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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    März 2001  
 
Hauptsache, die Maschine läuft? Männer und ihr Körper

Rechtzeitig Hilfe annehmen

Die Zeitschrift der Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland Nr.22/2000 stand unter dem Motto: „Hauptsache die Maschine läuft - Männer und ihr Körper“.

- Msgr. Franz Wilfinger -

Beim flüchtigen Durchblättern - heute verwendet man statt dessen den Ausdruck ´Anlesen´ - stellten sich ganz von selbst einige Fragen ein: Wäre ein Besuch beim Zahnarzt nicht überfällig, nach Jahr-zehnten wäre die Konsultation eines Orthopäden kein Luxus. Der Fragenkatalog lässt sich noch fortsetzen. Diese aufkeimenden Fragen fanden eine Antwort, die RUFER -Lesern nicht fremd ist: Dazu habe ich jetzt keine Zeit, das und jenes ist zu tun, Termine sind wahrzunehmen, Verpflichtungen zu erfüllen. Außerdem sind die Beschwerden nicht so störend, die Signale nicht so alarmierend, dass ich jetzt schon was dagegen tun müsste - es hat sicher noch Zeit. Mein Verhalten ist sicher kein Einzelfall. Ein befreundeter Mediziner - seines Zeichens Urologe - erzählte mir von seinem Vorhaben, in einer Vortragsreihe über spezifische Männerbeschwerden zu referieren und auf entsprechende Vorbeugemaßnahmen hinzuweisen. Der Zielgruppe gemäß wurden nur Männer eingeladen - die erste Veranstaltung war ein Fiasko. Bei den Folgeveranstaltungen schrieb er nicht mehr die Männer an, die weiter Zielgruppe blieben, sondern Frauen. Sie wurden gebeten, ihren Männern die Vorteile dieses Angebotes schmackhaft zu machen - die Veranstaltungsreihe nahm den gewünschten Verlauf.

In der eingangs genannten Zeitschrift findet sich auch ein Interview mit dem Chefredakteur von „Men´s Health“, eines Hamburger Männermagazins. Ein Ausschnitt dieses Interviews: Männerforum: Sie zitieren in Men´s Health einen Wissenschaftler mit den Worten: „Männern muss man über technische Daten einen Zugang zum Körper eröffnen.“ Und ich erinnere mich an eine ältere Ausgabe ihrer Zeitschrift, in der sie den männlichen Körper wie ein Auto, wie eine Maschine, dargestellt und beschrieben haben. Ist dieser technische Blick auf den Körper eine spezifisch männliche Zugangsweise und von daher bewusst gewählt? Chefredakteur: Wir haben sogar mal ein „Wartungsheft für den Körper“ gemacht. Da stand dann, ähnlich wie in einem Auto-Check-Heft: Das müssen Sie mit dreißig, das mit vierzig, das mit fünfzig tun. Ich denke in der Tat, dass dies eine sehr maskuline Form ist, den Mann zum Nachdenken über seinen Körper zu bringen. Man muss sich männlicher Bilderwelten bedienen.

Ich fragte einen praktischen Arzt um seine Meinung. Dr. Hruschka, Vertrauensarzt der Erzdiözese, im Nebenberuf Verfasser und Hauptdarsteller von Sketches nestroyanischen Zuschnitts bei unseren pfarrlichen Festen, brachte Folgendes zu Papier:

„Mann braucht keinen Arzt!“

Dies scheint eine typisch männliche Grundhaltung zu sein. „Den Arzt braucht nur, wer krank ist, - krank zu sein aber gilt als ein Zeichen der Schwäche, und ist daher unmännlich!“ Die Beziehung vieler Männer zum eigenen Körper ist - vorsichtig ausgedrückt - sehr merkwürdig. Dieser hat ganz einfach zu funktionieren! Ein bisschen Hygiene vielleicht, „ordentlich“ essen und trinken, aber sonst - „nicht einmal ignorieren“!- Mann bringt zwar sein Auto zum Service - aber an Vorsorge für den eigenen Körper denkt er oft nicht, eine Gesundenuntersuchung ist ihm verdächtig nahe zur Hypochondrie. Selbst auftretende Beschwerden und beginnende Krankheitssymptome werden lange Zeit überspielt - oft bis ein Schaden nicht mehr zu verhindern ist. Ein (hoffentlich) überstandener Herzinfarkt kratzt ja doch viel weniger am männlichen Image, als am Stammtisch statt Bier plötzlich Mineralwasser zu bestellen, vom Auto aufs Fahrrad umzusteigen oder gar irgendwelche Tabletten gegen hohen Cholesterinspiegel zu schlucken. Wenn Mann aber schon seinen Körper so vernachlässigt, der relativ leicht gewogen, gemessen, untersucht und behandelt werden kann, wie geht er dann erst mit seinem Geist und seiner Seele um?
Dr.Leo Hruschka

Auf die Frage nach dem Umgang des Mannes mit seinem Geist und seiner Seele findet sich in dem weiter oben zitierten Interview eine bezeichnende Antwort. Männerforum: „Nun weiß man ja, daß sich Männer nicht so gerne öffnen. Welche Erfahrungen machen sie in dieser Hinsicht mit den Lesern von Men´s Health?“ Chefredakteur: „Wir profitieren indirekt von dieser Tatsache. Männer öffnen sich einem solch anonymen Ansprechpartner wie Mens´s Health eher. Ich bin überzeugt, dass viele Männer die Probleme, die sie uns geschildert haben - per Telefon, per e-mail oder per Brief - sonst noch niemandem erzählt hatten. Wir versuchen in solchen Fällen, an kompetente Experten weiter zu vermitteln oder selbst zu helfen, soweit wir das können.“ Ein kompetenter Fachmann, Mag. Koder (Systemische Beratung - Supervision - Psycho-therapie) fasst in einigen Schlagworten zusammen, was Männer dazu bewegen kann, seelische Probleme nicht ernst zu nehmen: Mann lebt eine Art Wildwestphilosophie - er ist der einsame Cowboy, der mit allem allein fertig wird; Mann weiß immer, wo es lang geht - er reagiert ´wie aus der Pistole geschossen´ Mann handelt und redet nicht Mann, will er echt sein, kennt keinen Schmerz und zeigt keine Gefühle. Hinter dieser „harten“ Fassade versteckt sich oft nichts anderes als die nackte Angst: Nur ja nicht aus dem „normalen“ Rahmen zu fallen - man könnte als gestört gelten; nur ja nicht als „zu weich“ erscheinen - man könnte kein ganzer Mann sein; nur ja nicht Fehler und Schwächen eingestehen - das wäre ein Zeichen von Hilflosigkeit und Hilfsbedürftigkeit.

Flucht und Sucht

Dabei sind die Problemfelder im alltäglichen Leben nicht zu übersehen: Flucht - und Suchtverhalten -(Alkohol, Gewalt, Arbeit, Beruf); sich als Außenseiter (Fremder) erfahren in der eigenen Familie, im Umfeld des Berufes; sich als leer und ausgebrannt verspüren; Erwartungshaltungen entsprechen zu müssen - und damit ständig unter Leistungsdruck zu stehen; „Rikscha-Verhalten“ an den Tag legen - nach oben gebeugter Rücken, nach unten treten. Nehmen wir unseren Körper ernst, dann werden wir den Arzt nicht erst aufsuchen, wenn wir schwer krank sind. Mehr Sinn macht es, vorbeugende Maßnahmen zu setzen und auf die warnenden „Vorzeichen“ zu achten. Mann macht das nicht gerne - aber wir tragen für unser Leben Verantwortung - in unserer kirchlichen Überlieferung sprechen wir von der geordneten Selbstliebe, die sogar das Maß der Nächstenliebe ist. Nehmen wir unsere Seele ernst, dann wären auch hier Fachleute - Therapeuten - aufzusuchen; sowohl im Akutfall, wie auch vorbeugend. Es gibt Belastendes, Lähmendes, das nichts mit persönlicher Schuld zu tun hat, das im letzten krank macht - seelisch krank - und dafür gibt es Fachmänner -und frauen, die Psycho-therapeutInnen. In der Feier des Bußsakramentes, bei der Beichte erfahren wir Vergebung von Schuld, Hilfe und Klarheit, wie wir mit Gottes Gnade unseren ganz persönlichen Glaubensweg gehen können. Ich sehe die Fastenzeit als eine Einladung zum Heilwerden, zum Ganzwerden. Um diese Ganzheit, diese Einheit zu erreichen, darf kein Einzelbereich - weder Körper, noch Geist, noch Seele benachteiligt oder übersehen werden.

Eine typisch männliche Grundhaltung:
„Den Arzt braucht nur, wer krank ist, -
krank zu sein aber gilt als ein Zeichen der Schwäche, und ist daher unmännlich!“



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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr