Meine Meinung
Ein Land der Starken und Tüchtigen?
In dem von der Weltbank vorgelegten „World Development Report“
nimmt Österreich einen Spitzenplatz in gerechter Einkommensverteilung
ein, das heißt, dass bei uns die einkommensschwächsten 10% der Bevölkerung
relativ zu anderen Ländern noch einigermaßen gut liegen und auch
der Abstand zwischen den Reichsten und den Ärmsten nicht so gewaltig
ist wie in anderen Ländern. Das ist eine wertvolle Basis, die in
unserem Land auch den inneren Frieden stützt. In den Medien fand
dieser Bericht der Weltbank kaum Widerhall. Vielmehr hört man da
die Kunde von den Starken und Tüchtigen, die es in unserem Land
zu fördern gilt. In diesem Sinne klingt dann auch die Forderung
der Vertreter des kleinen Mannes, einer alleinerziehenden Mutter
die Unterstützung zu kürzen, die sie bekommt, wenn sie arbeitslos
wird, und von der sie schlecht und recht mit ihrem Kind leben muss,
ganz selbstverständlich.
Ich frage mich nur, wohin das führt?
Wollen wir den amerikanischen Weg einschlagen, den Weg des Landes
der unbegrenzten Möglichkeiten für die Starken und Tüchtigen aber
auch des Landes, in dem man für die, die nicht mithalten können,
nur ein „selber schuld“ übrig hat? Wie schnell man durch einen Unfall
oder durch Krankheit von der einen auf die andere Seite kommen kann,
möge sich jeder selbst überlegen. Übrigens, Amerika wird in dem
oben erwähnten Bericht der Weltbank, die man ja nicht gerade als
soziale Organisation bezeichnen kann, als mittleres Entwicklungsland
eingestuft.
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DI Dr. Leopold Wimmer,
KMB-Obmann der Diözese St. Pölten
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