rufer

   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

[ Aktuell ]

[ 2000]

Jan/Feb
März
April

[ 1999 ]
Dezember
November
Oktober
September
Juli/August
Juni
Mai
April
März
Jänner/Feb

[ 1998 ]


 
    Mai 2000  
Podiumsdiskussion zum Thema Männlichkeit in Salzburg

Männerforschung - exklusives Randthema?

- Rainer Kavalir -

Einblicke, Analysen und Ausblicke zum Thema Männlichkeit

Männerforschung kann nicht von medialen Entwicklungen abgekoppelt betrachtet werden. Vielmehr muss man Männerthemen vor einem gesellschaftlichen Hintergrund sehen, der auch durch die postmoderne Medienkultur definiert wird. Insofern Medien Diskurse über Männlichkeiten lancieren, die in den Köpfen der Menschen weiterwirken. Weiters muss festgestellt werden, dass Männerforschung im allgemeinen scheinbare Banalitäten wie etwa die Praktikabilität der vorgestellten Theorien nicht außer acht lassen kann. Dies führt zur Frage, welche der Erkenntnisse, die Männerforscher bereits erarbeitet haben, sich auch breitenwirksam transportieren lassen, ohne in Allgemeinplätzen und Plattitüden zu verpuffen oder Angst und Abwehr - besonders bei Männern - auszulösen. Edgar Forster wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Männerforschung sowohl in der Öffentlichkeit als auch im akademischen Milieu nach wie vor ein Randthema ist, das etwas Exklusives an sich hat. Markus Hofer stellte dazu fest, dass es ihm als Erwachsenenbildner in der Praxis sehr wohl gelingt, ein Stück weit Sprachrohr und auch Lobbyist für Männer und männerspezifische Themen zu sein.

Mann unter Männern angstfrei?!

Wenn sich ein Mann unter Männern angstfrei wohlfühlen kann - etwa im Setting eines Männerseminars - , dann wirkt die Direktheit, mit der Männerthemen in einem solchen Rahmen angesprochen werden geradezu radikal. Und gerade der - auch oft geschmähte - mythopoetische Zugang zur Männerarbeit, der positiv formuliert mit Bildern arbeitet, kann für Männer in der Praxis als eine Orientierungshilfe nützlich sein. In der Diskussion wurden auch die Gefahren einer Arbeit mit Bildern aufgezeigt: So kann etwa gerade der Archetyp des Kriegers - als Bild vorgestellt - zu einem neuen Machismo, freilich in verkleideter Form führen.

Gefahren bei der Arbeit mit Archetypen

Besonders Erich Lehner wies darauf hin, dass es gerade diese Bilder sind, die eine hegemoniale Männlichkeit hervorbringen und die männliche Hegemonialkultur durchsetzen und verankern. Als Beispiel nennt er die Analyse des Zeichentrickflims „Der König der Löwen“, wo solche Bilder im Grunde zu Fixierungen führen. Im Gegenteil sei zu versuchen, das Gespräch mit der Frau als zentrales Element der Männerforschung anzusehen. Es gäbe so etwas wie eine Bringschuld der Männer gegenüber den Frauen, denn immer dann, wenn sich Männer zusammenschließen geht es - auch von einer historischen Perspektive aus betrachtet - zu Ungunsten der Frauen aus.

Bringschuld der Männer gegenüber Frauen

Das Bild der Frau im mythopoetischen Zugang ist problematisch, da dieses alte Dichotomien (Zweiteilungen) fördert, die letztlich der Erhaltung männlicher Machtstrukturen dienen. Walter Hinz umreißt den folgenden Problemkreis: Im direkten Umgang mit Männern geht es darum, diese zu erreichen. Eine andere Ebene ist die theoretische Auseinandersetzung mit Männlichkeit und deren politische Auswirkungen - etwa innerhalb der katholischen Kirche - zu diskutieren. Dazu meint Erich Lehner, dass die theoretische Auseinandersetzung mit einem Thema auch immer Auswirkungen auf die Praxis hat, sie behindert oder sie fördert einen Prozess. Und gerade darin liegt der Wert der theoretischen Reflexion über die Männerforschung. Christian Reichart stellt zu diesem Spannungsfeld fest, dass Männer sehr schnell an die Grenzen des individuell Machbaren stoßen, gesellschaftliche und politische Systeme und Zwänge engen den tatsächlichen Spielraum des einzelnen Mannes sehr stark ein. Den 40 000 Mitgliedern der Männerbewegung liegt die scheinbar so einfache Frage am Herzen: Wie gestalte ich mein Leben, dass es gut ist?

Prügelnde Männer

Und ein weiterer Gedanke der Tagung: Wie geht man mit prügelnden Männern um, die eigentlich selbst unterdrückt sind? Hier klaffen Theorie und Lebenspraxis stark auseinander. Edgar Forster versucht eine Gemeinsamkeit zwischen Praxis und theoretischer Forschung herzustellen, insofern als beide Richtungen bestrebt sind etwas sichtbar zu machen, das immer da war, aber nie gesehen wurde: männliche Machtstrukturen. Diese sind gesellschaftlich verankert und ebenso für das einzelne Individuum spürbar. Und gerade dieses Machtthema, etwa wenn es um Geschlechterdifferenzen geht - so Gotthard Fuchs - , wird in christlich geprägten Kulturen weitgehend tabuisiert, wenngleich die Kirche auch vieles für die Gleichwürdigkeit der Geschlechter getan hat. Zurückkehrend zu den Bildern von Mann und Frau, die gesellschaftlich verankert sind, ist es von großer Bedeutung wiederholt darauf hinzuweisen, dass viele solche Bilder medial lanciert und konstruiert sind und werden. So wäre die Frauenbewegung in den USA der Siebziger Jahre ohne den direkten Einfluss des Massenmediums Fernsehen unmöglich gewesen. Denn das Fernsehen hat zumindest seit den Sechzigern Bilder von der öffentlichen Männerwelt ins Haus, also in die angestammte Domäne der Frau, übertragen. Nun an der Schwelle zum 21. Jahrhundert sind die klar strukturierten Bilder der Geschlechter einer Vielzahl von optionalen Bildern gewichen. Die multioptionalen Bilder von Männlichkeiten, die zum Beispiel in der Werbung transportiert werden, gehen weit über die individuell mögliche Lebenspraxis hinaus. Die Unterhaltungsfabrik Hollywood liefert testgescreente Bilder, die die Differenz zwischen Mann und Frau auch flüssig werden lassen.

Schwinden der Grenzen zwischen Mann und Frau?

Und gerade vor diesem Hintergrund ist die Orientierung für den einzelnen Mann wieder enorm schwierig. Überdies bleiben die gesellschaftspolitischen Diskrepanzen ohnedies weiterhin bestehen: Es gibt auch den vielzitierten Kampf der Geschlechter. Dieser betrifft etwa geschiedene Väter und geschiedene Männer in Bezug auf Gesetzgebung und gesellschaftliche Wertzuschreibungen. Edgar Forster merkt dazu an, dass Männer nicht dasselbe wie Frauen dürfen, weil wir derzeit in asymmetrischen Machtverhältnissen leben, wo Frauen an sich schon benachteiligt sind. Doch wie stehts mit dem Geschlechterverhältnis in zwanzig Jahren? Die lebenslange Beziehung ist für die vielzitierte Internetgeneration wahrscheinlich ein Auslaufmodell. Vielleicht wird es für Männer immer mehr möglich, die positiven Signale, die von Frauenseite kommen, anzunehmen. Oder: Die Frauen sind nicht die natürlichen Feinde der Männer, wie es Edgar Forster so treffend formuliert. Wenn man sich eine vorsichtige Prognose erlauben darf, so ist zu erwarten, dass die neuen Kommunikationstechnologien die Geschlechterverhältnisse weiterhin instabil halten werden.

In diesem Sinne freue ich mich schon - wie wohl auch alle Teilnehmer dieser Diskussion - auf die nächste KMB Podiumsdiskussion zu diesem Thema, die dann hoffentlich auch wieder im romantischen Salzachgässchen im Herzen Salzburgs stattfinden wird.

Von Oben:
Moderator Mag.
Rainer Kavalir vom ORF.
Univ. Prof. Dr. Edgar J. Forster
vom Inst. für
Erziehungswissenschaften
in Salzburg.
Mag. Dr. Erich Lehner,
Theologe und Psychotherapeut
mit Dr. Gotthard Fuchs.
Leo Pöcksteiner und
Fritz Prand aus unserer Diözese.
Mag. Christian Reichart,
KMBÖ-Sekretär im Gespräch
mit dem Moderator.


pages by maworks
 
    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr