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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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Medien und Genetik werden unsere Zukunft bestimmen

Wer kann noch verantworten,
was wir verantworten müssen?

- P. Dr. Augustin M. Pötscher OSM, Moraltheologe Wien-Rom -

Beim letzten Moraltheologenkongress in Innsbruck habe ich diese Frage gestellt. Es ist eine Tatsache: Wir sind verantwortlich dafür, welche Welt wir unserer nachkommenden Generation übergeben.

Für uns Glaubende kommt da noch eine Dimension hinzu: Es ist Gottes Schöpfung als Geschenk seiner Weisheit und Liebe an uns, damit wir sie zu seiner Ehre und unserem Wohl „behüten“ (Gen. 1,26).

Zwei „Flüsse drohen derzeit bedrohlich aus dem Bett zu laufen“:
die Medienentwicklung und der komplexe Bereich der Genetik.

Und hier wird das Dilemma für mich Ethiker augenfällig: Gerade jetzt, wo wir vielleicht unumkehrbar Grenzen überschreiten, müssten wir eigentlich erhöht sensibel für Verantwortung sein, aber wir fühlen uns ohnmächtig. Denn wir können es nicht mehr verantworten, dies im doppelten Sinn des Wortes. Wir können nicht mehr für das, was in der Gentechnologie heraufdämmert (Eingriff in die Keimbahn etc.), die Verantwortung übernehmen. Denn, um etwas wirklich verantworten zu können, muss ich nicht nur um die Folgen wissen, sondern diese auch kontrollieren und steuern können. Und genau das ist nicht möglich. Wir können es auch nicht mehr verantworten, weil nicht eine Einzelperson, ja nicht einmal mehr ein Staat, auch nicht EU oder UN handeln, sondern anonyme, undurchschaubare Apparate. In meiner Medienethik habe ich geschrieben: „Man tut, aber wir wissen nicht mehr ‘wer’ dieser ‘man’ ist. Immer öfter gibt es Weichenstellungen, fallen Schlüsselentscheidungen - und niemand will´s gewesen sein.“

Dieselben Mechanismen:

Wenn wir Medien und Genetik sagen, dann klingt das auf den ersten Blick wie „Kraut“ und „Rüben“. Zwei verschiedene Sachgebiete. Dennoch ist es derselbe „multikommerzielle“ Mechanismus, der in beiden Gebieten die Entwicklung vorantreibt. Denn letztlich geht es nicht um menschliches Wohl und Wehe, Gedeih und Verderb, sondern um das große Geld. Man betrachte allein die Summen, mit denen um die neue Generation von Handy-Lizenzen gepokert wird. Einige wenige Megakonzerne, die alle kleinen und mittleren aufgefressen haben werden, werden es in wenigen Jahren sein, die die Fäden der gesamten Massenkommunikation in der Hand haben. „Wertfrei“, wie sie sagen, sie wollen expandieren, aber nicht manipulieren oder indoktrinieren.

Quotendruck

Und dennoch ist auch der Quotendruck eine Vorauswahl von Inhalten, eine Nivellierung - alles Boulevard. Komplexere Themen, niveauvolle Programme fallen ganz einfach durch, weil sie das Geschäft gefährden. Aus dem Teufelskreis Einschaltziffer - Werbegeschäft gibt es kein Entrinnen. Öffentlich-rechtliche Anstalten wie der ORF werden diesem Druck à la longue nicht standhalten. Es war interessant zu sehen, wie man klammheimlich und leise ORF 1 nach und nach diesem Moloch geopfert hat - dem Privaten angepasst. Damit man mich nicht missversteht: Ich glaube, dass dies auch medien-ethisch die einzig richtige und realistische Entscheidung ist, ORF 2 (solange wie möglich) als Niveaukanal zu halten. Hier geht es um eine Überlebensstrategie. Der ORF kann noch Kraft der Gebühren und einer ausgezeichneten Geschäftsführung, wozu Tageszeitungen mit Anspruch Millionen an Presseförderungen benötigen.

Kapital diktiert Genforschung

Mindestens genausoviel Kapital ist in der Genforschung im Spiel. Man weiß, dass große Pharmakonzerne schon Jahrzehnte Projekte hier vorfinanziert haben. Dies gilt für die gentechnisch veränderte Landwirtschaft genauso wie für genmanipulative Strategien. Als kirchlicher Ethiker möchte ich auch hier nicht jenem „Kulturpessimismus“ anhängen, der alles in Bausch und Bogen verteufelt. Es gibt nichts in dieser Welt, das nicht auch dem Guten dient, hat unser Gott doch alles erschaffen - zu unserem Wohl. Wo es durch Genetik und Gentechnologie möglich wird, die Ernährung der sich gigantisch vermehrenden Weltbevölkerung zu sichern, wo man aus Nahrungsmitteln ungesunde Stoffe wegzüchten kann, ist auch ethisch dagegen nichts einzuwenden. Wir entdecken hier Schritt für Schritt die von Gott in die Schöpfung hineingelegte Weisheit. Es gibt aber ein altes Prinzip in der Moraltheologie: „Abusus non tolit usus“. Frei übersetzt: Gebrauche es gut, vermeide den Missbrauch.

Aus Zellen Individuen erschaffen

Die ersten Versuche des Klonen haben wir hinter uns, auch wenn wir die Langzeitfolgen noch nicht absehen können. Es ist nicht nur vorstell-, sondern bald machbar, aus einer Zelle (totopotent) ein Individuum zu erschaffen. Hier würde ich eine absolute Grenze ziehen und sagen: Auf diesem Weg hat es der Schöpfer nicht gedacht. Ethisch anders zu bewerten sind jene Versuche, wo man aus sogenannten polypotenten Zellen Organe erzeugen kann, die man denn Schwerkranken implantiert. Einmal gesehen vom Geschäft, das da winkt - werden es sich die Minderbemittelten leisten können - ist dagegen eigentlich nichts einzuwenden. Im Gegenteil: hier geschieht Forschung dem Schöpfer entsprechend zu unserem Wohle. Medien und Genetik - ich glaube, dass dies jene beiden Bereiche sind, die unsere Zukunft bestimmen - eine spannende Zukunft, der wir Christen eigentlich optimistisch entgegengehen sollten.

 



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    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr