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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    September 2000  
 
Kantig geschrieben für Männer

Von Gipfelstürmern,
Grenzgängern und Steinen...

- Leopold Krendl -

Steine waren es, und zwar besonders kantige, die mich vergangenen Sommer immer wieder beschäftigten. Steine waren es, die mich in meinem Mann-Sein herausforderten.

Der eine Stein war sehr groß, es war eigentlich ein Berg, der Dachstein, der höchste Berg Oberösterreichs. Ich war, wie schon seit sieben Jahren, im Sommer mit zwei guten Freunden unterwegs auf dem Ost-West-Weitwanderweg. Weitwandern, eine starke Sache, die Ausdauer, Beständigkeit und einen langen Atem erfordert. Alles Eigenschaften, die Männer brauchen können. Einen Weg beginnen, ein Projekt anpacken, eigenständig und doch im Team, ein Ziel vor Augen. Das Ziel ist in weiter Ferne, aber unterteilt in Teilziele. Gehen ist eine Lebensschule.

Du kannst dich fragen:
Wie schnell will ich auf das Ziel zugehen?
Wie weit darf das Ziel weg sein?
Möchte ich dort alleine ankommen oder mit anderen?
Stört es mich, wenn andere schon dort sind?

Nach sieben Jahren Weitwandern kam uns heuer ein Stein in die Quere, ein kantiger, widerständiger. Der Dachstein forderte uns heraus. Ignorieren wir ihn, lassen ihn links liegen oder nehmen wir seine Herausforderung an? Nach einigem Zögern entschieden wir uns für den Gipfelsturm. Meine Gedanken dazu: Darf ich als Mann zögern, Angst eingestehen? Ich spürte am eigenen Leib das Dilemma vieler Männer heutzutage: Von den einen als „Weichei“, als „Warmduscher“, als Zauderer etc. verunglimpft, von den anderen verdächtigt, wenn er zu forsch, zu kantig, zu eigenmächtig agiert. Wir nahmen uns für die Gipfeltour übrigens einen Bergführer. Vielleicht hätten wir es auch allein geschafft, aber es ist ein gutes Gefühl, bei aller Eigenständigkeit die Hilfe eines erfahrenen Mannes in Anspruch zu nehmen. Es ist wichtig für Männer die Klarheit im Leben zu gewinnen, wann Alleingang und wann Zuhilfenahme anderer angesagt ist.

Übrigens: Ich glaube, die eigenen Grenzen auszuloten und verborgene Energien aufzuspüren und zu aktivieren ist etwas sehr Männliches.
Wichtig war mir, zwischen mutigem, eigenständigem Vorangehen und der Hilfe des Bergführers Regisseur meines eigenen (Lebens)-Weges zu bleiben.

Nun zum zweiten Stein meines letzten Sommers.
Dieser war auch kantig, jedoch so klein, dass er in meine Hand passte. Es war auf einer Selbsterfahrungswoche mit Männern und Frauen. Wir bekamen die Aufgabe, im Schweigen einen 4 km entfernten Hügel zu erklimmen. Wir sollten einen Gegenstand suchen, welcher unsere derzeitige Lebenssituation gut symbolisiert. Als ich den kantigen Stein am Wegrand sah, wusste ich: „Das ist mein Thema.“ Und schon war ich wieder bei der Männlichkeit! Wie kantig, eigenständig, selbstbewusst und bestimmend darf ich sein, um nicht als patriarchal oder machohaft zu gelten? Wie gefühlvoll, weich, verständnis- und rücksichtsvoll darf ich sein, um nicht als „Weichei“ zu gelten? Oder sollte mir das als Mann eigentlich alles egal sein? Ich glaube, es kann mir als Mann in der heutigen Welt nicht egal sein!

Übrigens: Für mich stellte sich bei meinem 4 km langen Schweigemarsch die Frage: Bleibe ich hinten, um die schwächeren Gruppenmitglieder zu begleiten und aufzubauen oder darf ich ohne schlechtes Gewissen auch mal voran marschieren, meine Energien mobilisieren und meine Grenzen ausloten? Ich entschied mich in diesem Fall für zweiteres, weiß aber bis heute nicht, ob es richtig war. Ehrlich: Geht es nicht gerade uns Männern oft so in unserem Leben?

 
 


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    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr