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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    März 2000  
Brauchen Männer das religiöse Gespräch?

Miteinander über den Glauben reden

Ein junger Mann erzählt mir unter anderem, dass ihm die Anbetung des Allerheiligsten viel bedeutet. Auf mein Nachfragen hin begründet er seine Aussage: Hier hat er Christus in der Brotgestalt vor Augen, hier erfährt er die Nähe Gottes, das Vertrautsein ist ganz einfach vorhanden. Noch immer nicht zufrieden frage ich weiter: Und? Schweigen, dann: na, jetzt fällt mir nichts mehr ein. „Ist die Eucharistie nicht d a s Zeichen seiner Liebe zu uns, einer Liebe, die sich ganz für uns hingibt?“ Mein Gesprächspartner nickt und bedeutet mir, dass er alles, was er gesagt hat in diesem Sinne gemeint hat. Gemeint schon, gesagt nicht. Männern fällt es nicht leicht, über ihren Glauben zu reden. Wir haben einige befragt. Hier ihre kurzgefassten Antworten.

Rotheneder Leopold :
Die Beantwortung dieser Frage möchte ich nach dem „wo“ untergliedern, da es sicherlich auf das jeweilige Umfeld ankommt, „wie“ ich über meinen Glauben reden kann. In der Familie richtet sich die Art der Glaubensgespräche im wesentlichem nach dem jeweiligen Alter der Kinder. Dies beginnt mit Erzählungen und Beantwortung von neugierigen Fragen im Vorschulalter, Begleitung der Kinder durch beide Elternteile beim Religionsunterricht während der Pflichtschulzeit, besonders während der Vorbereitungszeit für die Erstkommunion und für die Firmung. Selbstverständlich kommt es auch immer wieder zu Glaubensgesprächen mit der Gattin, sei es im Zuge der Vorbereitung für eine Helferinnen-runde oder Aktivistenrunde, zu einer Predigt, zu einem Artikel in den Medien oder zu einem religiösen Vortrag etc. Das mit meiner Frau gemeinsame Unterrichten von Firmgruppen über einen Zeitraum von acht Jahren war ebenfalls eine schöne Gelegenheit, mit jungen Menschen über den Glauben zu reden und zu versuchen, die eigenen Glaubenserfahrungen mitzuteilen. In der Katholischen Männerbewegung ist selbstverständlich die monatliche Aktivistenrunde der fixe Bestandteil für Glaubensgespräche. In der Aktivistenrunde wird immer wieder versucht, das Evangelium durch das gemeinsame Gespräch besser zu verstehen und auch danach zu handeln. Auch unter meinen Berufskollegen wird neben den Diskussionen über Probleme in der Kirche immer wieder auch über Glaubensthemen gesprochen, zum Beispiel über die Auslegung eines Gebotes, über christliches Verhalten von Kollegen die als praktizierende Christen gelten, aber auch über religiöse Lebenserfahrungen. Da in der Nachbarschaft nicht nur der Kirche nahestehende Familien wohnen, jedoch die aktive Mitarbeit unserer Familie allseits bekannt ist, kommt es hin und wieder in dieser Gemeinschaft zu Gesprächen über den Glauben, die auch schon Stunden gedauert haben und sehr ehrlich und offen waren. Zusammenfassend kann man sagen, dass es überall, wo es Gemeinschaften von Menschen gibt auch religiöse Spuren erkennbar sind und auch über den Glauben gesprochen wird.

Franz Bruckner:
Wo: In der Familie, in der Aktivistenrunde der KMB ist es sicher leichter zu reden. Am Stammtisch beim Frühschoppen ist es schon etwas schwieriger. Am Land in einer kleinen Pfarre, wo jeder jeden kennt, wo man sein Verhalten zur Kirche, zum Gebet, zum Sonntag weiß, wird man angesprochen. Wie: Wenn man von einem Mann die Einstellung weiß, ist man auch geneigt, diesen Mann zu fragen: Wieso, warum der Sonntag, das Gebet einem so ein großes Anliegen ist, noch dazu wenn einer heutzutage den Sonntag bewusst als arbeitsfreien Tag hoch hält und für sich selbst, die Großfamilie und Freunde verwendet.

Wolfgang Jung, Student:
Was glaubst du eigentlich, was du glaubst ....?! Mein Glaube begleitet mich überall hin. Er ist für mich selbstverständlich da. Aber ebenso muss ich für meinen Glauben da sein. Nur wenn ich meinen Glauben anderen gegenüber „glaubhaft“ vertreten kann, ist er für mich ein stärkender Faktor. Für mich beginnt mein Glaube mit der Erziehung und vor allem dem Beispiel meiner Eltern. Es war in meiner Kindheit etwas alltägliches, nicht theologisch abgehobenes, mit dem ich andauernd konfrontiert wurde. Sei es beim Tischgebet oder auf Wanderungen, in der Sonntagsmesse oder bei Geburtstagen. Hie ein Gebet, dort ein „Grüß Gott“, da ein kurzer Besuch einer Kirche. Alles Rituale, die ich anfangs mitgemacht habe, weil meine Eltern es taten. Aber im Laufe der Zeit habe ich sie liebgewonnen. Und immer mehr bemerke ich, dass ich mich durch diese Rituale von anderen unterscheide. Wenn mir überall ein „Guten Tag“ entgegenschallt und ich mit „Grüß Gott“ antworte. Oder wenn ich beim Besuch einer Kirche auf mehr achte als die kunsthistorischen Attraktionen ... Viel wichtiger als die Rituale ist es, meinen Glauben zu leben. In meiner Lebensspanne von 24 Jahren habe ich schon fast alle Evangelien und viele Predigten gehört. Wieviel aber kann ich davon in meinem Leben umsetzen? Zum Beispiel Franz von Assisi hat seinen Reichtum unter den Armen verteilt, seinen Besitz weggegeben. Was heißt das für mich, der ich in einer konsum- und leistungsorientierten Welt aufgewachsen bin und noch immer lebe?! Letztendlich kann ich nur nach meinem Gewissen handeln. Durch meinen Glauben beeinflusst, fälle ich immer wieder Entscheidungen, die oft nicht perfekt sind, so wie ich selber es nicht bin. Aber je öfter ich an meine Glaubensgrundsätze denke und danach handle, umso näher komme ich dem Weg, den Jesus Christus vor uns vorangegangen ist.

Franz Holnthoner, Religionslehrer:
Als Religionslehrer einer Wiener Hauptschule bin ich ständig mit der Frage der Schüler konfrontiert: „Herr Lehrer glauben Sie eigentlich das, was Sie uns da verzapfen?“ Die Weitergabe unseres christlichen Glaubens an die 10-14-jährigen Jugendlichen ist ein sehr schwieriges bis mitunter frustrierendes Unterfangen. Die Festigkeit im Glauben ist Gundvoraussetzung für mich, wenn ich in eine Klasse gehe, um von Gott und seinem Wirken zu erzählen. Ich frage mich oft, wie war das bei mir, wie kam ich dazu, mein Leben auf Gott, auf Jesus und sein Evangelium auszurichten? In der 8. Klasse Gymnasium - ich war in einem katholischen Internat - musste ich eine Andacht vorbereiten. Ich habe damals das „Große Glaubensbekenntnis der Kirche“ als Vorlage bekommen. Beim Lesen und Nachdenken bin ich bei einem Satz hängengeblieben, der mein Glaubensleben nachhaltigst geprägt hat. Der Satz lautet: „...Für uns Menschen und unser Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist und ist Mensch geworden ...“. Im Lauf der Jahre und durch das Theologiestudium ist mir immer bewusster geworden, Glaube ist eine Kraft, die mich beflügelt, eine heilbringende Kraft. Gott kommt zu mir, er nimmt mich ernst, er möchte mich heil machen, er sagt ja zu mir, wie kein Mensch dazu fähig ist. Von dieser heilmachenden Liebe bin ich so getroffen und gestärkt worden, dass ich die Verkündigung des Evangeliums zu meinem Beruf gemacht habe. Und dieses Bekenntnis, Gott ist Mensch geworden und durch sein heilbringendes Wirken bin ich ein erlöster, befreiter Mensch, ist Auftrag für mich in die Schulklassen zu gehen und jungen Menschen von Gottes heilendem Wirken in unserer so unheilvollen Welt zu erzählen. Ich versuche, ihnen spüren zu lassen, Gott liebt dich auch dann, wenn du von ihm nichts wissen willst. Ein Leben ohne Gott und meinen Glauben an ihn wäre für mich unvorstellbar. Es wäre trostlos und leer.

Vier Männer über ihren Glauben


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    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr