der christ braucht verzichtsübungen
Fastenzeit zum Heil-Werden
Fasten ist gesund, sagen uns viele Gesundheitsexperten. Gerade
Leute, die zu Übergewicht neigen, nutzen mitunter auch die Fastenzeit,
um ein wenig abzuspecken - weil es gesund ist.
- P. Pius Maurer -
Es ist sicherlich schön, wenn die Fastenzeit manchem hilft, sich
wieder bewusster zu ernähren und auf seine Gesundheit mehr zu achten.
Dennoch ist der eigentliche Grund der Fastenzeit ein anderer. Die
Fastenzeit will vor allem dazu verhelfen, den Menschen von seinen
Gewohnheiten unabhängiger zu machen. Die Fastenzeit gibt die Gelegenheit,
innerlich frei zu werden, frei für Gott, in Vorbereitung auf Ostern.
Was ist mit Dir, wenn Du nach einem anstrengenden Arbeitstag am
Abend den Kühlschrank leer vorfindest und Dich mit einem ganz einfachen
Abendessen zufrieden geben musst? Wie geht es Dir, wenn das Warmwasser
einfach für einige Stunden nicht funktioniert und Du Dich mit kaltem
Wasser duschen musst? Wie nimmst Du es hin, wenn der elektrische
Strom für einige Zeit ausfällt und Du damit auf Fernsehen, Licht
und einfache Geräte einige Zeit verzichten musst? Bist Du da immer
gleich schlechter Laune, ärgerst Du dich und beginnst Du in solchen
Situationen, über andere zu schimpfen? Die christliche Botschaft
lehrt, dass die vergänglichen Dinge gar nicht so wichtig sind. Wir
sollen uns um sie nicht so viele Sorgen machen. Jesus sagt: „Sorgt
euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt,
noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt ...
Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen?
Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das
geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles
braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich gehen: dann wird
euch alles andere dazugegeben.“ (Mt 6,25.31-33)
Dem Christen geht es also zuerst um das Reich Gottes.
Dem Christen ist damit - theoretisch - gar nicht so wichtig, ob
er z.B. ein gutes Essen bekommt, es recht gemütlich hat, ein schönes
Auto fährt oder eine feine Wohnung besitzt. Viel wichtiger ist ihm
- theoretisch - dass er ein Leben nach Gottes Geboten führt. Aber
im konkreten Leben ist das alles nicht so einfach. Damit dem Christen
tatsächlich die vergänglichen Dinge gar nicht so wichtig sind, muss
er sich darin üben, ohne sie auszukommen. Der Christ braucht Verzichts-Übungen.
Das vom Griechischen kommende Wort „Askese“, das soviel wie Verzicht
und Abtötung bedeutet, heißt schließlich ursprünglich einfach „Übung“.
Der Christ nimmt immer wieder diesen freiwilligen Verzicht auf z.B.
gutes Essen, auf eine schöne Fernsehsendung, auf eine lustige Party
auf sich.
So ein Verzicht bringt dem Christen sehr wertvolle Erfahrungen:
wer verzichtet, erlebt Hunger, Stille, Einsamkeit. Gerade Hunger,
Stille und Einsamkeit geben dem Menschen die Möglichkeit, sich vor
Gott ganz arm und hilfsbedürftig zu erfahren.
Der Beter sieht, wie schwach und kraftlos er selbst ist und streckt
seine Hände nach Gott aus: „Gott, du mein Gott, dich suche ich,
meine Seele dürstet nach dir.“ (Vgl. Ps 63,2). Der Beter vollzieht
einen tiefen Vertrauensakt gegenüber Gott. Er erkennt, dass er Gott
braucht. Er vertraut sich Gott an. In solchen Situationen kann Gott
nun wirklich großzügig auf den Beter einwirken. Gott kann nun seine
Jünger heilen. Gott schenkt dem Beter, der wirklich aus der Stille
und Armut zu Gott schreit, innere Kraft, Freude, Trost, „Gnade“.
Der stille und vor Gott arme Beter ist offen für die Hilfe von oben.
Allerdings kann es sein, dass der Christ gegenüber Gott aufgrund
von Zweifel und Gleichgültigkeit doch noch ganz verschlossen ist.
Auch der Verstoß gegen manche Gebote macht den Christen kalt gegenüber
Gottes Liebe. Da braucht es mehr als einfache Gebete und das Erleben
von Stille und Einsamkeit. Wer von Gleichgültigkeit und Zweifel
geplagt wird und noch dazu gegen Gottes Gebote verstoßen hat - und
das trifft letztlich auf jeden auf dieser Erde lebenden Menschen
zu - , braucht zur Heilung eine besondere Zuwendung Gottes. Eine
solche Zuwendung Gottes ist vor allem im Sakrament der Buße erfahrbar.
Eine gewisse Scheu vor der Beichte ist sicherlich natürlich: alleine
die Gewissenserforschung ist ein nicht ganz angenehmer Moment, noch
weniger das Bekenntnis der Sünden vor dem Priester. Doch gerade
die Beichte reinigt den Menschen innerlich und macht ihn wieder
offen für die Geschenke von oben. Die Gewissenserforschung hilft
ungute und vielfach verdrängte Handlungen wieder aufzudecken und
aufzuarbeiten.
Das Bereuen der Sünden und der Vorsatz sich zu bessern sind notwendig,
um die verletzte Beziehung zum Herrn wieder heilen zu lassen.
Das Bekennen der Sünden vor dem Priester ist ein deutliches Eingestehen
des eigenen Fehlverhaltens gegen Gott und Kirche und wirkt selbst
schon sehr befreiend. Höhepunkt der Beichte, dieses Sakramentes
der Barmherzigkeit, ist allerdings die Lossprechung durch den Priester,
die sich ja auf das Wort Jesu stützt: „Wem ihr die Sünden vergebt,
dem sind sie vergeben“ (vgl. Joh 20,23). Die Klöster wollen vor
allem Orte der Heilung sein. Es geht da um eine Heilung, die die
inneren chaotischen und unlauteren Haltungen beseitigt und die geistliche
Ordnung in der Seele des Menschen stärkt und reinigt. Schließlich
wirkt sich eine solche Heilung von innen her auf den ganzen Leib
und das ganze Umfeld des Menschen wohltuend aus. Sowohl Stille und
Einsamkeit als auch das Sakrament der Buße gewähren die Chance,
sich von innen her heilen zu lassen. Die Klöster bieten diese geistlichen
Güter gerne an: speziell bei „Tagen der Stille“ ist es für den Christen
möglich, von diesen Angeboten Gebrauch zu machen. Wer zu „Tagen
der Stille“ z.B. ins Stift Lilienfeld kommt, erhält ein ruhiges
Zimmer im Gästetrakt, ist zu den Gebetszeiten der Mönche eingeladen
und hat Gelegenheit zu geistlichen Gesprächen und zur Beichte. Oft
bestätigen mir Gäste, wie wertvoll die ruhige Atmosphäre des Klosters
auf sie wirke.
Die Fastenzeit ruft auf, sich von innen her heilen zu lassen.
Nützen wir diese Zeit!
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Kloster auf Zeit
ermöglicht Interessierten eine bestimmte Zeit im Kloster mitzuleben,
mitzubeten und mitzuarbeiten. Ein Ordensangehöriger wird in diesen
Tagen seine geistliche Begleitung anbieten.
Zisterzienserabtei Lilienfeld,
Anfrage bei Pater Pius Maurer Tel.: 02762/52420-37 oder www.stift-lilienfeld.at.
Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz,
Anfrage bei Pater Prior Maximilian Heim
Tel.: 02258/8703 oder www.stiftheiligenkreuz.at
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