Podiumsdiskussion zum Thema Männlichkeit in Salzburg
Männerforschung - exklusives Randthema?
- Rainer Kavalir -
Einblicke, Analysen und Ausblicke zum Thema Männlichkeit
Männerforschung kann nicht von medialen Entwicklungen abgekoppelt
betrachtet werden. Vielmehr muss man Männerthemen vor einem gesellschaftlichen
Hintergrund sehen, der auch durch die postmoderne Medienkultur definiert
wird. Insofern Medien Diskurse über Männlichkeiten lancieren, die
in den Köpfen der Menschen weiterwirken. Weiters muss festgestellt
werden, dass Männerforschung im allgemeinen scheinbare Banalitäten
wie etwa die Praktikabilität der vorgestellten Theorien nicht außer
acht lassen kann. Dies führt zur Frage, welche der Erkenntnisse,
die Männerforscher bereits erarbeitet haben, sich auch breitenwirksam
transportieren lassen, ohne in Allgemeinplätzen und Plattitüden
zu verpuffen oder Angst und Abwehr - besonders bei Männern - auszulösen.
Edgar Forster wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Männerforschung
sowohl in der Öffentlichkeit als auch im akademischen Milieu nach
wie vor ein Randthema ist, das etwas Exklusives an sich hat. Markus
Hofer stellte dazu fest, dass es ihm als Erwachsenenbildner in der
Praxis sehr wohl gelingt, ein Stück weit Sprachrohr und auch Lobbyist
für Männer und männerspezifische Themen zu sein.
Mann unter Männern angstfrei?!
Wenn sich ein Mann unter Männern angstfrei wohlfühlen kann - etwa
im Setting eines Männerseminars - , dann wirkt die Direktheit, mit
der Männerthemen in einem solchen Rahmen angesprochen werden geradezu
radikal. Und gerade der - auch oft geschmähte - mythopoetische Zugang
zur Männerarbeit, der positiv formuliert mit Bildern arbeitet, kann
für Männer in der Praxis als eine Orientierungshilfe nützlich sein.
In der Diskussion wurden auch die Gefahren einer Arbeit mit Bildern
aufgezeigt: So kann etwa gerade der Archetyp des Kriegers - als
Bild vorgestellt - zu einem neuen Machismo, freilich in verkleideter
Form führen.
Gefahren bei der Arbeit mit Archetypen
Besonders Erich Lehner wies darauf hin, dass es gerade diese Bilder
sind, die eine hegemoniale Männlichkeit hervorbringen und die männliche
Hegemonialkultur durchsetzen und verankern. Als Beispiel nennt er
die Analyse des Zeichentrickflims „Der König der Löwen“, wo solche
Bilder im Grunde zu Fixierungen führen. Im Gegenteil sei zu versuchen,
das Gespräch mit der Frau als zentrales Element der Männerforschung
anzusehen. Es gäbe so etwas wie eine Bringschuld der Männer gegenüber
den Frauen, denn immer dann, wenn sich Männer zusammenschließen
geht es - auch von einer historischen Perspektive aus betrachtet
- zu Ungunsten der Frauen aus.
Bringschuld der Männer gegenüber Frauen
Das Bild der Frau im mythopoetischen Zugang ist problematisch,
da dieses alte Dichotomien (Zweiteilungen) fördert, die letztlich
der Erhaltung männlicher Machtstrukturen dienen. Walter Hinz umreißt
den folgenden Problemkreis: Im direkten Umgang mit Männern geht
es darum, diese zu erreichen. Eine andere Ebene ist die theoretische
Auseinandersetzung mit Männlichkeit und deren politische Auswirkungen
- etwa innerhalb der katholischen Kirche - zu diskutieren. Dazu
meint Erich Lehner, dass die theoretische Auseinandersetzung mit
einem Thema auch immer Auswirkungen auf die Praxis hat, sie behindert
oder sie fördert einen Prozess. Und gerade darin liegt der Wert
der theoretischen Reflexion über die Männerforschung. Christian
Reichart stellt zu diesem Spannungsfeld fest, dass Männer sehr schnell
an die Grenzen des individuell Machbaren stoßen, gesellschaftliche
und politische Systeme und Zwänge engen den tatsächlichen Spielraum
des einzelnen Mannes sehr stark ein. Den 40 000 Mitgliedern der
Männerbewegung liegt die scheinbar so einfache Frage am Herzen:
Wie gestalte ich mein Leben, dass es gut ist?
Prügelnde Männer
Und ein weiterer Gedanke der Tagung: Wie geht man mit prügelnden
Männern um, die eigentlich selbst unterdrückt sind? Hier klaffen
Theorie und Lebenspraxis stark auseinander. Edgar Forster versucht
eine Gemeinsamkeit zwischen Praxis und theoretischer Forschung herzustellen,
insofern als beide Richtungen bestrebt sind etwas sichtbar zu machen,
das immer da war, aber nie gesehen wurde: männliche Machtstrukturen.
Diese sind gesellschaftlich verankert und ebenso für das einzelne
Individuum spürbar. Und gerade dieses Machtthema, etwa wenn es um
Geschlechterdifferenzen geht - so Gotthard Fuchs - , wird in christlich
geprägten Kulturen weitgehend tabuisiert, wenngleich die Kirche
auch vieles für die Gleichwürdigkeit der Geschlechter getan hat.
Zurückkehrend zu den Bildern von Mann und Frau, die gesellschaftlich
verankert sind, ist es von großer Bedeutung wiederholt darauf hinzuweisen,
dass viele solche Bilder medial lanciert und konstruiert sind und
werden. So wäre die Frauenbewegung in den USA der Siebziger Jahre
ohne den direkten Einfluss des Massenmediums Fernsehen unmöglich
gewesen. Denn das Fernsehen hat zumindest seit den Sechzigern Bilder
von der öffentlichen Männerwelt ins Haus, also in die angestammte
Domäne der Frau, übertragen. Nun an der Schwelle zum 21. Jahrhundert
sind die klar strukturierten Bilder der Geschlechter einer Vielzahl
von optionalen Bildern gewichen. Die multioptionalen Bilder von
Männlichkeiten, die zum Beispiel in der Werbung transportiert werden,
gehen weit über die individuell mögliche Lebenspraxis hinaus. Die
Unterhaltungsfabrik Hollywood liefert testgescreente Bilder, die
die Differenz zwischen Mann und Frau auch flüssig werden lassen.
Schwinden der Grenzen zwischen Mann und Frau?
Und gerade vor diesem Hintergrund ist die Orientierung für den
einzelnen Mann wieder enorm schwierig. Überdies bleiben die gesellschaftspolitischen
Diskrepanzen ohnedies weiterhin bestehen: Es gibt auch den vielzitierten
Kampf der Geschlechter. Dieser betrifft etwa geschiedene Väter und
geschiedene Männer in Bezug auf Gesetzgebung und gesellschaftliche
Wertzuschreibungen. Edgar Forster merkt dazu an, dass Männer nicht
dasselbe wie Frauen dürfen, weil wir derzeit in asymmetrischen Machtverhältnissen
leben, wo Frauen an sich schon benachteiligt sind. Doch wie stehts
mit dem Geschlechterverhältnis in zwanzig Jahren? Die lebenslange
Beziehung ist für die vielzitierte Internetgeneration wahrscheinlich
ein Auslaufmodell. Vielleicht wird es für Männer immer mehr möglich,
die positiven Signale, die von Frauenseite kommen, anzunehmen. Oder:
Die Frauen sind nicht die natürlichen Feinde der Männer, wie es
Edgar Forster so treffend formuliert. Wenn man sich eine vorsichtige
Prognose erlauben darf, so ist zu erwarten, dass die neuen Kommunikationstechnologien
die Geschlechterverhältnisse weiterhin instabil halten werden.
In diesem Sinne freue ich mich schon - wie wohl auch alle Teilnehmer
dieser Diskussion - auf die nächste KMB Podiumsdiskussion zu diesem
Thema, die dann hoffentlich auch wieder im romantischen Salzachgässchen
im Herzen Salzburgs stattfinden wird.
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Von Oben:
Moderator Mag.
Rainer Kavalir vom ORF.
Univ. Prof. Dr. Edgar J. Forster
vom Inst. für
Erziehungswissenschaften
in Salzburg.
Mag. Dr. Erich Lehner,
Theologe und Psychotherapeut
mit Dr. Gotthard Fuchs.

Leo Pöcksteiner und
Fritz Prand aus unserer Diözese.
Mag. Christian Reichart,
KMBÖ-Sekretär im Gespräch
mit dem Moderator.
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