Spirituelles
Die Freude der heiligen drei Könige
Männer glauben anders
Männer tun sich schwer ihren Glauben auszudrücken
- Peter Glas -
Stimmt es, dass sich Männer schwer tun ihren Glauben, ihre Religiosität
auszudrücken? - Ein Blick in unsere Pfarrgemeinden scheint diesen
Verdacht zu bestätigen. Abgesehen von den Priestern, den hauptamtlichen
Mitarbeitern - wie z.B. Diakon oder Pastoralassistent - und einem
„harten Kern“ an ehrenamtlichen Mitarbeitern halten vor allem Frauen
unsere Pfarren lebendig. Wir finden weitaus mehr Frauen als Männer
in Glaubens-, Gebets- und Bibelrunden, weitaus mehr Frauen beim
Rosenkranzgebet und bei verschiedenen Andachten. Auch bilden Frauen
den weitaus größten Teil der Gottesdienstbesucher an Sonn- und Wochentagen.
Umgekehrt sind viele Männer bereit, in den Pfarren Hand anzulegen,
wenn es um praktische, handwerkliche Arbeiten geht, bei Renovierungsarbeiten,
Transporten usw... Sie nehmen so am Leben der Pfarrgemeinde teil.
Aber den Glauben auszudrücken fällt Männern im allgemeinen schwerer
als Frauen. - Warum ist das so?
Fällt es Männern allgemein schwerer Gefühle auszudrücken?
Wenn ich z.B. an ein volles Fußballstadion denke, scheint das nicht
so. Dort sehe ich vorwiegend Männer, die all ihren Gefühlen freien
Lauf lassen - von der Verzweiflung bis zur höchsten Begeisterung
- lauthals schreiend, jubelnd, unter Tränen, stehend, sitzend, knieend
usw. - Warum ist es, wenn es um den Glauben geht, nicht so? - Vielleicht
steht ein gewisser Stolz dahinter, eine gewisse Härte der Männer,
ein männliches Vorurteil, dass Ausdruck des Glaubens, Gebet usw.
etwas mit Verweichlichung, mit Schwäche zu tun hat.
Nicht so tun, als würde uns der Glaube nicht bewegen
Wir Männer sollten uns von diesem Vorurteil befreien. Es kann schon
sein, dass Männer anders glauben als Frauen, aber die Inhalte des
Glaubens bleiben die selben. Wir sollten uns mehr trauen, den Glauben,
der uns bewegt auszudrücken - auf unsere Weise. Keinesfalls aber
sollten wir den Glauben abschieben und so tun als würde er uns nicht
bewegen.
Kennen wir Jesus?
Letztlich geht es darum, dass wir Jesus in unser Leben wirklich
hereinlassen, dass Jesus in unserem Leben immer wichtiger wird.
Wir haben schon viel von Jesus gehört; aber wissen wir auch, wer
er für uns eigentlich ist? Was gibt uns Jesus? Kennen wir ihn? -
Jesus kommt uns entgegen, aber auch wir sollten ihm entgegenkommen.
Dazu gehört Mut und Entschlossenheit.
Männer auf der Suche
Ich denke dabei an die Sterndeuter aus dem Osten, die wir als „die
heiligen drei Könige“ kennen. Das Evangelium (Mt 2,1-12) erzählt
uns von ihnen. Sie waren in weiter Ferne und wurden durch einen
hellen Stern in Unruhe versetzt. Diese Unruhe hat sie bewegt aufzubrechen
und Jesus zu suchen. Sie waren Männer auf der Suche. Sie waren auch
fragende Männer. Dabei wurden sie zum Teil auch getäuscht (durch
Herodes). Aber sie haben ihr Ziel erreicht, das Ziel ihres Glaubens:
Jesus.
Auf-gebrochene Männer
Weil sie von Jesus gehört haben, sind sie auf-gebrochen- im wahrsten
Sinn des Wortes, weil dabei auch alle falsche männliche Härte und
ihr Stolz gebrochen sind: Vor Jesus haben sie ihre Königskronen
abgenommen, sie haben sich vor ihm hingekniet und ihn angebetet.
Damit haben sie ihren Glauben offen ausgedrückt.
Beschenkte Männer
In der Bergpredigt hören wir: „Wo dein Schatz ist, da ist auch
dein Herz.“ (Mt 6,21) - Die heiligen drei Könige haben ihre Schätze
Jesus gegeben. Damit haben sie ihr Herz Jesus gegeben, sie haben
ganz auf ihn vertraut, sich selbst ihm anvertraut. Dabei gingen
sie nicht leer aus! Das Evangelium erzählt uns, dass sie Jesus reich
beschenkt hat: Sie wurden „von sehr großer Freude erfüllt“ (Mt 2,10).
Diese Freude haben sie bewahrt, diese Freude haben sie ausgestrahlt,
in dieser Freude kehrten sie durch die Wüste heim in ihr Land. Es
ist die Freude des Glaubens, die Freude die Jesus schenkt - durch
die „Wüsten des Alltags“ hindurch bzw. in diese „Wüsten“ hinein.
Es ist die Freude, die auch viel größer und tiefer ist als z.B.
der Jubel auf einem Fußballplatz.
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