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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    Oktober 2000  
 
Interview mit Julia Stemberger

„Gewalttätige Männer verletzen sich selbst“

 

Julia Stemberger ist eine der bekanntesten und beliebtesten Schauspielerinnen Österreichs. In jüngster Zeit war sie im TV-Mehrteiler „Der König von St. Pauli“ zu sehen. Der rufer sprach mit Stemberger über einen Aspekt des Streifens: über die Gewalttätigkeit der Männer. Zur Zeit nimmt Stemberger keine Engagements für Filme oder Theater an, um sich ganz ihrer Tochter Fanny widmen zu können.

rufer: Bei Dreharbeiten zu einem Film wie „Der König von St. Pauli“ stößt man unweigerlich auf das Thema Männergewalt. Was sind aus ihrer Sicht die Gründe dafür, dass „Brutalität“ männlich ist?

Stemberger: Man muss nicht ins Rotlicht-Milieu gehen, um Gewalt an Frauen und Kindern zu begegnen. Gewalt finde ich als Ausdruck einer extremen Hilflosigkeit der Männer. Wenn man nie gelernt hat, Probleme auf der Ebene des Gesprächs auszumachen, überschreitet man leicht die Grenze zur körperlichen Gewalt. Ist das Tabu erst einmal gebrochen, hat man sich selbst soviel angetan, dass Männer immer wieder in dasselbe Muster zurückfallen. Gewalttätige Männer waren vermutlich in ihrer Kindheit selbst häufig Opfer von Schlägen und Prügel. Es geht im Leben aber darum, dass man die Kraft aufbringt, nicht alles weiterzugeben, was man erlitten hat.

rufer: Sie bringen den Männern gegenüber viel Verständnis auf ...

Stemberger: Wenn es soweit kommt, dass ein Mann nicht redet, sondern zuschlägt, ist er auch nicht ansprechbar. So verletzt er nicht nur die Frau, er verletzt ganz tief innen drinnen auch sich selbst. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mann, der seine Frau schlägt, in irgendeiner Weise darüber froh ist. Es schafft ihm vielmehr selbst eine Last.

rufer: Was sind Markierungen für einen Weg der Partnerschaft zwischen Mann und Frau?

Stemberger: Ich fände es am Schönsten, wenn es zwischen Frauen und Männer ein gutes Miteinander gäbe - aber das ist harte Arbeit auf beiden Seiten und dieser Prozess bringt Spannungen mit sich. In unserem Fall ist auch eine künstlerische Auseinandersetzung damit verbunden. (Anm: Stembergers Ehemann, Christian Altenburger, zählt zu den besten Geigern Österreichs). Die Generation meines Mannes, der jetzt gut vierzig ist, steht in einer völlig anderen Situation als ihre Väter, wo die Rollen zwischen Mann und Frau noch konventionell verteilt waren. Für meinen Mann wäre das traditionelle Rollenbild unvorstellbar gewesen - Stemberger lachend - da hat er sich lieber die Schwierigkeiten eingehandelt, die er jetzt hat. Ich glaube, er leidet aber nicht allzu sehr. Manche Männer bekommen wegen der Tatsache, dass die Frauen selbständiger werden, eine solche Heidenangst, dass sie sich erst recht in den Beruf und die Karriere hineinwerfen. Aber das ist nicht das ganze Leben. Wer immer nur Hektik hat und dem Erfolg nachhechelt, der geht am Leben vorbei.

rufer: Was sind die gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Gründe für die gewaltbereite Männerwelt?

Stemberger: Wenn man das wüsste - dann hätten wir Frieden auf der Welt, denn die Fortsetzung der Gewaltbereitschaft ist der „Wahnsinn“ Krieg, den Männer führen und bei dem die Frauen mitspielen. Natürlich sind selten Frauen Generäle. Doch das ist eine Seite von Frauen, die ich nicht verstehe: dass Frauen ihre Kinder oder Söhne in den Krieg ziehen lassen. Die Frauen müssten aufstehen und sagen: Krieg findet nicht statt.

Julia Stemberger,
bekannt aus Film und Fernsehen, spricht mit dem rufer über Männergewalt
 


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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr