Meine Meinung
Familie und Ladenschluss
- Leopold Wimmer -
Mit diesen beiden Worten kann man auf sehr knappe Weise die Zerrissenheit
der derzeitigen Bundesregierung aufzeigen. Zum einen hört man eben
von den Vertretern der Regierungsparteien, wie wichtig ihnen die
Familien sind und man bringt sogar das oberste Ziel Nulldefizit
möglicherweise in Gefahr, um dies auch materiell zu beweisen. Zum
anderen will eben diese Regierung in bester neoliberaler Geisteshaltung
die Ladenöffnungszeiten rund um die Uhr und vermutlich auch an Sonntagen
ermöglichen.
Wer dabei als erster auf der Strecke bleiben wird, sind die
Familien der kleinen selbstständigen Betriebsinhaber und der ohnehin
schon jetzt nicht besonders gut gestellten VerkäuferInnen.
Entsprechende Wortmeldungen waren ja selbst von Vertretern der
mittelständischen Wirtschaft schon zu hören, die am besten wissen,
wie es ihren Berufskollegen dabei geht. Soll dem Götzen Konsum alles
untergeordnet und dabei auch jene Werte zerstört werden, deren Erhalt
man so lautstark propagiert? Familie braucht Gemeinschaft, braucht
das füreinander Zeit haben! Wie soll das gehen können, wenn die
einzelnen Familienmitglieder sich nur flüchtig sehen, weil einmal
der Vater, die Mutter und dann wieder die Kinder zur Arbeit oder
in die Schule gehen müssen? Oder ist uns schon so fad, dass wir
unbedingt das Vergnügen des shopping brauchen, um unsere Freizeit
gestalten zu können?
Denn zur Versorgung brauchen wir diese Einkaufszeiten nicht.
Vor Jahren, als die Ladenschlussregelungen noch viel restriktiver
waren, hat mir ein aus USA gebürtiger Arbeitskollege, der ja die
dortigen ganztägigen Öffnungszeiten gewohnt war, versichert, dass
er auch bei uns ohne Probleme seine Einkäufe erledigen kann. Wenn
also keine unbedingte Notwendigkeit dafür besteht, dann sollte man
sehr reiflich abwägen, wohin der Weg unserer Gesellschaft führen
soll.
Wollen wir zu einer Konsum- und Eventgesellschaft werden, in der
jeder nur an sich und seine momentane Lustbefriedigung denkt und
in der das Recht des Stärkeren (Reicheren, Brutaleren) gilt? Oder
sind für uns Begriffe wie Verantwortung füreinander oder Solidarität
noch Werte, die es zu erhalten gilt?
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DI Dr. Leopold Wimmer, Obmann
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