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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    Dezember 2000  
 
Krisenbewältigung

Wie können wir mit Tiefs im Leben und im Glauben umgehen?

Herbst, die tiefliegenden, kalten Nebel stecken an, färben auf das Wohlbefinden und die Stimmung ab. Öfters als sonst, vielleicht sogar dauernd fühlen wir uns müde und erschöpft. Auch die Stimmung will nicht auf einen Normalpegel kommen, ohne bereits von Depression zu sprechen. Zunächst übernehmen wir einmal den Verfall der Natur, mag es noch so bunte Blätter „regnen“.

- Pater Augustin M. Pötscher OSM -

Viele große Gestalten unseres Glauben, wie der Gründer der Jesuiten, Ignatius von Loyola haben sehr treffend unser Leben mit dem Jahreskreis verglichen. Da gibt es den Frühling der Aussaat und des Wachsens, den Sommer der Blüte und des Reifens, den Herbst der Ernte und den Winter des Ruhens und des Genießens. Wahrscheinlich durchleben wir manchmal mehrere Vorgänge zugleich, im wesentlichen schenkt aber dieses Bild Orientierung und Geborgenheit. Wenn unser Glauben und unser Leben eine Einheit bilden sollen, dann durchdringen Hochs und Tiefs im Leben auch unsere Glaubenserfahrung. Wir kennen es: Es gibt diese Hochs, die uns Gemeinschaft und Glaubensfeste schenken. Da leben wir unproblematisch, da ist alles selbstverständlich, da brauchen wir auch keine Erklärungen. Schwieriger wird es, wenn es nicht rund geht, wenn es schwer wird, wenn Zweifel sich melden oder man umsonst auf die Anerkennung wartet. Da beginne ich zu hadern. Ja, vielleicht ist das doch alles nicht so...?

Hoch und Tief sind normal im Glauben und im Leben. Das Problem sind die Tiefs, die Resignation, wenn es ganz und gar nicht mehr zu gehen scheint. Da haben wir gewöhnlich viel weniger Strategien, als in einer guten Zeit. Auch die Humanwissenschaften, wie auch die Psychologie sagen uns, dass Auf- und Abstieg, Blüte und Stagnation zu jeder Institution und Person gehören - also normal - damit aber nicht schon einfach sind. Als Pfarrgemeinderat, als Mitglied einer Aktivistenrunde, usw.., haben wir alle - und das sage ich wertfrei - solche Flauten in der Gemeinde hinter uns: Nichts geht mehr, wir sind ratlos und wissen nicht warum. Von „Krise“ ist da schnell mal die Rede, wobei wir dieses Wort meistens nur negativ verstehen. Krise kommt vom griechischen „krinein“ und ist eigentlich ein positives Wort: Unterscheiden und das Positive, Wesentliche weiterführen.

Krisen bringen also oft wesentlich weiter als „positive“ Erfahrungen.

Auch als Christen kommen wir - mit der Bibel als Basis - um solche heilsamen Krisen nicht herum. Das Kreuz ist die „größte Krise“, die Jesus durchsteht. Erreichen uns Resignation und Stagnation als Christ oder Gemeinde, bietet uns die Bibel viele „Griffe“, an denen wir uns anhalten können. Der wichtigste ist Gelassenheit. Gelassenheit meint nicht die Hände in den Schoß legen, sondern einen heilsamen Abstand zur momentanen Verfassung zu bekommen. Viktor Frankl, der große Wiener Seelenarzt und Begründer der Sinntherapie nennt es „Selbstdistanz“: Einmal aus der befangenen Situation herauszusteigen, um wieder den Blick auf das Ganze zu gewinnen. Vom Ganzen her relativiert sich der Moment und bekommt seinen wahren Stellenwert. Ein zweites ist durchaus berechtigte Entlastung: Wir sind heute alle so belastet, so überbeansprucht - „burned out“. Entlastung ist - körperlich und seelisch - ein heute aktuelles 5. Gebot.

Entlastung beginnt damit, dass wir das schlechte Gewissen abstreifen, wenn wir einmal nichts tun. Unserer Gesellschaft glaube ich, fehlt eine Kultur der Regeneration - Stresskrankheiten sprechen eine deutliche Sprache. Spannkraft für auch christliches Engagement braucht diese Entlastung, in der sich auch das Hormonsystem wieder einrichten kann.

Ein drittes: Die meisten Depressionen sind „hausgemacht“. Man spürt einen vegetativen Abfall und bemitleidet sich solange, bis man eine ausgewachsene Depression „einfängt“. Wahrnehmen, aber auch mentalen Widerstand entgegensetzen. Solche Schwankungen hat jeder.

Und mit dem Motto leben: Die Freude am Herrn ist unsere Kraft (Neh 8,2) - übrigens Worte aus tiefster Depression....

Unserer Gesellschaft
glaube ich,
fehlt eine Kultur
der Regeneration -
Stresskrankheiten
sprechen eine
deutliche Sprache.


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    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr