Kantig geschrieben für Männer
Berufen, Zeugen des Lebens zu sein
Berufen
Nicht nur Priester, sondern alle Männer sollten sich fragen: „Wozu
bin ich berufen? Woran erkenne ich meine Berufung und wie lebe ich
sie? Bin ich bereit, meine Berufung zu leben und trotzdem die Berufungen
der Menschen neben mir als andersartige zu akzeptieren?“
- Robert Krendl -
Grundsätzlich glaube ich, dass jeder Mann zur Fülle des Lebens
und zum Zeugen des Lebens berufen ist!
Zeuge
Was ist ein Zeuge, vor allem ein Zeuge des Lebens? Ein Zeuge des
Lebens sollte ehrlich sein, aber nicht lieblos, sensibel, aber nicht
schutzlos, strebsam, aber nicht verbissen, treu, aber nicht starr,
gütig, aber nicht dumm und gewaltlos, aber nicht wehrlos. Männliche
Zeugen des Lebens sind bereit, Zeichen zu setzen, die sich gegen
den vorherrschenden Strom richten. Sie sind bereit, fragwürdig zu
sein und sich lächerlich zu machen in einer Welt des Konkurrenzdenkens
und Erfolgsstrebens.
Leben
Leben besteht nicht nur aus Glück und Erfolg, Leben besteht auch
aus Versagen, Leid und Tod. Leben besteht nicht nur aus Macht und
Stärke, Leben besteht auch aus Ohnmacht und Schwäche. Wenn Männer
Zeugen des Lebens sein wollen, müssen sie diese ganze Bandbreite
des Lebens im Blick haben.
Männer, die Leben ermöglichen
Immer wieder traf ich in letzter Zeit solche männliche Zeugen des
Lebens. Vielleicht waren sich diese Männer ihrer Berufung selbst
gar nicht bewusst. Aber sie haben Zeichen gesetzt, Zeichen des Lebens
in einer oft so starren und kalten Welt. Da fällt mir einmal ein
Lehrer ein, zu dem kürzlich ein 14-jähriger Schüler am Beginn einer
Stunde weinend kam und sagte: „Heute morgen hat sich mein Bruder
erschossen!“ Der Lehrer fragte nicht, sprach nicht viel, aber er
legte dem Jungen die Hand auf die Schulter und war einfach da.-
Ein kurzes Atemholen in der Stunde des Schmerzes wurde ermöglicht.
Dann taucht vor mir das Bild eines Mannes in den mittleren Jahren
auf, der im Anschluss an einen sehr dichten Gottesdienst einer krebskranken
Frau die Hand auflegte und sie segnete. Die Geste wirkte sehr spontan
und von Herzen kommend. - Für diese Frau bedeutete sie Berührung
und Heilung in einer schweren Lebens- phase. Als Nächstes erinnere
ich mich an einen meiner Abendschüler, die meinen HTL-Religionsunterricht
besuchen, einen jungen Mann, beruflich sehr erfolgreich, mit beiden
Beinen im Leben stehend. Er äußerte einmal den Wunsch, ein paar
Unterrichtsstunden in einem Altersheim zu verbringen. Der Wunsch
wurde realisiert. Ich war sehr berührt, wie dieser junge Erwachsene
(und auch jeder andere Schüler) auf die alten Menschen einging,
mit ihnen sprach und ihnen die Hände hielt. - Für diese Menschen
bedeutete diese Begegnung Hoffnung und das Gefühl, von jungen Menschen
nicht vergessen zu werden. Als letztes Beispiel erwähne ich einen
etwa 40-jährigen Mann, der über Monate einige 8-jährige Buben als
Erstkommunion-Tischvater begleitete. Er erzählte, dass diese Tätigkeit
ungemein anstrengend war und ihm viel Zeit und Energie kostete.
Am Ende sagten die Buben: „Es war toll!“ - Für die Buben, die zum
Teil aus sehr schwierigen Verhältnissen kamen, bedeuteten diese
Stunden Gemeinschaftserfahrung und das Erleben eines positiven männlichen
Vorbilds.
„Richtige Männer“ haben das ganze Leben im Blick
Die vier Geschichten, so verschieden sie waren, erzählten von
Männern, die in ihrer Umgebung Aufatmen, Heilung, Hoffnung und Leben
ermöglichten. Sind diese Männer auf Grund ihrer Einstellung und
ihres Handelns keine „richtigen Männer“? Im Gegenteil: Ich denke,
„richtige Männer“ sind solche, die das einseitige Konkurrenz- und
Erfolgsstreben hinter sich lassen, auf die Signale ihres Herzens
hören und das ganze Leben im Blick haben!
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Ich denke, „richtige Männer“ sind solche, die das einseitige
Konkurrenz- und Erfolgsstreben hinter sich lassen, auf die Signale
ihres Herzens hören und das ganze Leben im Blick haben!
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