rufer

   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

[ Aktuell ]

[ 2000]
Jan/Feb
März
April
Mai
Juni

Juli/August
September
Oktober
November
Dezember

[ 1999]
Dezember
November
Oktober
September
Juli/August
Juni

Mai
April

März

Jänner/Feb

[ 1998 ]

Glauben Männer anders?

Die nächster rufer erscheinen am:
Dienstag, den 13. Feb. 2001
Dienstag, den 13. März 2001
Dienstag, den 10. April 2001
Dienstag, den 8. Mai 2001
Dienstag, den 12. Juni 2001
Dienstag, den 31. Juli 2001
Dienstag, den 11. Sept. 2001
Dienstag, den 9. Okt. 2001
Dienstag, den 6. Nov. 2001
Dienstag, den 4. Dez. 2001



 
    Jänner/Februar 2001  
 
Ein neuer Apfel der Versuchung

„Entkleidete Narren“ - Die Masken (nicht nur) der Männer

- Peter Glas -

Ein Beamter schildert in seinem Tagebuch einen Arbeitskollegen. Es ist erschütternd zu lesen, wie sich an der Person dieses Mitarbeiters eine verfahrene Situation im Büro zugespitzt hat, die sich durch Mangel an offenem und ehrlichem Umgang miteinander ergeben hat: „Er war unmöglich. Nicht etwa, dass er seine Arbeit nicht tat: Im Gegenteil, er verwendete unendliche Mühe auf die Aufgaben, die man ihm übertrug.

Sein Verhalten aber brachte ihn mit jedermann in Konflikt und begann schließlich den ganzen Betrieb zu stören. Als die Krise eintrat und alles an den Tag kam, beschuldigte er uns andere.

Bei ihm sei nichts, aber auch gar nichts zu tadeln. So stark war offenbar seine Selbstachtung an die Vorstellung gebunden, er sei schuldlos, dass es förmlich widerwärtig war, Schritt für Schritt auf die Widersprüche in seiner Verteidigung hinweisen zu müssen, ihn Stück für Stück vor sich selbst zu entkleiden. Die Gerechtigkeit gegen die anderen erforderte dies aber. Als sein letzter Lügenfetzen fiel und nichts mehr zu sagen war, brach er in ein krampfhaftes Schluchzen aus: ‚Warum habt ihr mir nie geholfen, warum habt ihr mich nicht zurechtgewiesen ...? Ich habe gefühlt, dass ihr gegen mich eingestellt seid. Und die Angst und Unsicherheit haben mich immer weiter in das hineingetrieben, was ihr nun tadelt. Alles war so schwer. Eines Tages, kann ich mich erinnern, war ich glücklich: Einer von euch hatte gesagt, etwas, was ich tat, sei richtig gewesen ...‘“

Offenbar haben die Arbeitskollegen – zumindest dem bloßgestellten Mitarbeiter gegenüber – keinen ehrlichen Umgang gepflegt. Sie haben voreinander „Narrenkleider“ und „Masken“ getragen. Aber auch der „entkleidete Narr“ hat bis zur geschilderten Auseinandersetzung eine Maske getragen.

Wenn ich z.B. in der Wiener Innenstadt den verschiedensten Menschen begegne und beobachte, wie sie sich nach außen geben, denke ich mir oft: Sind diese Leute wirklich so, wie sie erscheinen? – Ist z.B. jemand, der durch auffälliges Telefonieren mit seinem Handy wichtig wirkt und sich dabei gefällt, wirklich so wichtig? Was verbirgt sich hinter dieser Wichtigtuerei? Mehr oder weniger tragen wir alle Masken, schlüpfen wir in verschiedene Rollen. Teilweise ist das ein wichtiger Schutz bzw. eine Hilfe im Alltag. Dennoch dürfen diese Rollen, die wir z.B. am Arbeitsplatz, in Vereinigungen, im Urlaub usw. bekleiden, nicht zu einem „Narrenkleid“ werden, das nichts mehr mit unserer Person zu tun hat. „Ehrlich währt am längsten.“, heißt ein bekanntes Sprichwort. Wenn wir keinen ehrlichen Umgang miteinander pflegen und uns hinter Masken verstecken, werden wir innerlich verkümmern. Diese Einsicht hat jemand, der genau darunter gelitten hat, so formuliert: „Erstickt in meinem Narrenkleid verwittert ausgetrocknet mein Wesen.“

Wir brauchen dringend Räume, Personen, Zeiten, wo wir so sein können, wie wir wirklich sind, wo wir aussprechen können, was uns bewegt, was uns freut oder belastet. Als Glaubende haben wir außerdem eine Gewissheit: Gott kennt uns bis auf den tiefsten Grund. Er ist vertraut mit allen unseren Wegen (Lesen Sie dazu Psalm 139!).

Vergebens sehnen wir uns
nach den anderen,
weil wir nicht wagen,
uns selbst zu geben ...

Dag Hammarskjöld


pages by maworks
 
    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr