Spirituelles
Die Gaben des Heiligen Geistes
- Peter Glas -
Die Kirche ist kein „Verein“, sondern die Gemeinschaft der Getauften,
die an Jesus Christus glauben. Zur Kirche gehöre ich nicht, weil
ich meinen Kirchenbeitrag zahle, sondern grundlegend deshalb, weil
ich getauft bin im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen
Geistes. Auch habe ich als Jugendlicher das Sakrament der Firmung
empfangen. Dieses Sakrament gilt in der katholischen Kirche als
die „Vollendung der Taufe“ und bedeutet die Ausstattung mit der
besonderen Kraft des Heiligen Geistes und die Verpflichtung, den
Glauben in Wort und Tat zu leben. - Das klingt vielleicht sehr formelhaft.
Überhaupt ist es gar nicht so einfach über den Glauben theoretisch
zu sprechen. Ähnlich schwer erscheint mir, die Liebe zu meiner Frau
in Worte zu fassen. Glaube und Liebe sind nicht im Mikroskop bis
ins letzte Detail zerlegbar und analysierbar. Glaube und Liebe sind
Geschenke. Das werden wir im Umgang mit ihnen zu beachten haben.
Wir können nicht beeinflussen, was und wieviel wir geschenkt bekommen,
auch nicht, wann wir etwas geschenkt bekommen ... . Wir sind gewohnt,
alles, was wir brauchen oder wollen, wann wir es wünschen, in irgendeinem
Geschäft zu bestellen, zu kaufen und auch zu bekommen. Glaube und
Liebe können wir nicht bestellen, nicht kaufen. Nach seiner Auferstehung
sandte Jesus seinen Jüngern, seiner Kirche und damit auch uns den
Heiligen Geist. Das feiern wir zum Pfingstfest in besonderer Weise.
Der Heilige Geist ist die Gabe Gottes, die uns ganz durchdringen
will und von innen her aufschließt für das, was Christus von uns
will. Die sieben Gaben des Heiligen Geistes sind: Weisheit und Einsicht,
Rat und Stärke, Erkenntnis und Gottesfurcht und Frömmigkeit. In
der Tradition der Kirche gab es die unterschiedlichsten Erklärungen
und Ausführungen zu den sieben Gaben des Heiligen Geistes. Von bleibender
Bedeutung ist, dass Gott sich uns immer zuwendet, uns entgegenkommt
und dass wir die Gaben des Heiligen Geistes als einzelne und als
Gemeinschaft empfangen zur Gestaltung und Auferbauung des eigenen
Lebens und des Lebens der Kirche. Schlüsselworte, die uns helfen
könnten, das Wirklichkeit werden zu lassen, sind Vertrauen, Bereitschaft
zu Empfangen, Danken und Bitten. Das altehrwürdige Gebet um den
Heiligen Geist „Komm herab, o Heiliger Geist“ (um 1200) bringt wohl
besser als lange Erklärungen zum Ausdruck, was mit den Gaben des
Geistes gemeint ist, welches Geschenk der Heilige Geist für uns
bedeutet.
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Fenster in der Kapelle des
Priesterseminars in St. Pölten
Komm herab, o Heiliger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.
Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt. Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut, köstlich Labsal in der Not,
in der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.
Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund.
Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.
Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.
Laß es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.
(deutsche Übertragung M.L. Thurmair,
Gotteslob Nr. 244)
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