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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    Jänner/Februar 2001  
 
Landwirtschaft im Umbruch?

BSE, Medikamenten- und Antibiotika-Skandal und die Folgen

Wer in den letzten Wochen die Medienberichte in Österreich verfolgte, musste unweigerlich zur Schlussfolgerung kommen, dass es in diesem Land extreme Gefährdungen der Gesundheit der Menschen, durch die von Bauern produzierten Nahrungsmittel gibt!

- Hubert Müller -

„Was können wir überhaupt noch essen?“, so lautete die Schlagzeile einer Tageszeitung und verstärkte so den vorstehend genannten Eindruck.

Was war geschehen?

Mitte Jänner fiel der Prüftest auf BSE-Erkrankung, einer in Deutschland geschlachteten, aber aus Österreich stammenden Kuh, nicht eindeutig negativ aus. Obwohl sich wenige Tage später herausstellte, dass das Tier BSE-frei war, entstand durch eine nicht gerade ausgewogene Berichterstattung, bei der die vorhandene Möglichkeit einer Erkrankung, schon fast zur Wahrscheinlichkeit gesteigert wurde, eine arge Verunsicherung der Konsumenten. Doch kaum war im befürchteten BSE-Fall Entwarnung gegeben worden, gab es schon die nächste Katastrophenmeldung; und diese ist wohl schwerwiegender als die vorangegangene BSE-Hysterie.

Der Medikamenten-Skandal

Medikamentenmissbrauch in der Tierhaltung, illegale Substanzen, wie Antibiotika, Hormone und sogenannte „Cocktails“ in der Schweinefütterung! Offenbar hat ein Netzwerk einzelner, wahrscheinlich meist ausländischer Tierärzte und verantwortungslos agierender Bauern aus der Anwendung bzw. Verfütterung von in Österreich verbotenen Medikamenten und Futterzusätzen, Gewinne zu erzielen und die Erlöse aus der Schweinehaltung zu verbessern versucht. Sollten sich die Verdachtsmomente auf strafbare Handlungen bestätigen, dann sind damit auch die strafrechtlichen Konsequenzen zu ziehen! Es kann nicht angehen, dass einige Wenige die wirtschaftliche Basis der großen Zahl an Bauern gefährden, die Schweinezucht und -mast als eines ihrer wirtschaftlichen Standbeine brauchen. Die intensive mediale Ausschlachtung dieses Skandals hat ja schon für Preis- und Markteinbrüche bis hin zur Gefährdung von Arbeitsplätzen und wirtschaftlicher Existenzen geführt. Allerdings ist auch hier an die Medienberichterstattung die Forderung nach entsprech-ender Ausgewogenheit zu richten. Es geht nicht an, dass bei zunächst 15, dann schon 37 gesperrten Betrieben, durch undifferenzierte Berichterstattung, unterschwellig gleich alle Schweine-halter als zweifelhaft hingestellt werden. Dies passiert nämlich sehr wohl, wenn von bestimmter Seite gleich Schätzungen veröffentlicht werden, die von 30-40% involvierter Betriebe sprechen, auch wenn dann einige Tage später nur mehr von „wahrscheinlich“ 400-500 Betrieben gesprochen wird, den wer gehört zu den 40% und wer nicht? Zum Vergleich: Wir haben in Österreich über 80.000 Schweinehalter, davon in NÖ rund 19.000 Betriebe, wobei hier zunächst 5 Betriebe gesperrt waren, jedoch bei 2 Betrieben die Sperre bereits wieder aufgehoben wurde (Stand 29. Jänner): Die Frage ist dabei: Wie kommen 99,5% der Schweine-halter dazu, eine Suppe auszulöffeln, die ihnen „schwarze Schafe“ aus den eigenen Reihen, einige verantwortungslose Tierärzte und eine quoten- und auflagensüchtige Medienberichterstattung eingebracht haben?

Ursachen der Krise

Die Frage ist aber auch: Wie konnte es dazu kommen? Bei der Suche nach Ursachen stößt man sehr rasch auf einige typische Entwicklungen und Phänomene unserer Gesellschaft. Da ist zunächst der Trend der Konsumgesellschaft zu möglichst billigen Lebensmitteln. So betrugen die Ausgaben für Nahrungsmittel und Getränke 1999 nur mehr 13,3% des Gesamtkonsums (1990 noch 16,1%). Dieses Konsumverhalten, des Griffes nach den billigsten Lebensmitteln im Regal, machten sich die Großhandelsketten und Supermärkte zunutze und lockten die Kunden mit Billigstangeboten bei Lebensmittel, wie Milch und Fleisch. Diese Lockangebote führten aber andererseits zu einem enormen Preisdruck auf die Erzeuger und Verarbeiter der „Rohstoffe“. Molkereiwirtschaft und fleischverarbeitende Betriebe wissen ein Lied davon zu singen, welchem Konkurrenzdruck sie ausgesetzt sind, um mit ihren Produkten bei den Großhandelsketten überhaupt gelistet zu werden. Die Bauern als Produzenten wiederum versuchten den Preisdruck aufzufangen durch Spezialisierung, Rationalisierung und durch vermehrten Einsatz von Betriebsmitteln, wie Handelsdünger, Unkraut- und Schädlingsbekämpfung, neue Zuchtmethoden, einer Verbesserung der Futtergrundlagen und Futterzusätzen in Form erlaubter Leistungsförderer (z.B. Fütterungsantibiotika)! Diese Entwicklung zeigte sich weltweit, nicht nur in Österreich! Die Ertragslage der Landwirte verbesserte sich trotzdem kaum und sie wurde speziell für Österreichs Bauern noch schlechter mit dem Beitritt zur EU und der damit verbundenen Preisangleichung. Wenn aber nur das billigste Produkt eine Chance am Markt hat, dann ist für mache die Versuchung zu groß, auch mit unerlaubten Mitteln zu produzieren! Mit der zunehmenden Tendenz des immer mehr, immer billiger und immer schneller produzierens,wurde auch der Widerstand gegen diese Entwicklung, vor allem in der Bauernschaft und seit den Siebzigerjahren entwickelte sich die Bewegung der „biologischen Landwirtschaft“. Zunächst vielfach belächelt, entwickelte sich diese Form der Landbewirtschaftung unter Landwirtschaftsminister DI Josef Riegler zu einer zukunftsorientierten Richtung im Rahmen der ökosozialen Agrarpolitik. Trotzdem war es noch ein weiter Weg bis zur allgemeinen Anerkennung dieses Weges, der sich in diesen Wochen als wichtiger Teil der agrarischen Erzeugung von Lebensmitteln erweist.

Wege aus der Krise

Die Krise der gegenwärtigen agrarischen Situation hat sicher noch nicht ihren Höhepunkt erreicht, aber zur Lösung dieser Krise sind alle Seiten aufgerufen, solidarisch zu handeln. Die Politik wird gefordert sein, die vielseitigen Funktionen einer bäuerlichen Landbewirtschaftung durch entsprechende Rahmenbedingungen zu fördern und abzusichern! Dies wird nicht leicht sein, da neben den unterschiedlichen Strukturen und Interessen innerhalb der EU und ihrer Beitrittskandidaten, vor allem auch die bevorstehenden WTO-Verhandlungen mit der Vorgabe weiterer Liberalisierungsschritte auf dem Agrarmarkt, weltweit immer noch die eher industrialisierte Landwirtschaft nach dem Muster Amerikas oder Australiens im Vormarsch scheint. Ein zweiter Bereich trifft den Handel, der sich seiner Verantwortung bewusst werden muss, dass Lebensmittel nicht das Billiglockmittel für den Konsum sein dürfen, wenn man gleichzeitig Qualität und Sicherheit für die Ernährung anbieten will. Ebenso sind hier die Verarbeiter der Milch- und Fleischwirtschaft gefordert, die ihre Produkte mit entsprechender Deklaration der Qualitätsmerkmale, nicht im gegenseitigen Konkurrenzkampf verschleudern dürfen. Schließlich müssen auch die Konsumenten ihre Doppelmoral aufgeben, die da einerseits Produktsicherheit, tier- und umweltgerechte Produktion fordern, aber gleichzeitig beim Einkauf nach den Billigstpreisen greifen. Gesunde Lebensmittel brauchen faire Preise, nicht nur in Worten, sondern auch im täglichen Kaufgeschehen. Unterstützung zur Realisierung dieser gemeinsamen Bemühungen zwischen Politik, Verarbeitern, Handel und Konsumenten muss dabei von den Medien kommen. Mit Negativschlagzeilen allein ist zwar rasch viel zerstört, aber noch lange nichts Neues aufgebaut. Die Landwirtschaft in diesem Land hat ein Recht auf solidarische Unterstützung von allen Seiten, wenn man nicht früher oder später Einbrüche in den für Österreich so wichtigen Wirtschaftsbereich des Fremdenverkehrs in Kauf nehmen will.

Auch der Konsument ist gefordert.
Einerseits verlangt man nach
tier- und umweltgerechter Produktion,
andererseits greift man gedankenlos zu Billigstprodukten.
Gesunde Lebensmittel
brauchen faire Preise.
Foto: W. Reinthaler


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    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr