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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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Väter und Söhne suchen sich ein Leben lang...

Wenn der Vater mit dem Sohne!

- Leo Pöcksteiner-

Väter sind immer auch Söhne! Zu den Grundträumen menschlichen Lebens gehören eine gelungene Elternschaft und eine gelungene Kindschaft.

Väter und Söhne stehen in einer nicht frei gewählten Verbindung und gegenseitiger Angewiesenheit bis über den Tod hinaus. Väter und Söhne suchen sich ein Leben lang. Antrieb ist die Sehnsucht nach dem Gefühl, dass ich als Sohn o.k. bin, dass ich als Vater ein guter Vater gewesen bin, und dass beide miteinander gut reden können. Nicht selten verläuft diese Suche nach gelungener Kommunikation, gegenseitigem Verstehen und Anerkennung über die seltsamen Irrwege der gegenseitigen Entfremdung, des andauernden Kampfes miteinander, der Einhaltung äußerlicher Distanz um des lieben Friedens willen bei gleichzeitig emotionaler innerer Gespanntheit, gepflastert mit Schweigen, Bitterkeit, Vorwürfen, Misstrauen und Konkurrenz, Neid, Abwertung des jeweilig anderen. „Wann wird er mich endlich verstehen?“, „Ich mein`s ja gut mit ihm!“, „Er soll sich doch nicht mehr in mein Leben einmischen!“, „Seine Zeit ist vorbei, jetzt bin ich dran!“. Dies alles sind - ausgesprochen oder auch unausgesprochen - Stiche in das Fleisch des jeweilig anderen.

Muttertag hat Tradition: Die Beziehung der Kinder zur Mutter ist für einen Tag in den Mittelpunkt gestellt. Mittels Gedichten, Zeichnungen, Küsse, Ausflüge, Verbannung der Mutter aus der Küche für ein Mittagessen, ... wird versucht die Mutter zu würdigen.
Vatertag ist „komisch“: Keine Tradition; kaum eine Sprache, um die Beziehung, die Liebe, den Dank zum Ausdruck zu bringen. Männer sind häufig innerlich froh, den Vatertag im Kalender übersehen zu haben und tun sich oft leichter sich dafür zu entschuldigen. Die Auswirkungen dieser letztlich unversöhnten Lebensweise sind nicht unerheblich: Sich in Leistung und Karriere flüchtende Männer, die nicht wissen, wann es für sie reicht, und die auch physisch-psychisch zusammenbrechen, und in der Familie abwesende Väter sind; kritischeVäter, die an allem herum meckern und demütigen; tendentiell tyrannische Väter, die zwar das Beste wollen, und bereit sind den Preis eines ständigen Kampfes zu bezahlen; der passive Vater, der alle Vaterkompetenzen an seine Frau abgibt, sich dem Umgang und den Pflichten als Vater entzieht. Und die Auswirkungen für die Söhne: Nicht vom Vater positiv beschränkt worden zu sein, bedeutet nicht erfahren zu haben, wann ich reich bin, wann etwas reicht.

Der befreiende und positiv beschränkende Satz: Du bist o.k., so wie du bist mein Sohn, bedingungslos; ich mag dich und ich mute dir zu, ich traue dir zu, dass du dein Leben nimmst und ich werde da sein, wenn du mich brauchst, sag`es mir! Und der Sohn: Auch wenn wir unterschiedlich sind, vielleicht (Dauer) Konflikte haben, so danke ich dir für das Leben, das du mir gegeben, und das ich jetzt habe, und aus dem ich etwas mache, und so werde ich es weitergeben an meinen Sohn; wenn der Sohn den Dank für das Leben sich selber verwährt, kann er möglicherweise sein Leben als Mann nicht ganz nehmen; er wird vielleicht seiner Männlichkeit mit Stress und Anstrengung wie ein Narr nachlaufen und außerhalb seiner selbst suchen und letztlich nicht finden. Neben dem grundsätzlichen Dank und Annahme des Lebens vom Vater kann weiterhin die ungelöste Leidensgeschichte der Beziehung stehen bleiben; aber häufig passiert es, dass, weil ich zerkracht bin mit meinem Vater - und möglicherweise zu recht - ich auch gleich den Dank für das Leben, das mir gegeben wurde, verweigere. Damit schneide ich mich von meiner Wurzel ab und meine Flügel können sich nicht ausreichend entfalten. Mit seinem Vater ins Reine kommen heißt auch nicht länger die Schatten der nicht so gut gelungenen gemeinsamen (Leidens)geschichte über die gelungene gemeinsame (Freudens)geschichte fallen zu lassen.

Klärende Gespräche oder auch Erkundungsgespräche zwischen Vater und Sohn über das Leben des Vaters bzw. über das Leben (Zeugung, Geburt und Kindheit ...) des Sohnes aus der Sicht des Vaters, können eine Verbundenheit schaffen, die befreiend und gegenseitigen Respekt zollend wirkt. Nicht Erklärungen über irgendwelche Beziehungsvorgänge sind entscheidend, sondern das Sich-voneinander-erzählen.

Versöhnung zwischen Vater und Sohn kann passieren, wenn es gelingt:
1. den Vater zu würdigen als denjenigen, der mir zumindest das Leben gegeben hat, also die Basis meiner Gestaltungsmöglichkeiten, so gut es halt ging.
2. den Sohn zu segnen, ihm alles Gute wünschen und zumuten, dass er sein Leben allein gehen kann, - und aushalten und anerkennen, dass er anders ist und anders lebt.
3. gemeinsam reden und sich zuhören, ohne den anderen schon eines besseren belehren oder überzeugen zu wollen. Sagen, was ich denke, was mich berührt, wütend macht, traurig macht.
Es sagte einmal die kleine Hand zur großen Hand: Du große Hand, ich brauche dich, weil ich bei dir geborgen bin. Ich spüre dich, wenn ich wach werde, wenn ich Hunger habe und du mich fütterst, wenn ich meine ersten Schritte versuche und du mich hältst, wenn ich zu dir kommen kann, weil ich Angst habe. Ich bitte dich, bleib in meiner Nähe und halte mich. Und es sagte die große Hand zur kleinen Hand: Du kleine Hand, ich brauche dich. Das spüre ich, weil ich für dich sorgen darf, weil ich mit dir spielen und lachen kann, weil ich mit dir wunderbare Dinge entdecken kann, weil ich deine Wärme fühle und dich lieb habe, weil du ein Teil von mir bist. Ich bitte dich, bleib in meiner Nähe und halte mich.


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    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr