Interview mit dem neuen Männerbeauftragten
Männerpolitik politisch „in“
Der rufer führte ein telefonisches Interview mit Dr. Johannes
Berchtold, dem Männerbeauftragten im Bundesministerium für soziale
Angelegenheiten und Generationen.
Rufer: Bei der Installierung Ihrer Abteilung hat es viel
Aufsehen gegeben. Arbeitet Ihre Abteilung schon, wie viele Mitarbeiter
beschäftigt sie. Welche sind ihre Hauptaufgaben?
Dr. Berchtold: Die neue Geschäftsstelle gibt es provisorisch
seit 14. März 2001, mit 4 Personen und einem Juristen. Sie ist der
Sektion Familie und Jugend, Frauen, Senioren und Männerangelegenheiten
zugeteilt. Zu unserer Hauptaufgabe gehört es, Kontakt zu halten
zu verschiedenen Organisationen, wie Männerberatungsbüros und Männervereinen.
Männergesundheit, Familie und Beruf, Gleichstellung in der Aus-
und Weiterbildung. Zusammenarbeit mit der Familien- und Jugendsektion,
sowie Gesundheitssektion..
Rufer: Was kann Ihre Abteilung jedem einzelnen Mann bringen,
welche Auswirkungen hat ihre Arbeit auf die Gesellschaft?
Dr. Berchtold: Wir sind kein Beratungsbüro für Einzelfälle,
sondern wir können Probleme, die in Organisationen, wie das Recht
des Kindes auf beide Eltern, auf eine politische Ebene stellen oder
auch Verbesserungsvorschläge für Männer die durch eine Scheidung
in Schulden geraten sind, machen.
Rufer: Auch die KMB setzt sich für Männer ein, sehen Sie
Gemeinsamkeiten, wo sehen Sie Möglichkeiten einer Zusammenarbeit?
Dr. Berchtold: Ich war dieses Wochenende bei einer Veranstaltung
der Katholischen Männerbewegung Österreichs, und zwar beim Studientag
Männerarbeit und Gewaltprävention in Salzburg. Es war ein interessantes
Forum, wobei man auch feststellen konnte, dass es verschiedene Ansätze
gibt, die Männerthematik aufzugreifen. Ich werde mich mit allen,
die sich der Männerangelegenheiten annehmen, an einen Tisch setzen
und werde dort auch unsere Vorstellung vortragen. Natürlich müssen
wir uns an die Vorgaben der Politik halten.
Rufer: Wie sind Sie persönlich zum Männerthema gekommen?
Dr. Berchtold: Ich habe als Politikwissenschaftler und Philosoph
die Männerthematik schon immer behandelt, aber in einem gesamtheitlichen
Zusammenhang. Nicht getrennt als Frauen- oder Männerpolitik. Durch
meine Arbeit im Kabinett habe ich gesehen, dass in der Männerthematik
ein Vakuum existiert. Es ist bis jetzt schon das Thema Väter in
der Familien- oder Frauensektion behandelt worden. Ich glaube, dass
der geschlechterspezifische Ansatz von beiden Seiten gesehen werden
muss.
Rufer: Was war der konkrete Anlass für die Einrichtung einer
Männerabteilung?
Dr. Berchtold: Dazu müssen Sie Minister Haupt fragen. Ich
glaube, dass der praktische Bedarf da war. Bei einem Besuch der
Wiener Männerberatung wurde mir mitgeteilt, dass sie keine Werbung
machen, sonst könnten sie den Andrang nicht bewältigen. Andererseits
haben die Politiker gesehen, dass die Emanzipationsbewegung sich
der Männer zu wenig angenommen hat. Natürlich ist es ein Erfolg
der politischen Führung dieses Ressorts.
Rufer: Herr Doktor, wir bedanken uns für das Gespräch und
wünschen Ihrer Abteilung viel Erfolg!
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