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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    März 2001  
 
der christ braucht verzichtsübungen

Fastenzeit zum Heil-Werden

Fasten ist gesund, sagen uns viele Gesundheitsexperten. Gerade Leute, die zu Übergewicht neigen, nutzen mitunter auch die Fastenzeit, um ein wenig abzuspecken - weil es gesund ist.

- P. Pius Maurer -

Es ist sicherlich schön, wenn die Fastenzeit manchem hilft, sich wieder bewusster zu ernähren und auf seine Gesundheit mehr zu achten. Dennoch ist der eigentliche Grund der Fastenzeit ein anderer. Die Fastenzeit will vor allem dazu verhelfen, den Menschen von seinen Gewohnheiten unabhängiger zu machen. Die Fastenzeit gibt die Gelegenheit, innerlich frei zu werden, frei für Gott, in Vorbereitung auf Ostern.

Was ist mit Dir, wenn Du nach einem anstrengenden Arbeitstag am Abend den Kühlschrank leer vorfindest und Dich mit einem ganz einfachen Abendessen zufrieden geben musst? Wie geht es Dir, wenn das Warmwasser einfach für einige Stunden nicht funktioniert und Du Dich mit kaltem Wasser duschen musst? Wie nimmst Du es hin, wenn der elektrische Strom für einige Zeit ausfällt und Du damit auf Fernsehen, Licht und einfache Geräte einige Zeit verzichten musst? Bist Du da immer gleich schlechter Laune, ärgerst Du dich und beginnst Du in solchen Situationen, über andere zu schimpfen? Die christliche Botschaft lehrt, dass die vergänglichen Dinge gar nicht so wichtig sind. Wir sollen uns um sie nicht so viele Sorgen machen. Jesus sagt: „Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt ... Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich gehen: dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Mt 6,25.31-33)

Dem Christen geht es also zuerst um das Reich Gottes.

Dem Christen ist damit - theoretisch - gar nicht so wichtig, ob er z.B. ein gutes Essen bekommt, es recht gemütlich hat, ein schönes Auto fährt oder eine feine Wohnung besitzt. Viel wichtiger ist ihm - theoretisch - dass er ein Leben nach Gottes Geboten führt. Aber im konkreten Leben ist das alles nicht so einfach. Damit dem Christen tatsächlich die vergänglichen Dinge gar nicht so wichtig sind, muss er sich darin üben, ohne sie auszukommen. Der Christ braucht Verzichts-Übungen. Das vom Griechischen kommende Wort „Askese“, das soviel wie Verzicht und Abtötung bedeutet, heißt schließlich ursprünglich einfach „Übung“. Der Christ nimmt immer wieder diesen freiwilligen Verzicht auf z.B. gutes Essen, auf eine schöne Fernsehsendung, auf eine lustige Party auf sich.

So ein Verzicht bringt dem Christen sehr wertvolle Erfahrungen: wer verzichtet, erlebt Hunger, Stille, Einsamkeit. Gerade Hunger, Stille und Einsamkeit geben dem Menschen die Möglichkeit, sich vor Gott ganz arm und hilfsbedürftig zu erfahren.

Der Beter sieht, wie schwach und kraftlos er selbst ist und streckt seine Hände nach Gott aus: „Gott, du mein Gott, dich suche ich, meine Seele dürstet nach dir.“ (Vgl. Ps 63,2). Der Beter vollzieht einen tiefen Vertrauensakt gegenüber Gott. Er erkennt, dass er Gott braucht. Er vertraut sich Gott an. In solchen Situationen kann Gott nun wirklich großzügig auf den Beter einwirken. Gott kann nun seine Jünger heilen. Gott schenkt dem Beter, der wirklich aus der Stille und Armut zu Gott schreit, innere Kraft, Freude, Trost, „Gnade“. Der stille und vor Gott arme Beter ist offen für die Hilfe von oben. Allerdings kann es sein, dass der Christ gegenüber Gott aufgrund von Zweifel und Gleichgültigkeit doch noch ganz verschlossen ist. Auch der Verstoß gegen manche Gebote macht den Christen kalt gegenüber Gottes Liebe. Da braucht es mehr als einfache Gebete und das Erleben von Stille und Einsamkeit. Wer von Gleichgültigkeit und Zweifel geplagt wird und noch dazu gegen Gottes Gebote verstoßen hat - und das trifft letztlich auf jeden auf dieser Erde lebenden Menschen zu - , braucht zur Heilung eine besondere Zuwendung Gottes. Eine solche Zuwendung Gottes ist vor allem im Sakrament der Buße erfahrbar. Eine gewisse Scheu vor der Beichte ist sicherlich natürlich: alleine die Gewissenserforschung ist ein nicht ganz angenehmer Moment, noch weniger das Bekenntnis der Sünden vor dem Priester. Doch gerade die Beichte reinigt den Menschen innerlich und macht ihn wieder offen für die Geschenke von oben. Die Gewissenserforschung hilft ungute und vielfach verdrängte Handlungen wieder aufzudecken und aufzuarbeiten.

Das Bereuen der Sünden und der Vorsatz sich zu bessern sind notwendig, um die verletzte Beziehung zum Herrn wieder heilen zu lassen.

Das Bekennen der Sünden vor dem Priester ist ein deutliches Eingestehen des eigenen Fehlverhaltens gegen Gott und Kirche und wirkt selbst schon sehr befreiend. Höhepunkt der Beichte, dieses Sakramentes der Barmherzigkeit, ist allerdings die Lossprechung durch den Priester, die sich ja auf das Wort Jesu stützt: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben“ (vgl. Joh 20,23). Die Klöster wollen vor allem Orte der Heilung sein. Es geht da um eine Heilung, die die inneren chaotischen und unlauteren Haltungen beseitigt und die geistliche Ordnung in der Seele des Menschen stärkt und reinigt. Schließlich wirkt sich eine solche Heilung von innen her auf den ganzen Leib und das ganze Umfeld des Menschen wohltuend aus. Sowohl Stille und Einsamkeit als auch das Sakrament der Buße gewähren die Chance, sich von innen her heilen zu lassen. Die Klöster bieten diese geistlichen Güter gerne an: speziell bei „Tagen der Stille“ ist es für den Christen möglich, von diesen Angeboten Gebrauch zu machen. Wer zu „Tagen der Stille“ z.B. ins Stift Lilienfeld kommt, erhält ein ruhiges Zimmer im Gästetrakt, ist zu den Gebetszeiten der Mönche eingeladen und hat Gelegenheit zu geistlichen Gesprächen und zur Beichte. Oft bestätigen mir Gäste, wie wertvoll die ruhige Atmosphäre des Klosters auf sie wirke.

Die Fastenzeit ruft auf, sich von innen her heilen zu lassen. Nützen wir diese Zeit!

Kloster auf Zeit

ermöglicht Interessierten eine bestimmte Zeit im Kloster mitzuleben, mitzubeten und mitzuarbeiten. Ein Ordensangehöriger wird in diesen Tagen seine geistliche Begleitung anbieten.
Zisterzienserabtei Lilienfeld,
Anfrage bei Pater Pius Maurer Tel.: 02762/52420-37 oder www.stift-lilienfeld.at.
Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz,
Anfrage bei Pater Prior Maximilian Heim
Tel.: 02258/8703 oder www.stiftheiligenkreuz.at


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    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr