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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    Mai 2001  
 
Meine Meinung

Familie und Ladenschluss

- Leopold Wimmer -

Mit diesen beiden Worten kann man auf sehr knappe Weise die Zerrissenheit der derzeitigen Bundesregierung aufzeigen. Zum einen hört man eben von den Vertretern der Regierungsparteien, wie wichtig ihnen die Familien sind und man bringt sogar das oberste Ziel Nulldefizit möglicherweise in Gefahr, um dies auch materiell zu beweisen. Zum anderen will eben diese Regierung in bester neoliberaler Geisteshaltung die Ladenöffnungszeiten rund um die Uhr und vermutlich auch an Sonntagen ermöglichen.

Wer dabei als erster auf der Strecke bleiben wird, sind die Familien der kleinen selbstständigen Betriebsinhaber und der ohnehin schon jetzt nicht besonders gut gestellten VerkäuferInnen. Entsprechende Wortmeldungen waren ja selbst von Vertretern der mittelständischen Wirtschaft schon zu hören, die am besten wissen, wie es ihren Berufskollegen dabei geht. Soll dem Götzen Konsum alles untergeordnet und dabei auch jene Werte zerstört werden, deren Erhalt man so lautstark propagiert? Familie braucht Gemeinschaft, braucht das füreinander Zeit haben! Wie soll das gehen können, wenn die einzelnen Familienmitglieder sich nur flüchtig sehen, weil einmal der Vater, die Mutter und dann wieder die Kinder zur Arbeit oder in die Schule gehen müssen? Oder ist uns schon so fad, dass wir unbedingt das Vergnügen des shopping brauchen, um unsere Freizeit gestalten zu können?

Denn zur Versorgung brauchen wir diese Einkaufszeiten nicht. Vor Jahren, als die Ladenschlussregelungen noch viel restriktiver waren, hat mir ein aus USA gebürtiger Arbeitskollege, der ja die dortigen ganztägigen Öffnungszeiten gewohnt war, versichert, dass er auch bei uns ohne Probleme seine Einkäufe erledigen kann. Wenn also keine unbedingte Notwendigkeit dafür besteht, dann sollte man sehr reiflich abwägen, wohin der Weg unserer Gesellschaft führen soll.

Wollen wir zu einer Konsum- und Eventgesellschaft werden, in der jeder nur an sich und seine momentane Lustbefriedigung denkt und in der das Recht des Stärkeren (Reicheren, Brutaleren) gilt? Oder sind für uns Begriffe wie Verantwortung füreinander oder Solidarität noch Werte, die es zu erhalten gilt?

DI Dr. Leopold Wimmer, Obmann



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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr