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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    März 2000  
Zur derzeitigen politischen Situation

Österreich bleibt regierbar - oder?

D emnächst finden in NÖ Gemeinderatswahlen statt. Ob sie von den letzten Wochen beeinflusst werden, diese Antwort kann nicht aus den Ärmeln geschüttelt werden. Denn Wahlen in Gemeinden sind mehr orts- und persönlichkeitsbezogen als Ereignisse auf Bundesebene. In diesem Beitrag sei versucht, einmal abzusehen von der Person des JH. Die dümmliche mediale Konzentration auf ihn schuf einen europäischen Star, ja weltweiten politischen Popstar, für den wahr ist, was wirkt. Dies scheint er zu genießen. Weniger genußvoll werden für uns Auslandsreisen, worin es gilt, sich zu rechtfertigen, kein Nazi zu sein. Das verdanken wir seinen verdächtig braunen Einzel-Provokationen. Aber selbst wenn Bundes-präsident Dr. Klestil bei aller Kritik erklärt, dass JH k e i n Nazi ist, verschwieg dies selbst ein Qualitätsblatt wie die „Süddeutsche Zeitung“. Es ist erschreckend, was Medienberichte mit elefantösen Überzeichnungen anrichten. Dass eine solche Auslands-Feindlichkeit ausgerechnet vom Nachbarland Bayern kommt, ist unbegreifllich. Ihrem Korrespondent, Herr Frank, fehlt Einfühlungsvermögen für dieses Land.

Absurde Journalisten

So tauchen in Wien Auslandsjournalisten auf und möchten Gefangene in Konzentrationslagern interviewen. Es ist absurd. Und Israelis lassen durchklingen, sie hätten gerne Einwanderer. Dazu bedarf es Ausreise-Willige. Dem kann nachgeholfen werden durch angeblich bedrohlichen Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit. Aber nirgends in Österreich wurden in der Vergangenheit Asylantenheime angezündet. Aber geht es uns viel besser? Wurde aus Belgien nicht einfach ein Land von Kinderschändern. Vom Land Belgien war lange Zeit kaum etwas zu erfahren - nichts von den dort aufgeschlossenen Menschen für die Dritte Welt, nichts von deren praktischen Sinn und der Sprachenkundigkeit. Selbst die einfachen Leute in Flandern können sich auf Englisch, Französisch und Deutsch verständigen. In Belgien wird die reguläre Briefpost zweimal am Tag zugestellt. Während eines vierjährigen Studienaufenthaltes in diesem Land erfuhr ich sehr viel Positiva. Wann berichteten davon Medien? Interessiert es uns auch? Werden wir nicht selber Opfer von Klischees? Die Welt wäre ein Dorf und allen Informationen zugänglich. Welch Illussion lehrt uns die letzte Zeit. Die Argentinier ziehen ihren Botschafter ab, weil er realistisch von Österreich berichtet.

Schuldhaft uninformiert

Französische Politiker und eine bisher weltweit angesehene Tageszeitung wie „Le Monde“ verurteilen Österreich, sind auslands-feindlich und weigern sich oder sind ignorant, also schuldhaft uninformiert, die österreichischen Interna zu sehen, welche zur jetzigen Situation führten. Und Frankreich verhält sich wie ein gedankenloser Schulmeister, der die ganze Klasse (das Land Österreich) bestraft wegen eines Rüpels. Nun aber dazu, warum JH zu solchen Protest-Wahlerfolgen kam. Es sind vor allem Sachprobleme, die andere Parteien nicht benannten oder zu lösen versäumten. Der Beitritt zur EU brachte a u c h Probleme und auch die Erweiterung wird es tun. Sind denn die Arbeitsplatzprobleme Jugendlicher in Gmünd und anderswo in Grenzregionen nur Einbildung? 1959 wählten 60 Prozent der Arbeiter die SPÖ. Heute ist die FPÖ d i e dominante Arbeiterpartei geworden Hier müssen doch vielfältige Versäumnisse vorliegen. Sind die Ängste der kleinen Leute angesichts sehr hoher Ausländerquoten in bestimmten Wohnregionen z.B. Wiens ernst genommen worden? Selbst wenn diese Ängste durch kleinformatige Blätter geschürt wurden. Im übrigen: Nur jede/r sechste FPÖ-WählerIn stimmte für diese Partei - wegen Ausländerfeindlichkeit (16 % sagte ein Forscher des ÖVP-nahen Fessel-Institutes).

Protestpartei FPÖ?

Die FPÖ ist im wesentlichen eine Protestpartei - gegen unheilvolle Verfilzungen und Machtkartelle der beiden früheren Koalitionspartner. Macht es Sinn, dass ein Gemeinde- oder gar Zahnarzt einer Parteiorganisation beitreten muss, um eine Arztstelle zu bekommen? Sicherlich: Österreich ist ein reiches Land, aber mehrere hundert tausend sind arm - europäisch verstanden. Armut versteckt sich. Je nach Berechnung - ob einkommens-arm, ausgaben-arm oder ausstattungs-arm- gibt es in Österreich 800.000 bis 1,5 Millionen a r m e Menschen. Dies sind oft Allein- erzieherinnen, Familien mit mehreren Kindern, oft Menschen in ländlichen Regionen, alte Menschen - auch in Städten - die sich das ganze Leben geschunden haben und mit einer Mindestpension durchkommen müssen. Aus deutschen Caritaskreisen wurde bekannt, dass die rechtsradikalen Republikaner vor allem von Langzeitarbeitslosen und verarmten Deutschen gewählt wurden. Ähnliches erzählten mir Franzosen in Wien: Die Le Pen Wähler sind oft solche, welche in Frankreich arbeitslos sind und sich von einem Politikwechsel Besserung ihrer Lage erhoffen. Auch der frühere SPÖ-Minister Dr. Einem sieht seine Partei vor der Frage, ob sie Politik für die jetzigen Armen machen soll oder vor allem für jene, die früher verarmt waren. Rackern sich nicht auch kleine Geschäftsleute ab, um ihre Existenz zu sichern? Wann werden die Beamten entlastet von der Flut längst überholter oder zu komplizierter Vorschriften? Wann wird die ÖVP ernst machen mit ihrem ach so christlichen Hintergrund? Bei konkreten Anliegen - wie in der Sonntagsfrage - kneift oder windet sie sich. Wo bleiben da die beschworenen Werte? Diese und viele Fragen politischen Sumpfes rufen nach Lösungen und erhellen die Politikszene.

Prof. Dr. Hans Högl,
Wien über die politische
Situation in Österreich.


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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr