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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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Hilfen gegen Männergewalt in der Familie

"Da hab ich ihr eine geschmiert"

- Edwin Wiedenhofer-

Die Katholische Männerbewegung Österreichs hat das Arbeitsjahr 2000/01 unter das Thema „Kraft und Gewalt, Stärke und Aggression“ gestellt. Edwin Wiedenhofer, Männerberater aus Innsbruck, analysiert eine dunkle Seite der männlichen Kraft: die Gewalt, die Männer in der Familie ausüben.

Jährlich werden in Österreichs Familien 100.000 Kinder miss-handelt, 25.000 Kinder sind Opfer sexueller Gewalt, bis zu 300.000 Frauen erleiden in ihren Partnerschaften körperliche Gewalt. Mehr als 2000 Frauen suchen pro Jahr Hilfe in Österreichs Frauenhäusern. Und? – Was geht das mich an? Sind das nicht die anderen, die Unbekannten, mit denen ich nichts zu tun habe und nichts zu tun haben will? In nahezu allen Fällen, sind es Männer, die zuschlagen, die misshandeln, die gewalttätig werden. Es sind Männer wie ich auch. Sie kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Sie sind insofern normal, als sie sich von der überwiegenden Mehrheit der Männer nicht unterscheiden. Die oben angeführten Zahlen täuschen, verharmlosen. Sie verleiten dazu, zur Tagesordnung überzugehen. Denn der Vater, der seinem ewig provokanten pubertierenden Sohn „eine klebt“, weil es reicht, ist in dieser Statistik nicht erfasst. Der gutmütige Mann, der in einer extremen Situation und angetrunken nur einmal kurz ausrastet und seine Frau in die Ecke stößt, der kommt in dieser Statistik nicht vor. Würden diese beiden Männer befragt werden, ob sie in ihrer Familie gewalttätig sind, sie würden mit voller Überzeugung mit Nein antworten.

„Josef“ kann jeder sein

Mir gegenüber sitzt ein sympathischer Mann. Nennen wir ihn Josef. Josef ist im besten Alter. Er ist fix und fertig. „Ich habe alles zerstört!“, betont er immer wieder. Nie hätte er gedacht, dass ihm so etwas passieren könne. Josef hat seine Frau geschlagen. Ausführlich erzählt er die Vorgeschichte, immer wieder hält er fest, wie sehr er Frau und Kinder liebt. Ich merke, wie sich Josef für seinen Gewaltausbruch schämt. Ich merke auch, wie entsetzt er darüber ist, dass das – wie er sich ausdrückt – über ihn gekommen ist. Eigentlich verabscheut er Gewalt, und Männer die sich an Frauen vergreifen, sind für ihn das Letzte. Seine Frau ist mit den Kindern für eine paar Tage zu seinen Schwiegereltern gezogen. Sie brauche jetzt Zeit zum Nachdenken, hat sie ihm am Telefon mitgeteilt.

Der Kreislauf der Gewalt

Josef ist kein Einzelfall. Er hat ein Reihenhaus gekauft, mit Unterstützung der Eltern, Schwiegereltern und der Bank. Er hat einen guten Beruf, ist engagiertes Mitglied der Musikkapelle – das einzige, das er sich gönnt. Sonst lebe er ganz für die Familie, die ihm alles bedeutet. Jetzt ist er verzweifelt. Eigentlich hat es mit einer der üblichen Meinungsverschiedenheiten angefangen. Beide haben sich immer weiter in ihrer Wut aufgeschaukelt, sie ist ihm nachgegangen in seine Werkstatt und hat ihn beschimpft, er hat keinen Ausweg mehr gesehen. Josef ist kein Einzelfall. Sie könnten Josef sein, ihr Nachbar in der Kirchenbank könnte Josef sein, ich könnte auch Josef sein. In den meisten Familien wird darüber nicht viel Aufhebens gemacht: Eine ernst gemeinte Entschuldigung mit der Zusicherung, dass das nicht mehr vorkommen wird, von ihm. Ein ehrliches Verzeihen bei ihr. Vergessen. Verschweigen. Josef ist jedoch so sehr schockiert von der eigenen Gewalt - noch mehr von den Folgen, dass er Hilfe in einer Beratungsstelle sucht. Das ist der erste Schritt zur Veränderung, die erste Tat, aus dem Gewaltkreislauf heraus. Wir wissen heute, dass es nur eine Frage der Zeit und der äußeren und inneren Umstände ist, bis Männer, die im sozialen Nahraum zugeschlagen haben, wieder gewalttätig werden. Eine Illusion: „Einmal ist keinmal“. Beim nächsten Mal dreht sich der Gewaltkreislauf schneller, die Gewalttat wird heftiger. Sogar dann, wenn der Mann mit einer anderen Frau zusammen ist, läuft der Gewaltkreislauf weiter. In der Männerberatung des Vereins „Manns-Bilder“ (Innsbruck) haben im letzten Jahr 64 Männer wegen ihrer Gewalttätigkeit vorgesprochen, das sind 38 % unserer Klienten. Einige haben sich auf einen längeren Beratungsprozess eingelassen, von der Krisenintervention über die Einzelberatung bis hin zur Gruppe mit gewalttätigen Männern. Diese Männer haben sich entschlossen, sich insofern zu verändern, dass sie etwas gegen ihre Gewalttätigkeit unternehmen wollen. Josef ist einer der Männer, die die Stärke und die Kraft haben, aus dem Gewaltkreislauf auszusteigen. Mit professioneller Hilfe kann das gelingen.

Lernen, Grenzen zu setzen

Die Bereitschaft zur körperlichen Gewalt ist auf Grund der (männlichen) Sozialisation bei Männern ausgeprägter als bei Frauen. Männer haben im Laufe ihrer Biografie gelernt, die Gewaltbereitschaft in Gewalttätigkeit umzusetzen. Daher setzen Männer in bestimmten Situationen Gewalt ein, wenn sie scheinbar keine anderen Möglichkeiten der Abgrenzung, der Verarbeitung von Verletzungen und Beschämungen oder der Angstbewältigung haben. Männer entscheiden sich zur Gewalttat, daher sind sie voll und ganz für die Gewalt verantwortlich. Das Ignorieren oder Verleugnen der Gewaltbereitschaft ist gefährlich. Wenn Männer ihre Gewaltbereitschaft kontrollieren können, dann greifen sie auch in belastenden Situationen nicht zur Gewalt. Das lernen sie z.B. in der Männerberatung. Männer lernen dort auch, Konflikte auszutragen und ihre Interessen durchzusetzen, sich vor Abwertungen usw. zu schützen. Ohne Gewalt.

Jeder kann seinen Beitrag gegen männliche Gewalt leisten,...
- wenn er sich selbst seiner eigenen Gewaltbereitschaft stellt und sich gegen Gewalt entscheidet
- wenn er mit seiner Frau „streiten“ kann
- wenn er nicht vergisst, dass auch er selbst fähig ist, seine Frau und Kinder zu schlagen
- wenn er bei Erzählungen über „g’sunde Watschen“ nicht einfach schweigt
- wenn er Männer, die schon geschlagen haben, ermutigt, für sich Hilfe und Beratung in Anspruch zu nehmen.

Hier finden Sie Hilfe

Männerberatung Wien
Erlachgasse 95
1100 Wien Tel.
01 603 2828
mehr infos: www.maenner.at
Rat und Hilfe
Heitzlergasse 2
3100 St. Pölten
Tel. 02742 353510
 

Lesen Sie dazu unsere Interview mit
Julia Stemberger!



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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr