, anders oder weiter
zu sehen. Entlastung und Orientierung ebnen den Weg! Selbsterfahrung
und therapeutisches Setting führen in die Tiefe zu den beengenden
Themen verstrickter Geschichte. Entwirrung und Blick auf Jetztzeit
und Zukunft wird möglich und hilfreich.
Systematische Be(un)ruhigung
Eine echte und ehrliche Lösung vieler Probleme wird verhindert durch
die verbissene Suche nach der „ursächlichen Schuld“. Wo hat sie
angefangen, das Übel? Ist die Mutter schuld oder der Vater, die
Kirche oder sind es überhaupt alle anderen? Die Frage, „Wer hat
Schuld?“ lenkt den Blick in die Vergangenheit und schafft Wertungen
oder Verurteilungen. So wird die Schuldfrage leicht zur Täuschung
und zum Ablenkmanöver. Es sind die schönsten Augenblicke in der
beraterischen Begleitung von Männern, Entschuldung und Entspannung,
Aufatmen und Aufleuchten zu merken, wenn bislang unverstandene Schuldzuweisung
durchschaubar wird. Das ebnet gründlich den Weg in die Zukunft.
Energie tritt an die Stelle von Müdigkeit, Zuversicht an die Stelle
von Überforderung, Mut an die Stelle von Resignation. Genuss und
Vergnügen an die Stelle von Sucht und emotionaler Kontrolle.
|
 |

|