Brauchen Männer das religiöse Gespräch?
Miteinander über den Glauben reden
Ein junger Mann erzählt mir unter anderem, dass ihm die Anbetung
des Allerheiligsten viel bedeutet. Auf mein Nachfragen hin begründet
er seine Aussage: Hier hat er Christus in der Brotgestalt vor Augen,
hier erfährt er die Nähe Gottes, das Vertrautsein ist ganz einfach
vorhanden. Noch immer nicht zufrieden frage ich weiter: Und? Schweigen,
dann: na, jetzt fällt mir nichts mehr ein. „Ist die Eucharistie
nicht d a s Zeichen seiner Liebe zu uns, einer Liebe, die sich ganz
für uns hingibt?“ Mein Gesprächspartner nickt und bedeutet mir,
dass er alles, was er gesagt hat in diesem Sinne gemeint hat. Gemeint
schon, gesagt nicht. Männern fällt es nicht leicht, über ihren Glauben
zu reden. Wir haben einige befragt. Hier ihre kurzgefassten Antworten.
Rotheneder Leopold :
Die Beantwortung dieser Frage möchte ich nach dem „wo“ untergliedern,
da es sicherlich auf das jeweilige Umfeld ankommt, „wie“ ich über
meinen Glauben reden kann. In der Familie richtet sich die Art der
Glaubensgespräche im wesentlichem nach dem jeweiligen Alter der
Kinder. Dies beginnt mit Erzählungen und Beantwortung von neugierigen
Fragen im Vorschulalter, Begleitung der Kinder durch beide Elternteile
beim Religionsunterricht während der Pflichtschulzeit, besonders
während der Vorbereitungszeit für die Erstkommunion und für die
Firmung. Selbstverständlich kommt es auch immer wieder zu Glaubensgesprächen
mit der Gattin, sei es im Zuge der Vorbereitung für eine Helferinnen-runde
oder Aktivistenrunde, zu einer Predigt, zu einem Artikel in den
Medien oder zu einem religiösen Vortrag etc. Das mit meiner Frau
gemeinsame Unterrichten von Firmgruppen über einen Zeitraum von
acht Jahren war ebenfalls eine schöne Gelegenheit, mit jungen Menschen
über den Glauben zu reden und zu versuchen, die eigenen Glaubenserfahrungen
mitzuteilen. In der Katholischen Männerbewegung ist selbstverständlich
die monatliche Aktivistenrunde der fixe Bestandteil für Glaubensgespräche.
In der Aktivistenrunde wird immer wieder versucht, das Evangelium
durch das gemeinsame Gespräch besser zu verstehen und auch danach
zu handeln. Auch unter meinen Berufskollegen wird neben den Diskussionen
über Probleme in der Kirche immer wieder auch über Glaubensthemen
gesprochen, zum Beispiel über die Auslegung eines Gebotes, über
christliches Verhalten von Kollegen die als praktizierende Christen
gelten, aber auch über religiöse Lebenserfahrungen. Da in der Nachbarschaft
nicht nur der Kirche nahestehende Familien wohnen, jedoch die aktive
Mitarbeit unserer Familie allseits bekannt ist, kommt es hin und
wieder in dieser Gemeinschaft zu Gesprächen über den Glauben, die
auch schon Stunden gedauert haben und sehr ehrlich und offen waren.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es überall, wo es Gemeinschaften
von Menschen gibt auch religiöse Spuren erkennbar sind und auch
über den Glauben gesprochen wird.
Franz Bruckner:
Wo: In der Familie, in der Aktivistenrunde der KMB ist es sicher
leichter zu reden. Am Stammtisch beim Frühschoppen ist es schon
etwas schwieriger. Am Land in einer kleinen Pfarre, wo jeder jeden
kennt, wo man sein Verhalten zur Kirche, zum Gebet, zum Sonntag
weiß, wird man angesprochen. Wie: Wenn man von einem Mann die Einstellung
weiß, ist man auch geneigt, diesen Mann zu fragen: Wieso, warum
der Sonntag, das Gebet einem so ein großes Anliegen ist, noch dazu
wenn einer heutzutage den Sonntag bewusst als arbeitsfreien Tag
hoch hält und für sich selbst, die Großfamilie und Freunde verwendet.
Wolfgang Jung, Student:
Was glaubst du eigentlich, was du glaubst ....?! Mein Glaube begleitet
mich überall hin. Er ist für mich selbstverständlich da. Aber ebenso
muss ich für meinen Glauben da sein. Nur wenn ich meinen Glauben
anderen gegenüber „glaubhaft“ vertreten kann, ist er für mich ein
stärkender Faktor. Für mich beginnt mein Glaube mit der Erziehung
und vor allem dem Beispiel meiner Eltern. Es war in meiner Kindheit
etwas alltägliches, nicht theologisch abgehobenes, mit dem ich andauernd
konfrontiert wurde. Sei es beim Tischgebet oder auf Wanderungen,
in der Sonntagsmesse oder bei Geburtstagen. Hie ein Gebet, dort
ein „Grüß Gott“, da ein kurzer Besuch einer Kirche. Alles Rituale,
die ich anfangs mitgemacht habe, weil meine Eltern es taten. Aber
im Laufe der Zeit habe ich sie liebgewonnen. Und immer mehr bemerke
ich, dass ich mich durch diese Rituale von anderen unterscheide.
Wenn mir überall ein „Guten Tag“ entgegenschallt und ich mit „Grüß
Gott“ antworte. Oder wenn ich beim Besuch einer Kirche auf mehr
achte als die kunsthistorischen Attraktionen ... Viel wichtiger
als die Rituale ist es, meinen Glauben zu leben. In meiner Lebensspanne
von 24 Jahren habe ich schon fast alle Evangelien und viele Predigten
gehört. Wieviel aber kann ich davon in meinem Leben umsetzen? Zum
Beispiel Franz von Assisi hat seinen Reichtum unter den Armen verteilt,
seinen Besitz weggegeben. Was heißt das für mich, der ich in einer
konsum- und leistungsorientierten Welt aufgewachsen bin und noch
immer lebe?! Letztendlich kann ich nur nach meinem Gewissen handeln.
Durch meinen Glauben beeinflusst, fälle ich immer wieder Entscheidungen,
die oft nicht perfekt sind, so wie ich selber es nicht bin. Aber
je öfter ich an meine Glaubensgrundsätze denke und danach handle,
umso näher komme ich dem Weg, den Jesus Christus vor uns vorangegangen
ist.
Franz Holnthoner, Religionslehrer:
Als Religionslehrer einer Wiener Hauptschule bin ich ständig mit
der Frage der Schüler konfrontiert: „Herr Lehrer glauben Sie eigentlich
das, was Sie uns da verzapfen?“ Die Weitergabe unseres christlichen
Glaubens an die 10-14-jährigen Jugendlichen ist ein sehr schwieriges
bis mitunter frustrierendes Unterfangen. Die Festigkeit im Glauben
ist Gundvoraussetzung für mich, wenn ich in eine Klasse gehe, um
von Gott und seinem Wirken zu erzählen. Ich frage mich oft, wie
war das bei mir, wie kam ich dazu, mein Leben auf Gott, auf Jesus
und sein Evangelium auszurichten? In der 8. Klasse Gymnasium - ich
war in einem katholischen Internat - musste ich eine Andacht vorbereiten.
Ich habe damals das „Große Glaubensbekenntnis der Kirche“ als Vorlage
bekommen. Beim Lesen und Nachdenken bin ich bei einem Satz hängengeblieben,
der mein Glaubensleben nachhaltigst geprägt hat. Der Satz lautet:
„...Für uns Menschen und unser Heil ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist und ist Mensch geworden
...“. Im Lauf der Jahre und durch das Theologiestudium ist mir immer
bewusster geworden, Glaube ist eine Kraft, die mich beflügelt, eine
heilbringende Kraft. Gott kommt zu mir, er nimmt mich ernst, er
möchte mich heil machen, er sagt ja zu mir, wie kein Mensch dazu
fähig ist. Von dieser heilmachenden Liebe bin ich so getroffen und
gestärkt worden, dass ich die Verkündigung des Evangeliums zu meinem
Beruf gemacht habe. Und dieses Bekenntnis, Gott ist Mensch geworden
und durch sein heilbringendes Wirken bin ich ein erlöster, befreiter
Mensch, ist Auftrag für mich in die Schulklassen zu gehen und jungen
Menschen von Gottes heilendem Wirken in unserer so unheilvollen
Welt zu erzählen. Ich versuche, ihnen spüren zu lassen, Gott liebt
dich auch dann, wenn du von ihm nichts wissen willst. Ein Leben
ohne Gott und meinen Glauben an ihn wäre für mich unvorstellbar.
Es wäre trostlos und leer.
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Vier Männer über ihren Glauben
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